Radfahr-Ausbildung für Lüner Drittklässler durch Polizei auf der Kippe

dzJugendverkehrsschule

Radfahr-Ausbildung in der 3. Klasse, Prüfung in der 4. Klasse: So lief es bisher in Lünen. Jetzt will sich die Polizei aus der Ausbildung der Drittklässler zurückziehen. Dagegen gibt es Protest.

Lünen

, 04.10.2018, 15:57 Uhr / Lesedauer: 2 min

Die Polizei, so hat es das NRW-Innenministerium per Erlass verfügt, hat Wichtigeres zu tun als Drittklässlern das Fahrradfahren beizubringen. „Das gehört nicht mehr zu unseren Aufgaben, das liegt in der Verantwortung der Eltern und der Schulen“, erklärte der im Dortmunder Polizeipräsidium zuständige Erste Polizeihauptkommissar Ralf Lenfers mit Hinweis auf den Erlass aus Düsseldorf.

Die Konsequenz: Stand jetzt, werden Verkehrssicherheitsberater Rainer Strehl und seine Kollegen den Lüner Drittklässlern des aktuellen Jahrgangs nicht mehr das Radfahren beibringen bzw. sie beim Radfahren sicherer machen. Betroffen sind circa 700 Kinder.

Eine Lösung bisher nur für Dortmund

In Dortmund hat man sich bereits geeinigt, dass der dortige Allgemeine Deutsche Fahrrad-Club (ADFC) und die Verkehrswacht für die Polizei einspringen. „Eine ähnliche Lösung streben wir auch für Lünen an. Wir sprechen mit allen Partnern, auch den Schulen“, versichert Dana Seketa, Sprecherin der Dortmunder Polizei.

„Vorstellen können wir uns das“, so Dirk Schumann vom Lüner ADFC. Allerdings habe noch niemand offiziell mit dem ADFC gesprochen. Auf konkretere Informationen aus dem Dortmunder Präsidium warte auch die Verkehrswacht Lünen, erklärte deren Vorsitzender Martin Hane auf Anfrage.

Positives Erlebnis mit der Polizei

Immerhin saßen die Stadt Lünen als Schulträger, die Schulaufsicht des Kreises Unna und die Leiter der Lüner Grundschulen schon einmal gemeinsam am Tisch. „Am wichtigsten für uns ist eine Kooperation mit der Polizei in Uniform, wir brauchen diese Kooperationsebene, dieses positive Erlebnis der Kinder mit der Polizei“, betont Ute Klaka (Schule Am Heikenberg) für die Grundschulleitungen. Dass andere als Polizisten in Uniform die Radfahrausbildung machen, könne man sich aus der Perspektive der Schulen nicht vorstellen.

Jürgen Grundmann, Chef der Lüner Schulverwaltung, hat aus dem Treffen ebenfalls die Botschaft an die Polizei mitgenommen, „dass bei der Radfahr-Ausbildung jemand in Uniform steht“. Grundmann verweist auf die Flüchtlingskinder, die zum Teil aus Länder kämen, wo die Polizei eher als Bedrohung wahrgenommen werde. „Diese Kinder haben bei der Radfahrausbildung die Chance, einen Polizisten als netten Menschen kennen zu lernen.“

Vorschlag: Auf Besuch der Puppenbühne verzichten

Die Grundschulen, so Klaka und Grundmann, haben bereits einen konkreten Lösungs-Vorschlag gemacht: Die Lüner Erstklässler könnten auf den Besuch der Polizeipuppenbühne im Dortmunder Westfalenpark verzichten. Ute Klaka: „Das bindet einen Bezirksbeamten für jeweils sechs Stunden. Die freie Kapazität könnte die Polizei in die Radfahrausbildung stecken.“ Die Polizei habe die Argumente mitgenommen, man wolle beim nächste Treffen darüber reden, sagte Jürgen Grundmann. Einen Termin für das Gespräch gebe es noch nicht.

  • Die Radfahrausbildung für die Drittklässler fand meistens im Zeitraum zwischen Mitte Dezember und März des Folgejahres auf dem Gelände der Jugendverkehrsschule statt.
  • Unberührt vor der aktuellen Diskussion ist die Fahrrad-Prüfung für Viertklässler im öffentlichen Verkehrsraum. Sie wird auch weiterhin von der Polizei durchgeführt.
  • Die Fahrradkurse in den Ferien sollen ebenfalls weiterhin stattfinden.
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