Patient versteht nicht, warum sein Taxi ihn in der Fußängerzone nicht mehr abholen darf

dzFahrten zum Arzt

Joachim Bacher ist gehbehindert. Er muss regelmäßig per Taxi zum Arzt. Neuerdings kann ihn der Fahrer nicht mehr am Lippezentrum abholen. Die Einfahrt in die Fußgängerzone ist verboten.

Lünen

, 13.11.2018, 16:54 Uhr / Lesedauer: 2 min

Verboten ist sie in der Tat. Das regelt die Straßenverkehrsordnung. Bisher sei das kurze Abholen und Bringen von Patienten allerdings stillschweigend toleriert worden, berichten Taxifahrer. Seit etwa zwei Monaten ist die Situation anders: Taxifahrer werden vom Ordnungsamt auf die gesetzliche Regelung aufmerksam gemacht. Sie dürfen nicht mehr in die Fußgängerzone fahren.

Schon wenige Meter sind mühsam

Für Joachim Bacher (74), dessen Schwerbehindertenausweis das Merkmal „Außergewöhnliche Gehbehinderung“ hat, ist das ein Problem. Sein Taxifahrer hielt am Freitag an der Münsterstraße 11, ein Stück von seiner Haustür entfernt. „Das ist mühsam, wenn man nicht laufen kann“, sagt Bacher. Der Taxifahrer sei ihm entgegengekommen und habe sich entschuldigt mit dem Hinweis darauf, dass er verwarnt worden sei.

Patient versteht nicht, warum sein Taxi ihn in der Fußängerzone nicht mehr abholen darf

Vor der Kurve muss das Taxi laut Straßenverkehrsordnung anhalten. In die Fußgängerzone darf es nicht. In Lünen soll aber das Befördern von Patienten toleriert werden. © Magdalene Quiring-Lategahn

Von einem „ganz schwierigen Thema“, spricht man beim Taxiunternehmen Fähnrich. Wollen Fahrer beispielsweise Patienten von der Orthopädiepraxis in der Fußgängerzone oder nach einer Operation von der Augenarztpraxis im ehemaligen Hertiehaus am Marktplatz abholen, „greift die Stadt jetzt rigoros durch“, so die Erfahrung.

Die Fahrer würden zurückgeschickt. Mehrere seien mündlich verwarnt worden, einer musste bereits 35 Euro bezahlen. „Wir fahren da ja nicht aus Spaß `rein, sondern sind Patienten behilflich, die den Weg gar nicht alleine schaffen“, berichtet ein Fahrer, der seit 2001 im Taxi unterwegs ist. Einmal soll ein Mitarbeiter des Ordnungsamtes gesagt haben, dann sollten sich die alten Leute eben einen Rollstuhl kaufen.

Stadt setzt auf Toleranz

Die Stadt erklärt, dass Taxifahrer aufgrund der Rechtslage nicht in die Fußgängerzone fahren dürfen, aber: „Keine Bürgerin und kein Bürger mit einer Einschränkung soll daran gehindert werden, ihren oder seinen Arzttermin wahrzunehmen“, sagt Stadtsprecher Benedikt Spangardt. Bisher seien in dieser Sache vom Ordnungsamt keine „Knöllchen“ verteilt worden. Allerdings würden Taxifahrer angesprochen und auf die Rechtslage hingewiesen, vor allem dann, wenn Ordnungsmitarbeiter beim Beobachten der Situation zu dem Schluss kämen, dass eventuell kein solcher Patiententransport vorliegt oder die Standzeiten auffällig lange sind. Das Ordnungsamt nimmt aber die Beschwerden sehr ernst und sucht das Gespräch mit den Mitarbeitern im Außendienst, um sie für die spezielle Situation gerade an der Orthopädiepraxis noch einmal zu sensibilisieren, so Spangardt.

Mögliche Engpässe im Parkhaus

Zur Situation an der Augenarztpraxis im ehemaligen Hertiehaus sagt die Stadt: „Hier ist die Zufahrt über das Parkhaus geschaffen worden, um Anfahrten über den Marktplatz zu vermeiden. Dabei kann es eventuell auch zu Engpässen kommen.“ Die Stadt sehe momentan kaum Potential für eine Alternative. Bis 11.30 Uhr ist die Zufahrt zum Marktplatz nicht durch Poller versperrt - im Ausnahmefall, bei Vorliegen einer ausgeprägten Gehbeeinträchtigung und fehlenden Alternativen werde dann auch eine Anfahrt über den Marktplatz toleriert werden. Das sollte aber nicht der Normalfall sein, heißt es.

Gute Nachricht für Patienten

Für Joachim Bacher ist das eine gute Nachricht. Er kann weiterhin zu Arztbesuchen vom Taxifahrer am Lippezentrum abgeholt werden. Der mühsame Weg bleibt ihm erspart.

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