Polizei stellt Ermittler gegen Kinderpornografie ein – doch der ist selbst im Visier

Fotos im Freibad

Ein Mitarbeiter der Polizei in Paderborn, der bei der Aufklärung von sexuellem Missbrauch helfen sollte, hat offenbar selbst kinderpornografische Fotos gemacht. Ein Dilemma mit Konsequenzen.

Paderborn

22.11.2019, 14:59 Uhr / Lesedauer: 1 min
Polizei stellt Ermittler gegen Kinderpornografie ein – doch der ist selbst im Visier

Der Ermittler sollte Datenträger für die Polizei lesbar machen. © picture alliance/dpa

Nach dem Kinderpornografie-Verdacht gegen einen ihrer Mitarbeiter will die Polizei in Paderborn generell ihr Einstellungsverfahren für neue Mitarbeiter überprüfen. „Es sind nicht alle Prüfungsmöglichkeiten ausgeschöpft worden, die es bei einem Einstellungsverfahren gibt“, sagte ein Sprecher der Polizei am Freitag zu dem konkreten Fall.

Der 34-Jährige war freigestellt worden, weil sich Hinweise gegen ihn „wegen des Verdachts auf den Besitz von Kinderpornografie“ erhärtet hatten, wie die Polizei am Donnerstag berichtet hatte. Bei einer internen Untersuchung habe sich herausgestellt, dass gegen ihn ein Strafverfahren im Kreis Lippe laufe.

Mann machte Fotos im Freibad

Laut Medienberichten soll der Mann in einem Freibad im Kreis Lippe „entsprechende Fotos“ angefertigt haben, daher laufe seit Längerem ein Verfahren gegen ihn. Die Staatsanwaltschaft Detmold ermittelt gegen den 34-Jährigen, äußerte sich aber auch am Freitag nicht weiter.

Aufgabe des 34-Jährigen bei der Paderborner Polizei war es, Material aus Datenträgern so aufzubereiten, dass es Polizeibeamte im Anschluss sichten konnten. Damit sollte der Regierungsbeschäftigte die „Direktion Kriminalität“ unterstützen, die auch mit der Bekämpfung von Kinderpornografie befasst ist.

Führungszeugnis war sauber

Laut Paderborner Behörde war das polizeiliche Führungszeugnis des Mannes „sauber“. Er habe im Bewerbungsgespräch gesagt, dass gegen ihn nichts laufe. „Anhaltspunkte im persönlichen Bereich“ des Mitarbeiters hätten zur jüngsten Überprüfung geführt.

Der Prozess von der Bewerbung bis zum Beginn der Tätigkeit des IT-Ermittlungsunterstützers im Juli 2019 werde aber jetzt genau durchleuchtet. Dieses Verfahren laufe noch. Klar sei bereits, dass der Mann vor seiner Einstellung nicht über die Datenbanken von Polizei oder Verfassungsschutz überprüft wurde, obwohl das geänderte NRW-Datenschutzgesetzes das ausdrücklich zulasse.

dpa/kar

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