Prozess nach Fund einer Cannabisplantage in Menden

dzSchöffengericht

Eine hohe Stromrechnung brachte sie ins Visier der Ermittler: Mendener, die 320 Cannabispflanzen erntereif zogen, müssen sich jetzt vor Gericht verantworten.

von Jana Peuckert

Menden

, 18.09.2018, 15:57 Uhr / Lesedauer: 2 min

Als Mitarbeitern der Stadtwerke Menden ungewöhnlich hohe Stromkosten für eine Gewerbehalle auffielen, wandten sie sich an die Polizei. Nicht zu Unrecht wie sich schon bald herausstellte:

Nach einiger Zeit der Observierung stürmten Beamte am 20. Mai des vergangenen Jahres das Gebäude. Drinnen stießen sie auf drei Männer, die gerade dabei waren, eine Cannabisplantage zu ernten. Mehr als 300 Pflanzen in prächtiger Blüte präsentierten sich den Ermittlern.

Das erwischte Trio machte keinerlei Schwierigkeiten. Sofort gab einer der Männer (33) zu, die Plantage angelegt zu haben. Die beiden anderen Männer, 39 und 27 Jahre alt, waren als Erntehelfer im Einsatz. Am Dienstag mussten sich alle im Schöffengericht des Amtsgerichts Menden verantworten. Auch dort legten sie umfassende Geständnisse ab.

Finanzielle Not nennt ein Angeklagter als Motivation

Der 33-Jährige aus Hemer gab an, in finanzieller Not gewesen zu sein. Raten für ein Luxusauto und die Miete der Halle hätten ihn auf die Idee gebracht, durch das Handeltreiben mit Marihuana an Geld zu kommen. Selbst Konsument war er in die Niederlande gefahren, um sich mit passenden Utensilien wie Belüftung und Licht sowie mit 340 Stecklingen auszurüsten.

Der erste Versuch scheiterte jedoch nach drei Wochen. Noch bevor die Pflanzen erntereif waren, hatte der Mehltau zugeschlagen und alles zerstört. Der Angeklagte ließ jedoch nicht von seinem Plan ab. Kurzerhand besorgte er sich 320 neue Pflanzen.

Es soll der „größte Fehler des Lebens“ gewesen sein

„Es war der größte Fehler meines Lebens“, gab er im Gericht zu. Um die Ernte schnell über die Bühne bringen zu können, hatte er einen Kumpel um Unterstützung gebeten. „Ich wollte einfach einem Freund helfen“, begründete der 39-Jährige seine Beihilfe. Und weil drei Pflücker besser sind als zwei, hatte er auch gleich noch einen weiteren Mann mit in die Sache hinein gezogen. „Was mir auch sehr leidtut“, beteuerte der 39-Jährige.

Besagter Dritter hatte erst an der Halle erfahren, worum es sich bei der Hilfe handelte. Er habe nur gewusst, dass er sich alte Klamotten anziehen solle. Hätte der erste Anbauversuch zum Erfolg geführt, wären etwa 16 Kilogramm Marihuana das Ergebnis gewesen. Ebenso beim zweiten Anbau, bei dem ein Verkauf durch das Einschreiten der Polizei hatte verhindert werden können. Zwei Jahre Haft auf Bewährung lautete am Ende das Urteil gegen den Haupttäter. Als Auflage muss er 4000 Euro an gemeinnützige Einrichtungen zahlen.

Helfer stand unter laufender Bewährung

Dem 39-jährigen Helfer fielen einschlägige Vorstrafen auf die Füße. So stand er zur Tatzeit wegen Anbaus einer Cannabisplantage im Dachgeschoss seines Elternhauses unter laufender Bewährung. Er wurde zu einem Jahr auf Bewährung verurteilt, muss aber 7200 Euro als Auflage zahlen. Mit vier Monaten und zwei Wochen Bewährungsstrafe kam der dritte Angeklagte davon. Er hatte erst kurz vorher von allem erfahren, hatte allerdings noch 0,5 Gramm Amphetamin in der Hosentasche. Als Auflage muss er 750 Euro zahlen.

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