Politik zieht Schwanz ein bei Debatte um Lehrschwimmbecken

Bezirksausschuss Stockum

Großes Interesse herrschte an der Debatte im Bezirksausschuss Stockum über die Zukunft des Lehrschwimmbeckens. Letztlich erlebten die 25 Zuhörer nach langer Debatte aber eine Nullnummer.

Stockum

, 21.11.2018, 11:44 Uhr / Lesedauer: 2 min
Politik zieht Schwanz ein bei Debatte um Lehrschwimmbecken

Schließung oder nicht? Das Lehrschwimmbecken in Stockum steht stark in der Diskussion. © Daniel Claeßen (A)

Knapp zwei Stunden debattierte der Bezirksausschuss Stockum am Dienstagabend, 20. November 2018, über die Zukunft des Lehrschwimmbeckens (LSB). Das soll, wie seit Jahren bekannt und beschlossen, nach dem Beginn des Badebetriebes im neuen Solebad seine Pforten schließen.

Doch dagegen regt sich nun, da der Schließungstermin allmählich näher rückt, mehr und mehr Widerstand. Der dokumentiert sich etwa durch eine Unterschriftenaktion mit 2643 Signaturen. Oder auch durch die große Anteilnahme an der Sitzung des Bezirksausschusses.

Rund 25 Zuhörer waren Dienstagabend in den Sitzungsraum der Kardinal-von-Galen-Schule gekommen. Da der Raum diese Menschenmenge nicht fassen konnte, zog der Ausschuss kurzerhand in die Aula um.

Dort prallten dann die unterschiedlichen Positionen aufeinander. Zunächst gab Ausschuss-Vorsitzende Annegret Lohmann (CDU) einen Rückblick auf die Entwicklung. Dann führte sie Argumente an, die für eine Weiterführung sprächen: etwa die Schwimmausbildung oder das Vereinsschwimmen, die ohne LSB Einbußen hinnehmen müssten.

„Dürfen uns dem Wunsch der Bürger nicht verschließen“

Annegret Lohmann: „Fast zehn Prozent der Werner Bürger haben mit ihrer Unterschrift für einen Erhalt des Stockumer Beckens plädiert. Wir dürfen uns dem Wunsch der Bürger nicht verschließen.“

Bad-Geschäftsführer Frank Gründken hatte dann die undankbare Aufgabe, die Schließungspläne zu erläutern und mit Zahlen zu unterfüttern. Er erinnerte daran, dass der Beschluss zur Schließung des LSB aus dem sechs Jahre alten Bäderkonzept resultiert.

Seitdem hat die Politik die Schließungspläne nicht infrage gestellt. Aus gutem Grund. Denn alle Aktivitäten, die in Stockum stattfänden, könne man ganz oder nur mit geringen Abstrichen im neuen Solebad integrieren. Eine Fahrtzeit von zehn Minuten mit dem Bus sei den Stockumer Schülern und Vereinsmitgliedern zuzumuten.

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Weiterbetrieb kostet mindestens 110.000 Euro im Jahr

Gründkens gewichtigstes Argument: „Ein Weiterbetrieb des Lehrschwimmbeckens würde jedes Jahr rund 110.000 bis 120.000 Euro Betriebskosten verursachen.“ Hinzu kämen Sanierungen und Reparaturen. Etwa für die Filteranlage (sofort: ca 15.000 Euro) und die Heizungsanlage (nahe Zukunft: bis 80.000 Euro). Generell herrsche in dem Bad, das ja schon seit Jahren auf der Schließungsliste steht, ein Sanierungsstau.

Solche Kosten seien nicht im Haushalt eingeflochten. Der Weiterbetrieb könne demnach nur auf Pump geschehen, was unmittelbare Auswirkungen auf die Finanzlage der Stadt Werne hätte: Das angepeilte Ziel, im Jahre 2020 wieder über einen ausgeglichenen Haushalt zu verfügen, wäre damit wohl hinfällig.

Zwei Stockumer Bürger konnten vor dem Ausschuss sprechen

Zwei Sprecher aus Stockum konnten dann ihre Sicht der Dinge darlegen. Schulpflegschaftsvorsitzender Oliver Last befürchtet unter anderem, dass die bisher hervorragende Schwimmausbildung der Stockumer Grundschüler leiden könnte.

Sascha Ahnsehl blickte für die AG Lehrschwimmbecken auf die Kosten und meinte, dass sich durch energetische Sanierungen und zum Beispiel durch Solaranlagen Kosten einsparen ließen.

Nach der Diskussion stand die Abstimmung einerseits über die Schließungspläne, andererseits über die Anträge von UWW und CDU zur (unterschiedlich ausgeprägten) Weiterführung des Lehrschwimmbeckens an.

Anträge zum Weiterbetrieb des Lehrschwimmbeckens ohne Mehrheit

Die Schließungspläne lehnte das Gremium knapp mit 5:4 Stimmen ab. Der UWW Antrag ging mit 1:8 Stimmen unter, aber auch der CDU-Antrag fand keine Mehrheit: 4:5 Stimmen.

Letztlich hat der Bezirksausschuss damit gar nichts beschlossen. Nun muss letztlich der Stadtrat in seiner Sitzung am 5. Dezember diese Nullnummer aufheben.

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