Pflege-Skandal: Mann sitzt tot am Tisch, während andere Bewohner essen

Altenpflege

Im Raum Augsburg werden schwere Vorwürfe gegen einen ambulanten Pflegedienst erhoben. Dort soll ein Mann tot im Rollstuhl am Tisch gesessen haben, während die anderen Bewohner um ihn herum aßen.

Augsburg

18.12.2019, 14:01 Uhr / Lesedauer: 1 min
Pflege-Skandal: Mann sitzt tot am Tisch, während andere Bewohner essen

Das Alten- und Krankenpflegesystem in Deutschland steht immer wieder in der Kritik. © dpa

Ärzte, Pfleger und Angehörige von ehemaligen Bewohnern einer Senioren-WG im Raum Augsburg erheben schwere Vorwürfe gegen den dortigen Pflegedienst „Sonnenschein“. Wie die „Tageszeitung“ (tz) berichtet, sei es den Pflegekräften nicht aufgefallen, dass ein Mann tot in seinem Rollstuhl am Tisch gesessen hat, während die anderen Bewohner um ihn herum saßen und aßen. Die Pflegekraft sei völlig überfordert gewesen, erst der Hausarzt bemerkte, dass dort in der Küche ein Toter saß.

Der Schwiegersohn einer ehemaligen Bewohnerin berichtet der Zeitung von weiteren gravierenden Missständen. Für ihn ist es das „Haus des Grauens“, die Bewohner würden dort unter menschenunwürdigen Bedingungen leben.

So habe es beispielsweise für alle Bewohner eines Stockwerks nur eine Zahnbürste gegeben, ungelernte Kräfte seien verantwortlich gewesen, um Medikamente zu verabreichen und Wundverbände zu wechseln - oft mit schwerwiegenden Folgen für die Senioren.

Gebisse von Bewohnern wurden vertauscht

Einmal hätte seine Schwiegermutter nicht frühstücken können, weil sie ihr Gebiss nicht fand. Es habe sich dann herausgestellt, dass es versehentlich einem anderen Bewohner eingesetzt worden war.

Insgesamt hätten sie fünf Seiten an Misständen auf Papier gebracht. Unter anderem werden auch bauliche Mängel der Einrichtung beklagt, so seien die Eingänge nicht barrierefrei, es gebe keine Absturzsicherungen. Im Sommer hätte es wochenlang ausschließlich zuckerhaltige Getränke für die Bewohner gegeben – auch für die Diabetiker. „Und ich bin überzeugt, dass das, was wir bis jetzt wissen, nur die Spitze des Eisberges ist“, sagt der Schwiegersohn der „Tageszeitung“.

RND/mat

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