Pläne für Stiftskirche: An manchen Details scheiden sich die Geister in Cappenberg

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Für fast zwei Jahre wird die Stiftskirche ab Mitte Januar 2020 schließen. Bislang sind nur wenige Details über die geplanten Veränderungen bekannt. Sie sorgen aber bereits für Widerspruch.

Cappenberg

, 28.11.2019, 19:00 Uhr / Lesedauer: 2 min

Dieses Versprechen kommt am Mittwochabend gut an bei den mehr als 50 Gemeindemitgliedern in der Stiftskirche Cappenberg: „Wir werden hier nicht alles verändern“, sagt Architekt Wolfgang Ubbenhorst. Doch schon die wenigen Beispiele, die er anschließend nennt, kommen bei manchen im zugig-kalten Kirchenschiff nicht gut an.

„Es ist dringend notwendig, den Luftaustausch zu begrenzen“, sagt Ulrich Doll vom beauftragten Ingenieurbüro für technische Gebäudeausrüstung. Ansonsten würde der Schimmel weiter um sich greifen in der fast 900 Jahre alten Kirche.

Ziel ist eine Grundtemperatur von 12 Grad

Um dem einen Riegel vorzuschieben, ist nicht nur ein neues Heizsystem nötig, das die Raumtemperatur konstant auf 12 Grad hält und zu den Messen auf 16 bis 17 Grad aufheizt. „Wir brauchen auch einen Windfang im Eingangsbereich.“

Wo heute noch ein hohes, schmiedeeisernes Tor außerhalb der Gottesdienstzeiten den Durchgang zwischen Eingang und Kirchenschiff unterbindet, sollen Glaselemente mitsamt einer Automatiktür eingebaut werden: „Wir machen das da nicht komplett dicht“, versichert Ubbenhorst in manche erschrockenen Gesichter. Niemand brauche Angst haben, „dass da ein Aquarium entsteht“. Ein Luftaustausch sei auch weiter möglich, aber eben in einem deutlich geringeren Umfang als zurzeit.

An Glaselementen als Windfang scheiden sich die Geister

„Es geht um die Authentizität des Kirchenraums“, sagt Sebastian Graf von Kanitz, der zu denen gehört, die einen Glaseinbau kritisch sehen. „Das Gitter ist sehr schön.“ Es biete Schutz vor Eindringlingen biete aber gleichzeitig die Möglichkeit, „die besondere Atmosphäre“ zu spüren.

Pläne für Stiftskirche: An manchen Details scheiden sich die Geister in Cappenberg

Das Mauerwerk außen muss dringend ausgebessert werden. Die Sandsteine werden aber sichtbar bleiben. © Sylvia vom Hofe

Es gibt auch andere Meinungen. Im Pfarreirat, sagt Stefan Grotefels, seien mögliche Glaselemente durchaus positiv angekommen.

Unstrittig: Dass die Kirche einen dauerhaften barrierefreien Zugang bekommt. Bislang gibt es lediglich eine mobile Rampe. An ihre Stelle könnte eine exklusive Lösung treten: eine Hebebühne.

Architekt will den Altar versetzen

Der Altar soll laut dem Architekten einen Meter oder 1,20 Meter nach hinten versetzt werden. Der Vorteil: Es würde kein zweiter Altar mehr benötigt, wenn alltags Gottesdienste im Chorraum stattfinden - zwischen dem wertvollen Chorgestühl, dessen Nutzung zurzeit allerdings verboten ist. Das Holz war 1987 mit einem giftigen Mittel behandelt worden. Im Zuge der Restaurierung müssen Restauratoren es erst wieder dekontaminieren.

Ebenfalls seinen Platz ändern soll das Taufbecken im linken Seitenschiff: von der Seite in die Mitte des Raums - in eine direkte Achse mit der Grablege des Heiligen Gottfrieds im rechten Seitenschiff. Damit Taufgesellschaften tatsächlich in einem schöneren Rahmen als jetzt feiern können, brauche es etwas mehr Platz. Die Folge: Der Beichtstuhl verschwindet. Um das Bußsakrament zu empfangen, werde ein kleiner Raum in der Sakristei eingerichtet.

Der goldene Kopf bleibt, wo er ist

Der sogenannte Barbarossakopf sowie andere wertvolle Stücke des Kirchenschatzes bleiben an Ort und Stelle: im rechten Seitenschiff - allerdings nicht mehr wie zurzeit in einem wuchtigen Schrank. Ein neues Möbel inklusive Tresor werde gesucht. Offen sei noch, wie es aussehen werde.

Ohnehin ist noch Vieles offen, sagt Wolfgang Ubbenhorst. Dazu gehöre auch, wie viel Geld die Maßnahme unterm Strich kosten wird. Nur eines stehe unverrückbar fest: „Dass wir Ende 2021 fertig sein müssen.“ Denn 2022 beginnt das Jubiläumsjahr: 900 Jahre Kloster Cappenberg. Der Zeitplan lasse sich nur einhalten, wenn die Kirche die ganze Zeit über geschlossen bleibe.

Ubbenhorst und die anderen Verantwortlichen von Land und Bistum enden mit einem Versprechen: Es werde weitere Gemeindeversammlungen geben. „Wir entscheiden gemeinsam mit ihnen.“

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