Fitnessstudios helfen, Bewegung ins Leben zu bringen. Aber sind die Besucher dort auch gut aufgehoben? Heute im Test: das Pro-Active Fitnesscenter, das Krafttraining der alten Schule bietet.

Selm

, 03.12.2018 / Lesedauer: 6 min

Als ich das erste Mal beim Pro-Active Fitnesscenter Selm anrufe, geht niemand ans Telefon. Und das, obwohl das Studio donnerstagnachmittags zum Zeitpunkt meines Anrufes eigentlich geöffnet haben soll. Ich versuche es einige Tage später erneut - und habe Glück. „Wann möchtest du denn kommen?“, fragt mich der Mann am anderen Ende der Leitung. Das Duzen beim Sport ist für mich normal. Manche mögen das allerdings zumindest beim Vorgespräch anders sehen. Ich sage, dass ich freitagvormittags Zeit für ein Probetraining hätte. „Dann komm am besten um 10.15 Uhr“, sagt der Fitnessstudio-Mitarbeiter. „Um 10 öffnen wir nämlich.“

Zum Probetraining soll ich Sportkleidung und ein Handtuch mitbringen. Mit beidem ausgestattet, betrete ich an einem Freitagvormittag das Studio. Zunächst sehe ich nur Geräte und einige Männer mittleren Alters, die daran trainieren. Eine Theke entdecke ich erst, als ich weiter ins Studio hineingehe. Eine Frau in Pullover, Jeans und Hausschuhen eilt um die Theke herum. „Hallo, wir haben heute einen Termin“, sagt sie. „Ich bin Lydia Lexy.“ Offensichtlich bin ich im falschen Trainingsbereich gelandet, denn Lydia lotst mich durch eine Falttür in einen Raum, der in Rosa und Weiß gestaltet ist. Auch die Trainingsgeräte hier sind rosafarben. „Das hier ist der Frauenbereich“, erklärt Lydia.

Duschen von Umkleide getrennt

Sogar eine separate Eingangstür gibt es hier. „Du kannst entweder durch die große Tür gehen und rüberkommen oder hier direkt durch die Tür kommen“, sagt Lydia. Sie führt mich in einen kleinen Raum mit Spinden und einer Turnhallenbank, die als Ablage dient. Lydia reicht mir den Schlüssel für den Spind Nummer 17 und lässt mich alleine, damit ich mich in Ruhe umziehen kann. Die Umkleide und die daran angeschlossene Toilette sind altmodisch, aber zweckmäßig. Alles sieht sauber aus. In dem Spind bekomme ich meine große Sporttasche problemlos unter, meine Jacke kann ich an eine Garderobe hängen. Die Duschen befinden sich, wie ich später erfahre, im anderen Teil des Studios.

Wie funktioniert der Fitnessstudio-Test? Neben meinem Redaktions-Volontariat gebe ich Zumba-Kurse (lizensierter Instructor) und habe schon in verschiedenen Fitnessstudios und bei verschiedenen Sportvereinen gearbeitet. Ich beschreibe die hier getesteten Studios und das Probetraining so, wie ich es erlebt habe.

Im Trainingsbereich erwartet mich Lydia. „Kennst du dich schon aus?“, fragt sie. Ich verneine, denn ich möchte ein Probetraining auf Anfängerniveau. Nach gesundheitlichen Einschränkungen fragt sie jedoch nicht. Lydia führt mich zu einem Stepper und zeigt, wie er funktioniert. Als ich auf dem Gerät stehe, stellt sie mir die Geschwindigkeit ein. „Das hier ist ein Zirkeltraining“, erklärt sie. „Du machst 15 Wiederholungen pro Gerät und machst am Anfang und nach jeder Runde drei Minuten auf dem Stepper.“ Während ich mich aufwärme, verschwindet Lydia hinter die Theke, auf der ich meinen Spindschlüssel ablegen konnte. Auf Wunsch stellt sie mir ein Mineralwasser dazu, von dem ich in der dreiminütigen Pause zwischen den Zirkelrunden trinken kann.

Frauen können für sich sein

Der Frauen-Zirkel des Pro-Active ist tatsächlich nicht einsehbar. Sogar die Falttür zum anderen Trainingsbereich kann man schließen. „Viele Frauen finden es gut, wenn ihnen niemand beim Training zugucken kann“, erklärt Lydia und führt mich zum ersten Gerät des Zirkels. Drei Runden soll ich insgesamt machen. Später könnten es auch vier werden, aber nicht mehr. Und zuerst sollte das Gewicht angepasst werden, damit das Training nicht zu leicht wird. Fürs Probetraining stellt mir Lydia zunächst niedrige Gewichte ein. „Ist das in Ordnung so oder schaffst du noch mehr?“, fragt sie und passt das Gewicht entsprechend an.

