Pool-Unfall im Saunaclub brachte Schicksal Nigerianischer Zwangsprostituierter ans Licht

Vodoo-Prozess

Fortsetzung beim „Vodoo-Prozess“: Wieder ging es vor dem Bochumer Landgericht um den Fall von Zwangsprostitution. Dabei ging es auch um ein Schicksal, das durch Zufall ans Licht kam.

Selm

, 02.10.2018, 05:30 Uhr / Lesedauer: 2 min

Mit weiteren Zeugen ist der „Voodoo-Prozess“ um Menschenhandel und Zwangsprostitution in Bordellen in Selm und Umgebung fortgesetzt worden. Dabei wurde bekannt: Das Schicksal einer eingeschleusten Prostituierten war zufällig durch einen „Pool-Unfall“ ans Licht gekommen.

Die aus Nigeria stammende Frau war damals offenbar im Poolbereich eines Saunaclubs gestürzt und anschließend in ein Krankenhaus eingeliefert worden. „Von dem Club hatte jemand dann auch gleich 150 Euro für die Behandlung hinterlegen lassen“, erinnerte sich eine Polizistin am Montag als Zeugin vor dem Bochumer Landgericht. Sie selbst sei zuvor von einer Ärztin der Klinik informiert worden und anschließend sofort ins Krankenhaus gefahren. Der Gesundheitszustand der jungen Frau habe sich dann glücklicherweise als nicht allzu schlimm dargestellt, so dass die Nigerianerin anschließend auf der Polizeiwache auch befragt werden konnte. Dabei habe die Prostituierte dann „sehr verschüchtert“ gewirkt und nur sehr spärlich Antworten gegeben. „Es wirkte, als wisse sie viel mehr, als sie uns sagen wollte“, so die Vernehmungsbeamtin.

„Ich musste in meiner Heimat auf Juju schwören“

Auch das noch in Afrika absolvierte Voodoo-Ritual von zahlreichen eingeschleusten Frauen war am Montag erneut Thema. Ein Polizeibeamter erklärte, dass eine andere afrikanische Prostituierte, die ihm am Rande einer Razzia in einem Saunaclub als verdächtig (weil nur mit einer Passkopie ausgestattet) später in der Vernehmung anvertraut hatte: „Ich musste in meiner Heimat auf Juju schwören, dass ich den Boss nicht verrate.“ Mehrere Frauen hatten auch im Prozess zuletzt bereits Einzelheiten zu dem Voodoo-Ritual berichtet, durch das offensichtlich durch Einschüchterung sichergestellt werden sollte, dass die Frauen ihre Schleuserkosten später auf Heller und Pfennig abarbeiten. Eine 18-Jährige hatte bereits berichtet, dass sie vor einem Juju-Priester das rohe Herz eines Huhns verzehren musste, ihr außerdem auch Finger- und Fußnägel sowie Kopf- und Schamhaare abgeschnitten und abgenommen worden sind.

Im „Voodoo-Prozess“ wird seit inzwischen 42 Verhandlungstagen sechs Angeklagten (zwei Frauen und vier Männer) vor dem Bochumer Landgericht der Prozess gemacht. Fünf von sechs Angeklagten sitzen in U-Haft. Die Gruppe soll von 2015 bis 2017 mehr als zehn Frauen illegal aus Afrika eingeschleust und anschließend an zahlreiche Bordelle im Ruhrgebiet, auch nach Selm, vermittelt haben. Der Prozess wird fortgesetzt.

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