Pfarrer Mummadi hilft armen Kindern in Indien - mit 15 Euro im Monat raus aus der Armut

dzHilfsprojekt

In Indien müssen eigentlich alle Kinder zur Schule gehen. Die Ärmsten nutzen diese Chance oft nicht. Ein Lüner will jetzt 23 Kindern helfen, einen besseren Start ins Leben zu bekommen.

Lünen

, 11.08.2019, 10:00 Uhr / Lesedauer: 3 min

Pfarrer Praveen Mummadi ist Inder, stammt aus dem südindischen Bundesstaat Andhra Pradesh. Seit sieben Jahren lebt und arbeitet der 44-Jährige in Lünen, in der St. Marien-Gemeinde.

Mummadi hat drei Geschwister, seine Eltern leben in einem kleinen Dorf, in dem bis auf zwei Familien alle Einwohner Christen sind. Die katholische Kirche hat Mummadi und seinen Geschwistern ermöglicht, eine gute Schulbildung zu bekommen.

„In den ersten Jahren war ich in der Grundschule bei uns im Dorf, aber die ging nur bis zur fünften Klasse. Dann bin ich in ein 100 Kilometer entferntes Internat gegangen, dass von der katholischen Kirche finanziert wurde“, so Mummadi. Seine Eltern zahlten zehn Prozent der Kosten, die anderen 90 Prozent wurden vom Bistum übernommen.

Die Kinder hatten keine Schränke, bewahrten ihr Hab und Gut in Koffern im Schlafsaal auf. Dort schliefen sie nur, wenn es regnete, ohne Betten, nur mit einer Decke. „Wenn es trocken war, haben wir draußen geschlafen“, erinnert sich Mummadi.

Pfarrer Mummadi hilft armen Kindern in Indien - mit 15 Euro im Monat raus aus der Armut

Pfarrer Praveen Mummadi hat ein Hilfsprojekt ins Leben gerufen, um 23 Kindern in Südindien zu helfen, die so eine Schulbildung und damit einen besseren Start ins Leben bekommen. © Beate Rottgardt

Im Internat hatte er die Idee, katholischer Priester zu werden. Nach der Schulzeit studierte er zuerst in Visakhapatnam Philosophie. Dann war ein Jahr lang Praktikant in einem Internat in einer kleinen Stadt im Bistum Kurnool. Eine Zeit, die ihn bis heute prägt.

„Dort gehen um die 300 Kinder von der ersten bis zur zehnten Klasse in die Schule. Ich hab mich darum gekümmert, dass alle sich die Zähne putzen, dass sie frühstücken und dann rechtzeitig zum Unterricht kommen“, erzählt der Seelsorger.

Beeindruckend war für ihn, wie viele arme Kinder dort zur Schule gehen. Die meisten Christen (94 Prozent) gehören im Bistum Kurnool zu den Dalits, der Unterkaste, den so genannten „Unberührbaren“.

Dass Mädchen zur Schule gehen ist in Indien nicht selbstverständlich

Bischof Poola Anthony setzt sich dafür ein, dass gerade Kinder aus den ärmsten Bevölkerungsschichten zur Schule gehen können. Mummadi: „Und zwar Jungen und Mädchen, was in Indien immer noch nicht selbstverständlich ist.“

Anthony fördert Kinder aus allen Konfessionen, egal ob christlich, muslimisch oder hinduistisch.

Nach seinem Praktikumsjahr begann Mummadi in Haiderabad Theologie zu studieren. Nach der Priesterweihe war er jeweils drei Jahre in zwei indischen Gemeinden tätig. Der Kontakt zu der Internatsschule im Bistum Kurnool blieb aber bestehen.

Anteil an Christen

infos über Hilfsprojekt im Pfarrbüro

  • In Mummadis Heimat-Bundesstaat Andhra Pradesh leben 90,9 Prozent Hindus, 7,3 Prozent Muslime und 1,4 Prozent Christen. In ganz Indien sind 2,6 Prozent der Bevölkerung Christen. Den höchsten Anteil an Christen hat der Bundesstaat Kerala im Süden mit 20 Prozent.
  • Wer die Hilfsaktion von Pfarrer Mummadi unterstützen will, kann sich an das Pfarrbüro St. Marien, Marienstraße 21, Tel. (02306) 91 06 90, wenden.
  • Für Spenden werden auch Spendenquittungen ausgestellt.

