Pogromgedenken Werbegemeinschaft: „Nichthaltung können wir uns nicht leisten“

dzSymbolische Aufnahme

Um ein Zeichen gegen Fremdenhass und Diskriminierung zu setzen – und als Pogromgedenken nimmt die Werbegemeinschaft Menden jüdische Kaufleute nachträglich symbolisch auf.

07.09.2018, 09:07 Uhr / Lesedauer: 2 min

Die Zeremonie dazu beginnt am Dienstag, 9. Oktober, um 10 Uhr im Ratssaal des Alten Rathauses in Menden. Sie ist eingebettet in kurze Redebeiträge des Bürgermeisters Martin Wächter, der Museumsleiterin Jutta Törnig-Struck und des Werbegemeinschafts-Vorsitzenden Frank Oberkampf. Im Anschluss weiht Rabbiner Baruch Babaev von der Jüdischen Gemeinde Dortmund und der Orthodoxen Rabbinerkonferenz in Deutschland (ORD) das von der Werbegemeinschaft restaurierte Eingangstor des jüdischen Friedhofes ein.

„Es wurde höchste Zeit, ein Stück Einzelhandelskapitel der Stadt Menden aufzuarbeiten und ein sichtbares Zeichen der Solidarität unter Kaufleuten zu setzen“, erklärt Frank Oberkampf.

Die Werbegemeinschaft Menden feiert als Interessensvertretung der Mendener Kaufleute und des Einzelhandels in diesem Jahr ihr 80-jähriges Bestehen. Das Gründungsdatum 8. November 1938, also der Tag vor der Reichspogromnacht, fiel in eine problematische politische und gesellschaftliche Zeit. „Das, was den Kaufleuten damals passiert ist, können wir nie wieder gut machen“, sagt Oberkampf. „Antisemitismus war und ist ein gewaltiges Problem, das gemeinsam angegangen werden muss. Es wird immer einen Bodensatz geben, aber man kann ihn eindämmen. Eine gegenwärtige Nichthaltung dürfen wir uns nicht leisten. Hier müssen wir Haltung zeigen.“

Als Symbol der Aufnahme und als Zeichen der Solidarität hat sich die Werbegemeinschaft Menden entschlossen, das marode Eingangstor des jüdischen Friedhofes in Menden restaurieren zu lassen. Rabbiner Baruch Babaev, der das Tor einweihen wird, erläutert: „Friedhof wird im Hebräischen auch ‚Beth Olam – Haus der Welten‘ – oder auch ‚Beth HaChaim – Haus des Lebens‘ – genannt. Für Verstorbene wird auch der Begriff Staubbewohner verwendet. Dabei gilt ein Haus ohne eine Tür/Tor als unvollständig und ist zum Wohnen ungeeignet. Daher freue ich mich ganz besonders, dass das Tor dieses Friedhofes von den engagierten Mitgliedern der Werbegemeinschaft dieser Stadt erneuert wurde.“ Alle Bürgerinnen und Bürger sind zu der feierlichen Zeremonie eingeladen. Die Finanzierung dieses Projektes wurde durch Spenden möglich gemacht.

Die Werbegemeinschaft Menden setzt sich seit ihrer Gründung am 8. November 1938 aktiv ein. Durch das starke Engagement zählen heute Einzelhändler, Dienstleister, Gastronomen, weitere Gewerbetreibende und Immobilienbesitzer zu den Mitgliedern.