Lydia macht mir jede Übung vor und erklärt worauf ich achten muss. „Hier musst du auf deine Arme achten“, sagt sie bei der Schulterpresse. „Wenn du das Gewicht hochdrückst, bleiben deine Arme noch leicht angewinkelt. Beim Herunterlassen bleiben die Oberarme und Ellbogen auf Schulterhöhe.“ Sie begrenzt meine Bewegungen, indem sie ihre Hände auf die richtige Höhe hält. Während sie Gerät für Gerät mit mir durchgeht, erklärt sie mir, wie mein Training in Zukunft aussehen könnte: „Viele Frauen fangen hier an und gehen später auch hinüber in den anderen Trainingsbereich“, sagt Lydia. Denn im Frauenbereich gebe es beispielsweise nur eine Beinübung, nebenan hätte ich mehr Möglichkeiten.

Acht Übungen im Zirkeltraining

Insgesamt acht Übungen für die großen Muskelgruppen wie Bauch, Beine und Rücken gibt es im Zirkel. Die drei Minuten Ausdauertraining zwischen den Zirkelrunden können Frauen auf einem Fitnessfahrrad oder auf dem Stepper absolvieren. „Viele machen es auch abwechselnd und trainieren einen Tag hier und einen Tag nebenan“, erzählt Lydia. An dem Tag auf der großen Trainingsfläche könne man dann beispielsweise nur die Beine trainieren. Bei meiner ersten Zirkelrunde bleibt Lydia die ganze Zeit neben mir, achtet darauf, ob ich alles richtig mache und korrigiert auch kleinste Haltungsfehler sofort.

Bevor es wieder auf den Stepper geht, fragt Lydia: „Kommst du erst einmal zurecht? Denk an deine Pause. Wenn etwas ist, bin ich sofort da.“ Auf ihrem Tresen steht sogar eine Klingel, mit der ich auf mich aufmerksam machen könnte. Nach dem Stepper setze ich mich an die Bar und trinke etwas. Ich nutze die Zeit, um Lydia nach den Angeboten des Studios zu fragen. Gibt es neben dem Krafttraining auch einen Kursbereich? „Nein, den haben wir hier leider nicht.“ Es sei kein Platz für einen Kursraum, schließlich befindet sich das Pro-Active in der unteren Etage eines Wohnhauses. Zwar würde ich persönlich kein Mitglied in einem Studio ohne Kursangebot werden wollen, finde es jedoch nicht schlecht, sich auf einen Bereich zu konzentrieren und den dafür gut zu machen.

Trainerin ist immer sofort zur Stelle

Lydia, der ich nicht erzählt habe, dass ich für eine Recherche da bin, erinnert mich an meine nächste Zirkelrunde. Ich starte zunächst alleine. Zum Glück hat Lydia mir alle Übungen genau erklärt, sodass ich auch wenn ich tatsächlich Anfängerin wäre, gut zurechtkommen würde. Und schon beim zweiten Gerät ist Lydia wieder an meiner Seite. Während ich trainiere, trainiert noch eine weitere Frau mittleren Alters im Frauenzirkel. „Wenn ihr euch mal in die Quere kommt, kannst du einfach ein Gerät überspringen und es stattdessen später machen“, sagt Lydia. So funktioniere das Zirkeltraining auch dann, wenn mehrere Frauen gleichzeitig in dem kleinen Raum trainieren.

Lydia erzählt mir, dass sie immer für den Frauenbereich zuständig und jederzeit ansprechbar ist. „Ich bin ausgebildete Trainerin“, sagt sie auf meine Nachfrage hin. Und das gibt mir neben Lydias Verhalten ein noch sichereres Gefühl beim Training. In der nächsten Trainingspause erfahre ich, dass ich auch eine Ernährungsberatung im Pro-Active machen könnte. „Früher haben wir das immer mit haargenauem Abwiegen gemacht“, sagt Lydia. „Jetzt machen wir einen Plan, den man auch wirklich problemlos und ohne großen Aufwand im Alltag umsetzen kann.“ Im Studio selbst können Kunden Eiweißpulver kaufen oder direkt vor Ort einen Eiweißshake trinken. Den müssen Studio-Besucher jedoch im Gegensatz zu allen übrigen Getränken extra bezahlen.