Auch als er für fünf Jahre Seelsorger für Jugendliche und Studenten wurde. „Da bin ich schon in andere Länder gekommen, aber nicht nach Europa.“ Danach fragte man ihn, ob er sich vorstellen könne, nach Europa zu gehen. Er meldete sich in der Diözese Rottenburg-Stuttgart an. Doch dann wurde ein Kollege, der sich fürs Bistum Münster gemeldet hatte, krank und Mummadi sprang ein.

„Nach einer viermonatigen Sprachschulung kam ich Ende August 2012 nach Lünen.“ In St. Marien fand er eine neue Heimat, auch wenn „anfangs die Menschen, die Kultur und die Sprache sehr neu für mich waren“.

Inzwischen haben auch seine Eltern ihren Sohn schon in Lünen besucht. Drei Jahre läuft sein Vertrag noch - bis 2022 bleibt er auf jeden Fall in der Großgemeinde St. Marien.

Sieben Waisenkinder und 16 sehr arme Kinder fördern

„Was ich danach machen werde, weiß ich noch nicht. Ich denke, es gibt da ganz viele Möglichkeiten.“ Seit er 2000 zum Priester geweiht wurde, unterstützt er die Schule in Kurnool. Seit einiger Zeit hat er ein besonderes Hilfsprojekt gestartet.

„Ich will speziell sieben Waisenkinder und 16 sehr arme Kinder unterstützen, damit sie weiter zur Schule gehen können“, so Mummadi.

Das Hilfsprojekt hat er in enger Kooperation mit dem bischöflichen Hilfswerk für Erziehung im Bistum Kurnool aufgebaut. Die Rechnung ist einfach: Jedes Kind kann für 15 Euro im Monat zur Schule gehen und auch die Eltern bekommen noch einen Teil für ihr Leben. Bei 23 Kindern und 15 Euro im Monat muss Mummadi jedes Jahr 4140 Euro zusammenbringen.

Pfarrer Mummadi hilft armen Kindern in Indien - mit 15 Euro im Monat raus aus der Armut

Bischof Poola Anthony inmitten einer Schulklasse im Internat von Kurnool. Hier unterstützt Pfarrer Mummadi sieben Waisenkinder und 16 besonders arme Kinder. © Mummadi

Helfen kann man auf zweierlei Weise. Mit einer Spende, die in die benötigte Summe einfließt oder mit monatlich 15 Euro. Das Geld geht nicht an Mummadi. „Das Ganze kann man im Pfarrbüro St. Marien vereinbaren, von dort aus wird das Geld nach Indien überwiesen.“ So wie auch die Spenden von insgesamt 800 Euro, die er nach einem Vortrag über das Projekt in St. Joseph bekam.

Mummadi möchte helfen, weil die Kirche auch ihm als Kind geholfen habe. „Ich möchte wieder etwas von dem zurückgeben, was mir ermöglicht wurde.“ Und nicht nur ihm. Auch seine Geschwister haben eine ähnliche Geschichte. Ein Bruder ist ebenfalls Priester, bei den Jesuiten, lebt in San Francisco. Ein anderer Bruder ist Computerfachmann und die Schwester Lehrerin.

„Wir waren alle in dem katholischen Internat und heute unterstützen wir Kinder in unserer Heimat auf verschiedene Weise.“

Bewusst hat sich Mummadi dafür entschieden, erst einmal mit einer kleinen Gruppe von Kindern anzufangen, die er unterstützt. „Wenn es gut klappt, kann man die Zahl natürlich erweitern.“ Auch wenn die Zahl der Kinder pro Familie mittlerweile in Indien kleiner ist als in Mummadis Kindheit - es gibt dort immer noch viele arme Familien und auch Waisenkinder. Nur mit Schulbildung haben sie eine Aussicht auf ein besseres Leben.

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