Reisen statt rasen: So funktioniert eine RTF

Breitensport

Die „Radtourenfahrt“ ist kein Rennen, sondern eine Ausfahrt für Freizeit- und Gesundheitssportler. Auch ohne Wettkampfambitionen und Training sollen sie ihr Hobby in Gesellschaft ausüben können.

22.07.2019 / Lesedauer: 4 min
Reisen statt rasen: So funktioniert eine RTF

An der Anmeldung: Mit einem Scan&Bike-Pass geht es etwas schneller. © Borys Sarad

Wer den Teilnehmertross einer RTF an sich vorbeifahren sieht, könnte auf den Gedanken gekommen, die Tour de France sei wohl auf Abwege gekommen. Die allermeisten Teilnehmer sitzen auf einem Rennrad und tragen dazu die passende Kluft aus hautengem Trikot und Lycra-Hose.

Tatsächlich aber hat diese Fahrt einen ganz anderen Charakter als ein Rennen. Da geht es nicht darum, besser als die anderen zu sein. Vielleicht will man besser sein als in der Vorwoche. Oder im Vorjahr.

Radsport ohne Leistungsdruck

„RTF“, diese Abkürzung steht aktuell für „Radtourenfahrt“, aber auch der ältere Begriff „Radtouristikfahrt“ ist noch sehr geläufig. Reisen statt Rennen fahren, das trifft den Sinn der Veranstaltung am ehesten. Und der Übergang vom Volksradfahren zur RTF ist durchaus fließend.

Die RTF ist ein Veranstaltungsformat, das der Radsportdachverband BDR für den Breitensport entwickelt hat. Wer sein Rad aus reiner Freude am Fahren nutzt oder Sport als Beitrag zur Gesunderhaltung treibt, soll eine Gelegenheit bekommen, dies in Gemeinschaft anderer zu tun. Sieger und Platzierte gibt es nicht. Der einzige Leistungsanreiz besteht darin, dass man für zurückgelegte Strecken Punkte bekommt und diese über die Saison hinweg sammeln kann.

Woche für Woche liebesvolles Ehrenamt

Von März bis Anfang Oktober richten die Radsportvereine in Deutschland an den Wochenenden RTFs aus. Und sie machen es sehr liebevoll. Mitglieder der ausrichtenden Vereine verpflichten oft auch ihre Ehepartner und Kinder, um die Anmeldeschalter oder Kontroll- und Verpflegungsstellen zu besetzen. Da werden Kuchen gebacken, Butterbrote geschmiert und Obst kleingeschnitten. Radfahrer sind ja auch hungrig. Neben der Gelegenheit, neue Strecken zu erfahren, ist gerade dieses Drumherum einer der schönsten Gründe, an RTFs teilzunehmen.

Einsteiger-Tipps für die RTF

Was die RTF vom Volksradfahren unterscheidet, sind in erster Linie die Streckenlängen, die bei der RTF auf einen gewissen Trainingsstand abgestellt sind. Im Frühling werden oft nur Strecken von gut 40 und gut 70 Kilometern angeboten. Später im Jahr geht es bis über 150 Kilometer hinaus.

Ansonsten gilt für die RTF wie für das Volksradfahren: Teilnehmen kann immer jeder – egal ob Vereinsmitglied oder nicht. Mitglieder des BDR zahlen allerdings in der Regel ein etwas niedrigeres Startgeld.

Der Start ist eigentlich eher eine Streckenfreigabe, mit der ein Zeitfenster eröffnet wird. Losfahren kann man also „von bis“. Aber: Irgendwann wollen die Helfer an den Kontrollstationen nach Hause. Gerade für die langen Strecken der RTF ist das Startzeitfenster daher oft verkürzt.

Die Anmeldung zur RTF erfolgt wie beim Volksradfahren vor dem Start vor Ort. Wer die Abwicklung beschleunigen und es dem Veranstalter etwas leichter machen möchte, kann sich einen „Scan&Bike“-Pass erstellen. Auf der Internetseite scan.bike werden dabei persönliche Daten zu einem QR-Code verwandelt, den man Ausdrucken und bei der Anmeldung unter den Scanner halten kann. Dieser Pass gilt immer für eine Saison.

Bei der Anmeldung gibt es dann die Kontrollkarte der Tour und eine Startnummer, die am Rad oder an der Bekleidung befestigt wird. Befestigungsmaterial gibt es in der Regel dazu. Es schadet aber nicht, wenn man selbst ein paar Sicherheitsnadeln oder Kabelbinder mitnimmt.

Vor der Abfahrt gibt es gleich am Start den ersten Stempel für die Kontrollkarte, und dann kann es auch schon losgehen.

Navigation mit Wegweisern und GPS

RTF-Strecken sind mit Hinweisen an Laternen und Schildermasten ausgeschildert. Viele Veranstalter stellen aber auch Dateien fürs Fahrrad-Navigationsgerät ins Internet. Aufpassen: Weil in der Regel immer mehrere Streckenlängen angeboten werden, teilt sich der Weg mehrmals. Mit der falschen Gruppe mitzufahren, kann dann Bonusmeilen bedeuten.

Kleine Stärkungen inklusive

Je nach Streckenlängen passiert der Radler eine oder mehrere Kontrollstellen. Der Stempel in der Streckenkarte dient später als Nachweis für alle, die über die Saison hinweg RTF-Punkte sammeln wollen. Wichtig für alle Fahrer: Die Kontrollstellen sind auch Verpflegungsstellen. Dort kann man einmal absteigen, etwas essen und trinken. Die Verpflegung ist mit dem Startgeld bezahlt.

Verkehrsregeln beachten

Radtouristikfahrten führen zwar meist über Nebenstraßen, werden aber ohne Streckensperrung im Straßenverkehr ausgetragen, dessen Regeln daher auch einzuhalten sind. Darüber hinaus praktizieren RTF-Fahrer Teamwork: An Kreuzungen geht der Ruf „frei!“ oder „Auto kommt!“ von vorne nach hinten durch die Gruppe. Hinternisse und Schlaglöcher werden mit dem Fingerzeig nach Hinten gemeldet, Gegenverkehr mit einer Wisch-Geste hinter dem Rücken.

„Wir sind wieder da!“

Zurück am Start schätzen es viele Veranstalter, wenn man sich zurückmeldet. Auch die Startnummern werden zum Teil wieder eingesammelt. Der Start-Ziel-Bereich ist aber immer auch ein geselliger Treffpunkt, um mit anderer Radfahrern ins Gespräch zu kommen oder die nächste Ausfahrt zu planen. Termine für Radtouristikfahrten veröffentlicht der Bund Deutscher Radler jährlich, meistens ab Mitte Februar, in seinem Breitensportkalender.

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