Günstige Mitgliedsbeiträge für unter 18-Jährige

Im Mitgliedsbeitrag ist eine Getränke-Flatrate enthalten. Aus Gläsern an der Theke oder aus der eigenen Plastiktrinkflasche können Kunden so während des Trainings ausreichend Flüssigkeit zu sich nehmen. Bei einer Vertragslaufzeit von einem Jahr kostet das Krafttraining im Pro-Active 20 Euro im Monat. Für unter 18-Jährige sogar nur 15 Euro. „Unsere Mitgliedsbeiträge sind günstiger geworden“, sagt Lydia. „Vorher kostete die Mitgliedschaft 24,95 Euro im Monat.“ Die Kündigungsfrist beträgt zwei Monate. Lediglich das Solarium kostet zwei Euro für sieben Minuten extra.

Nach drei Zirkelrunden und somit circa 45 Minuten Training, endet mein Probetraining. „Du hast es geschafft“, sagt Lydia und schenkt mir noch einmal Wasser nach. „Wenn du möchtest, kann ich dir jetzt gerne noch einmal den Bereich nebenan zeigen.“ Gemeinsam gehen wir durch die Falttür. Auf der großen Trainingsfläche gibt es Ausdauergeräte wie Cross Trainer, Stairmaster, Laufbänder und Fitnessfahrräder. Diese Geräte sind zumindest optisch die mit Abstand modernsten im Pro-Active. Wobei es bei den Geräten nicht auf das Alter, sondern auf die Funktionalität ankommt. Und zumindest die Geräte im Frauenzirkel, die ich ausprobiert haben, funktionierten einwandfrei und wirkten gepflegt.

Viele Geräte fürs Krafttraining

Neben einem Freihantelbereich gibt es auf der großen Trainingsfläche viele verschiedene Geräte fürs Krafttraining. „Diese Geräte hier sind zum Beispiel fürs Beintraining“, sagt Lydia und deutet auf drei Geräte, die nebeneinander stehen. „Die könnte ich dir beim nächsten Mal zeigen.“ Wir gehen zurück in den Fauenbereich. Bevor ich in die Umkleidekabine gehe, reicht Lydia mir einen Flyer mit den Öffnungszeiten. „Mittwochs und am Wochenende haben wir nicht so lange geöffnet“, erklärt sie. Und so verabschiede ich mich nach einer guten Stunde Aufenthalt im Pro-Active.

Lydia war freundlich, aufmerksam und hat all meine Fragen beantwortet. Obwohl sie mich zwischenzeitlich hat alleine trainieren lassen, hatte ich die gesamte Zeit über das Gefühl, dass sie ein Auge auf mich hat. Auf Trainingswünsche ist sie nicht eingegangen, was aber auch an dem festen Zirkeltraining liegen könnte. Zumindest hat sie mir für das nächste Training in Aussicht gestellt, mir meine Wunschübungen auf der großen Trainingsfläche zu zeigen. Eine Frage, die mir fehlte, war die nach möglichen gesundheitlichen Problemen. Denn sollten die bestehen, müsste bei einem Probetraining darauf eingegangen werden.

Studio für Bodybuilding und Krafttraining

Mein Fazit: Das Pro-Active Fitnesscenter Selm bietet umfangreiche Möglichkeiten fürs Krafttraining. Wie auf der Homepage des Studios zu lesen ist, bietet das Pro-Active auch Vorbereitungstraining für Bodybuilding-Wettkämpfe an. Wer also derartige Ambitionen hat oder einfach die Muskeln stärken möchte, ist im Pro-Active genau richtig. Auch Frauen, die lieber ungestört trainieren möchten, werden sich hier wohlfühlen. Lediglich Kursliebhaber sind hier an der falschen Adresse.

Pro-Active Fitnesscenter Selm Das Pro-Active Fitnesscenter Selm befindet sich am Sandforter Weg 31. Kunden können ihr Auto direkt am Fitnessstudio abstellen. Einen Termin für ein Probetraining kann man persönlich oder telefonisch unter Tel. (02592) 2 12 44 vereinbaren. Das Pro-Active ist ein privates Studio. Inhaber ist Bruno Lexy. Weitere Informationen zum Pro-Active, wie Ausstattung und Öffnungszeiten, gibt es auf der Homepage des Studios und bei Facebook.
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