Porzess: Säugling stirbt durch Schädelbruch

Was ist in der Nacht passiert, als der Vater mit dem Säugling allein war? Die Staatsanwaltschaft geht von massiver, tödlicher Gewalt aus und fordert zwölf Jahre Haft. Nicht nur die Verteidigung hält den 37-Jährigen für unschuldig.

29.11.2019, 14:50 Uhr / Lesedauer: 2 min
Porzess: Säugling stirbt durch Schädelbruch

Das Justizzentrum Aachen mit dem Amts- und Landgericht. Foto: Marius Becker/Archiv

Tod durch massive Gewalt gegen den Kopf des Säuglings oder doch ein Unfall? Nach medizinischen Gutachten und Vorträgen im Aachener Prozess um den Tod des sechs Monate alten Kindes geht die Staatsanwaltschaft davon aus, dass der 37-jährige Vater gewalttätig gegen sein Kind geworden ist. Sie forderte am Freitag zwölf Jahre Haft wegen Totschlags. Der Schädeldachbruch und die Sprengung der Schädelnaht seien Folge einer Gewalttat, sagte Staatsanwalt Boris Petersdorf in seinem Plädoyer am Landgericht Aachen.

Es sei nicht ausgeschlossen, dass der Vater mit dem fiebrigen Kind allein zu Hause in Alsdorf überfordert gewesen sei. Er habe im einem Moment die Kontrolle verloren, sagte Petersdorf. Es gebe keine Anzeichen für einen Sturz. Ein Sturz aus geringer Höhe hatte ein Gutachter der Verteidigung als Todesursache für möglich gehalten. Die Verteidigung forderte Freispruch.

Der Vater hatte in dem Prozess gesagt, dass er dem Kind nichts angetan habe und nichts passiert sei. „Mein Schwiegersohn hat nichts getan“, sagte die Schwiegermutter in einer Prozesspause. Auch die Kindsmutter war von der Unschuld überzeugt.

Sie lag in jener Märznacht im Krankenhaus, als der Vater in der Alsdorfer Wohnung allein mit dem fiebrigen Kind war. Intensiv tauschten sich die Eltern mit Videos und Kurznachrichten über den Zustand des Kindes aus, wie in dem Prozess deutlich wurde. Es sei „gequirlter Schwachsinn“ anzunehmen, das würde ein Vater nach einem massiven Gewaltakt gegen das Kind tun. Die Eltern hätten gemeinsam entschieden, am nächsten Morgen zum Krankenhaus zu fahren, sagte der Verteidiger Uwe Krechel. „Hinterher ist man nach geistigem Allgemeingut immer klüger“, sagte Krechel.

Er stützte sich auf ein rechtsmedizinisches Gutachten der Verteidigung, wonach das Kind aus geringer Höhe heruntergefallen sein könnte, möglicherweise von der Couch. Das Kind habe keine sichtbaren Verletzungen gehabt. Dem Vater sei allenfalls Verletzung der Aufsichtspflicht vorzuwerfen. Sollte kein Freispruch erfolgen, forderte Krechel eine Verurteilung wegen fahrlässiger Tötung durch Körperverletzung. Das Urteil soll nächsten Montag ergehen.

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