Prognose zeigt erwarteten Lehrermangel und Lehrerüberschuss

Das Thema Lehrermangel ist ein Dauerbrenner. Jetzt hat die Kultusministerkonferenz neu berechnet, wie sich die Lage in den kommenden Jahren entwickeln könnte. Ergebnis: Es gibt beides - Mangel und Überschuss an Lehrern, je nach Schulform.

05.12.2019, 19:10 Uhr / Lesedauer: 2 min
Prognose zeigt erwarteten Lehrermangel und Lehrerüberschuss

Ein Schüler an einem Gymnasium meldet sich im Unterricht. Foto: Armin Weigel/Archiv

Lehrermangel wird in den nächsten zehn Jahren bundes- und landesweit ein großes Thema bleiben - an den Grundschulen wird aber eine Trendwende erwartet. Das geht aus einer neuen Prognose der Kultusministerkonferenz (KMK) hervor, die der Deutschen Presse-Agentur vorliegt. Der Bericht „Lehrereinstellungsbedarf und -angebot in der Bundesrepublik Deutschland 2019 - 2030“ wurde am Donnerstag in Berlin beschlossen.

Die zentralen Befunde: Durchgängig bis 2030 sind vor allem Engpässe an Berufsschulen und Schulen der Sekundarstufe I (Haupt- und Realschulen) zu erwarten. Ebenfalls durchgängig ist dagegen mit einem Überangebot an Gymnasiallehrern zu rechnen - deutschlandweit.

An den Grundschulen stellt sich die Lage differenzierter dar: Bis einschließlich 2023 prognostizieren die Kultusminister eine sehr große Lücke von insgesamt rund 12 400 fehlenden Lehrern. Ab 2024 wird hingegen ein wachsender rechnerischer Lehrerüberschuss erwartet.

Für NRW ist 2019 ein Einstellungsbedarf von 1848 Lehrern an Grundschulen ausgewiesen, dem aber nur 1044 Angebote gegenüberstehen. 2021 soll der Bedarf demnach auf einen Spitzenwert von 2306 steigen (Angebot: 1235) und danach der Prognose zufolge bis zum Jahr 2028 kontinuierlich sinken.

Ebenso wie im Bundestrend, gäbe es auch in NRW erstmals 2024 eine Trendwende hin zum Lehrerüberhang an Grundschulen mit einem Angebot von 1566 Bewerbern, die sich um nur 1514 Neueinstellungen bewerben könnten. Ab 2027 wird jährlich mit jeweils 1705 Personen gerechnet, die im Jahr 2030 allerdings nur noch 929 Angebote in NRW hätten.

Grundsätzlich erwarten die Länder, dass sich der durchschnittliche jährliche Lehrereinstellungsbedarf in fast allen Schulbereichen im Vergleich zu den letzten Prognosen von 2018 erhöht. Hauptgründe seien steigende Schülerzahlen durch mehr Geburten und Zuwanderung. Laut Bedarfsprognose des NRW-Schulministeriums fehlen in NRW in den nächsten zehn Jahren insgesamt rund 15 000 Lehrer.

Auch hier wird es aber aller Voraussicht nach bei einem Überangebot an Gymnasiallehrern bleiben. Der Prognose zufolge wird ein stabiles jährliches Angebot von 3380 Lehrern für die allgemeinbildenden Fächer des Sekundarstufe II oder des Gymnasiums bis 2030 auf einen Neueinstellungsbedarf um jeweils rund 2200 Lehrkräfte treffen.

Die Lehrerlücke an den Berufsschulen wird in NRW drastisch wachsen: Einem jährlichen Angebot von 479 erwarteten neuen Bewerbern steht schon jetzt ein Bedarf von 786 Einstellungen gegenüber - 2030 sollen es fast 1500 sein.

Nach der KMK-Prognose bestehen mit Ausnahme des Gymnasialbereichs deutschlandweit bis 2030 „gute Einstellungschancen im Schulsystem“. Die neuen Modellrechnungen der Länder zur voraussichtlichen Lücke zwischen Lehrerbedarf und Angebot gäben allerdings noch keinen Aufschluss über den eigentlichen Lehrermangel an den Schulen, heißt es in dem Bericht.

Begründung: Die Länder steuern jedes Jahr mit Maßnahmen wie der Reaktivierung von Pensionären oder dem Einsatz von Quereinsteigern gegen. In Deutschland gibt es nach KMK-Angaben rund 798 000 hauptberufliche Lehrer - laut amtlicher Schulstatistik über 200 000 davon in NRW.

Die Schülerzahlen an den allgemein bildenden Schulden werden der KMK-Prognose zufolge zwischen 2019 und 2030 bundesweit um knapp 754 000 auf rund 9,1 Millionen steigen - in NRW von über 1,9 Millionen auf mehr als 2,2 Millionen.

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