Räuberische Erpressung: Vermeintliches Opfer mit unterschiedlichen Aussagen

Freispruch

Einen Menschen zu bedrohen und ihm sein Geld abzunehmen, ist kein Kavaliersdelikt. Aber war es auch der Angeklagte, der diese Straftat beging? Die Zweifel der Richter hatten einen Grund.

von Jana Peuckert

Lünen

, 16.10.2019, 09:00 Uhr / Lesedauer: 1 min
Räuberische Erpressung: Vermeintliches Opfer mit unterschiedlichen Aussagen

Ein Lüner musste sich wegen räuberischer Erpressung vor Gericht rechtfertigen. Mit einer überrraschenden Wendung. © Foto Goldstein (A)

Mit zwei Hunden an der Leine soll ein 35 Jahre alter Mann an der Overbergschule bedrohlich auf einen damals 20-Jährigen zugegangen sein und ihn aufgefordert haben, sämtliche Taschen zu leeren. Aus Angst soll der Auszubildende sein Portemonnaie herausgegeben haben.

Der Täter habe 60 Euro entnommen und sei geflohen. Das ist räuberische Erpressung. Und genau dafür musste sich der Mann mit den Hunden im Schöffengericht des Amtsgerichts Lünen verantworten.

Der Angeklagte bestritt vehement, etwas mit der Sache zu tun zu haben: „Es stimmt überhaupt nicht. Es ist eine totale Lüge. Das ist erfunden.“ Der Lüner spekulierte, dass der 20-Jährige nur deshalb Anzeige bei der Polizei erstattet hatte, um sich für eine alte Geschichte, bei der es um die Rückzahlung von 120 Euro gegangen sei, zu rächen.

Der mutmaßliche Geschädigte hatte bei der Polizei zwei verschiedene Aussagen gemacht. Einmal waren es ein Hund und 60 Euro, dann wieder zwei Hunde und 80 Euro. Zum Gerichtstermin erschien er trotz Ladung nicht.

Der Richter ließ ihn daraufhin polizeilich vorführen. Die Überraschung: Er wisse gar nicht, ob es sich bei dem Angeklagten um den Täter handelte. Nach dieser Aussage konnte es nur noch einen Freispruch für den Angeklagten geben. Der Zeuge muss nun mit einem Verfahren wegen falscher Verdächtigung rechnen.

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