Praktizierte Ökumene: Kirchen teilen sich Gemeindezentren

An Weihnachten werden die Kirchen wieder gefüllt sein, an normalen Sonntagen ist nicht so. Denn die Mitgliederzahlen gehen zurück. Die Kirchen müssen sich verkleinern. Gebäude werden aufgegeben. Manchmal ist eine ökumenische Wohngemeinschaft die Lösung.

19.12.2018 / Lesedauer: 3 min

Evangelischer Gottesdienst in katholischer Kirche - und umgekehrt: Langsam steigt die Zahl der Kirchen, die gemeinsam genutzt werden von den Gemeinden beider Konfessionen. „Aktuell sind fünf Projekte in der Planung und Genehmigung“, sagte Markus Schaefer, der Ökumene-Fachmann der Evangelischen Kirche im Rheinland, der Deutschen Presse-Agentur in Düsseldorf.

Zu den Pionieren der Ökumene gehören zwei Kirchengemeinden im Mettmanner Stadtteil Metzkausen. Dort ist Anfang Dezember die evangelische Kirche entwidmet worden, die Gemeinde zieht in die benachbarte katholische Kirche. „Ökumenisches Zentrum in Heilige Familie“ heißt die Einrichtung nun. „So viel gemeinsam wie möglich, so viel getrennt wie nötig!“, ist das ausgewiesene Motto der beiden Gemeinden.

Monsignore Herbert Ullmann, leitender Pfarrer der verantwortlichen Pfarrei St. Lambertus, hält wirtschaftliche Gründe bei der Zusammenlegung für unwesentlich. „Das war uns nicht die Motivation, wir hätten beide Kirchen nicht aufgeben müssen“, sagt er. „Viel wichtiger ist die Tatsache, dass wir als ökumenisches Zentrum eine größere Ausstrahlung unserer christlichen Identität besitzen.“

Beide Gemeinden arbeiteten bereits seit längerem eng zusammen, es gebe schon das notwendige „geistige Miteinander“. „Und weil wir vorher bereits vieles gemeinsam gemacht haben, war jetzt einfach die Zeit für diesen Schritt.“ Er kann sich weitere gemeinsame Pfarrfeste oder Seniorenkreise, Kinder- oder Bibeltage gut vorstellen.

Keineswegs sind die Metzkausener alleine bei diesem Schritt: Eine weitere gemeinsame Einrichtung gibt es seit Ende September 2018 in Essen. Zentren sind auch in Krefeld und in Aachen geplant, wie Ökumene-Fachmann Schaefer sagt.

Nach seiner Einschätzung wird es künftig auch wegen des Mitgliederschwundes und geringerer Einnahmen weitere Projekte geben: „Das häuft sich jetzt“. Das Reformationsjubiläum 2017 habe ökumenischen Initiativen einen kräftigen Schub gegeben. Im Zuge der Feiern zum 500. Jahrestag von Luthers Thesenanschlag hatten die evangelischen Landeskirchen im Rheinland und in Westfalen sowie katholische Bistümer einen Ausbau der Partnerschaft vereinbart. Kooperationen gibt es bislang vor allem in Großstädten.

Schaefer verwies darauf, dass vor Ort die Zusammenarbeit oft schon eng sei, auch in Chören oder Kirchenorchestern. Bei der Notfall- oder der Krankenhaus-Seelsorge arbeiten beide Konfessionen schon lange zusammen.

Weitere Meldungen
Meistgelesen