Promivermittler Hellen: „Alles über den Kopf gewachsen“

Königin Silvia von Schweden, Bundespräsident a.D. Roman Herzog und Boris Becker: Sie alle gehörten schon zu den Preisträgern des Steiger-Awards, den Promivermittler Sascha Hellen jährlich veranstaltet. Jetzt steht Hellen vor Gericht. Der Vorwurf: Betrug.

18.06.2019 / Lesedauer: 3 min

Er war der Mann, der die Promis ins Ruhrgebiet holte: Sascha Hellen, Veranstalter, Medienberater, Promi-Vermittler. Doch jetzt steht der 41-Jährige vor Gericht. Es geht um Betrug, Untreue und Insolvenzverschleppung. Zum Prozessauftakt hat der Bochumer Geschäftsmann am Dienstag jedoch sofort die Flucht nach vorn angetreten. Er hat zugegeben, Geschäftspartner und Privatpersonen um hohe Geldbeträge betrogen zu haben. Sein Ziel: eine Bewährungsstrafe.

Hintergrund seien finanzielle Schwierigkeiten seiner Firma gewesen. In dieser Situation will der 41-Jährige Kreditverträge abgeschlossen haben, die er anschließend nicht bedienen konnte. Zu den Geschädigten gehören laut Anklage unter anderem ein bekannter TV-Moderator und ein bekannter Bochumer Mediziner. Der Gesamtschaden soll sich auf rund 1,1 Millionen Euro belaufen. Hellen war vor allem durch den Steiger-Award bekannt geworden, den er seit 2005 verleiht. Zu den Preisträgern gehörten unter anderem Königin Silvia von Schweden, Boris Becker und Alt-Bundespräsident Roman Herzog.

Zum Prozessauftakt vor dem Bochumer Landgericht erklärte Hellen, dass er die Vorwürfe vollumfänglich einräume. Er habe Darlehensverträge abgeschlossen, um seine finanziellen Schwierigkeiten zu überbrücken. Diese seien 2012 durch eine Veröffentlichung der Honorarsätze des damaligen SPD-Kanzlerkandidaten Peer Steinbrück ausgelöst worden, der in Bochum auf einer von Hellen organisierten Veranstaltung aufgetreten ist.

Danach habe er eine Reihe von Fehlentscheidungen getroffen, dessen Tragweite ihm erst durch die Anklage bewusst geworden sei. „Aber ich werde mich meiner Verantwortung stellen“, so Hellen.

Allein ein befreundeter Fernseh-Moderator hatte Hellen Darlehen von knapp 580.000 Euro zur Verfügung gestellt - für die Erstellung einer Biografie und zur Überwindung von Zahlungsschwierigkeiten. Ein Bochumer Mediziner hatte dem 41-Jährigen rund 100.000 Euro geliehen. „Die Summe sollte unter anderem mit Gegenleistungen verrechnet werden“, so Hellen. Der Mediziner habe zum Beispiel ein Interview mit Wladimir Putin führen wollen, das organisiert werden sollte.

Einem Mann aus Luxemburg hatte der 41-jährige Hellen laut Anklage eine Audienz beim Dalai Lama versprochen. Dafür hatte er 25.000 Euro gefordert und eine Anzahlung in Höhe von 15.000 Euro sofort kassiert. Zu dem Treffen war es jedoch nie gekommen. Der Vorschuss wurde nicht zurückgezahlt. „Mir ist alles über den Kopf gewachsen“, sagte Hellen den Richtern der 12. Strafkammer. „Ich habe händeringend nach Lösungen gesucht, um Löcher zu stopfen.“

Die 12. Strafkammer des Bochumer Landgerichts hat im Rahmen einer sogenannten Verständigung bereits zugesichert, dass Hellen im Falle einer geständigen Einlassung auch noch mit einer Bewährungsstrafe rechnen könne.

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