Postbank wollte 400 Euro vom Sparbuch als Kleinbetrag behalten und nicht mehr auszahlen

dzStreit um Erspartes

Wer lange kleine Beträge spart, kostet die Bank Geld. Die Postbank wollte deshalb einer alleinerziehenden Mutter ein 400 Euro Sparbuch nicht mehr auszahlen. Bis sie Erstaunliches herausfand.

Schwerte

, 19.03.2019, 05:00 Uhr / Lesedauer: 3 min

Die Ziffern des Saldobetrags sind ein wenig schwierig zu lesen: 404 Euro und 96 Cent, ist mit blauer Tinte auf den rechten Rand des Sparbuchs gedruckt. Offensichtlich hatte der aktuelle Standarddrucker für Sparbücher mit dem alten Sparbuch seine Probleme. Dennoch fest steht: Stefanie G. hat die Summe auf ein Sparbuch der Post eingezahlt, dort will man aber das Geld offenbar nicht wieder rausrücken.

Vor 18 Jahren hatte Stefanie G. das Geld beim damaligen Postscheckamt in Hamburg eingezahlt, auf ein Sparbuch. Bis dahin, so erzählt die alleinerziehende Mutter zweier Töchter, hatte sie das Geld in einer Spardose daheim aufbewahrt. Nun zahlte sie es bei der Postbank ein, um es bei Gelegenheit abheben zu können.

Abiball steht vor der Tür

Zu Beginn dieses Jahres wollte sie das Geld abholen. Denn bei der ersten ihrer beiden Töchter steht der Abiball an. Dafür sollte ein entsprechendes Kleid gekauft werden. Stefanie G. hatte das Geld von dem Sparbuch fest eingeplant. Denn als alleinerziehende Mutter muss sie auf jeden Cent achten.

Bei der Postfiliale in Holzwickede, wo sie den Betrag abheben wollte, erklärte man ihr kurzerhand: „Diese Art Sparbücher gibt es gar nicht mehr.“ Der Sachbearbeiter verwies sie zu nächsten Postfiliale. Dort erklärte man ihr, dass dieses Sparbuch gelöscht sei. Und in einer weiteren Filiale der Postbank erklärte der zuständige Sachbearbeiter: Auf dieses Konto seien keine Ein- oder Auszahlungen mehr möglich. Das Geld müsse sie wohl abschreiben. Sowohl in Holzwickede als auch in Dortmund wollte man das Geld offensichtlich nicht mehr herausgeben.

Die Mutter wandte sich an den Schwerter Rechtsanwalt Bernd Schmitt. Der schrieb Anfang März die Postbank an ihrem Firmensitz in Bonn an und bat energisch um Aufklärung des Sachverhaltes und umgehende Auszahlung des Betrags. Eine Antwort auf sein Schreiben erhielt er bislang nicht.

Konten, die viel Arbeit machen, werden geschlossen

Allerdings ging bei Stefanie G. mittlerweile ein Brief der Postbank Hamburg ein. „Da zeigte sich, dass die Nonsens-Erklärungen, die meine Mandantin in den Postbankfilialen erhalten hatten, noch steigerungsfähig waren“, so Schmitt. In dem Schreiben wurde nämlich erklärt, dass man Konten, die viel Arbeit und damit Kosten verursachen würden, oder einem positiven Saldo von weniger als 12 Euro auswiesen, geschlossen habe. Ein entsprechendes Schreiben habe man im Dezember 2007 an diese Kunden verschickt und darauf hingewiesen. Diese Entscheidung sei auch vom Oberlandesgericht Köln so bestätigt worden. Unterzeichnet ist das Schreiben von einem Mitarbeiter des „Teams Nachforschungen“.

„Die Klägerin empfindet das als Unterschlagung“

„Der Brief ist völliger Blödsinn, zumal es sich bei der Summe auf dem Sparbuch nicht um einen geringfügigen Betrag handelt“, so Rechtsanwalt Schmitt. Stefanie G. kann sich auch nicht erinnern, einen entsprechenden Brief erhalten zu haben. Anwalt Schmitt reichte sowohl eine Zivilklage als auch eine Strafanzeige gegen die Postbank ein.

„Offensichtlich meint die Beklagte tatsächlich, die verbriefte Forderung aus dem Sparbuch gehöre ihr. Die Klägerin empfindet das als Unterschlagung“, formuliert Schmitt in seinem Schreiben an das Gericht.

Postbank forschte nach - und fand Geld und Konto doch noch

Daraufhin forschte die Postbank nach - und kam am Dienstag zu einer Lösung: Das Konto, das man eigentlich schon zehn Jahre nicht mehr im Angebot hatte, sei 2008 gelöscht worden. Denn vom Betrag von 7,09 Euro sei ein Kleinkonto-Entgelt von 12 Euro abgezogen worden, erklärte ein Postbank-Sprecher. Mit anderen Worten: Das Konto rutschte ins Minus.

Wäre der Kontoinhaber seinerzeit minderjährig gewesen, hätte er mehrere Postbank-Konten gehabt oder auf einem Konto einen Betrag von mehr als 60 Euro oder hätte es in den drei Jahren vorher Ein- oder Rückzahlungen gegeben - dann wäre das Entgelt auch nicht angefallen.

So aber war dieses Konto gelöscht. Stefanie G. wiederum sei noch unter anderem Nachnamen und mit einer offenbar alten Adresse in Dortmund bekannt gewesen.

Einzahlung auf ein Konto, das es nicht mehr gab

Die 400-Euro-Einzahlung aus dem Oktober 2018 „wurde daher zu einem bereits gelöschten Sparkonto getätigt“, so der Postbank-Sprecher weiter: „Da uns keine aktuellen Kundendaten vorlagen, war eine Information von Frau G. leider nicht möglich. Der Betrag lagerte seitdem auf einem Verwahrkonto.“

Jetzt habe sich das alles aber geklärt - und man werde das Geld überweisen. Sogar mehr als das: „Aufgrund der Unannehmlichkeiten überweisen wir Frau G. für das Abiballkleid ihrer Tochter zusätzlich 50 Euro als kleine Wiedergutmachung.“

Die Postbank, die überwiegend im Privatkundengeschäft tätig ist, ist mittlerweile eine Tochter der Deutschen Bank AG und soll auch bis 2022 komplett mit der Deutschen Bank verschmolzen werden.

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