Pater Paulose: „Ich bin überzeugt, dass Gott mich berufen hat“

Priesterjubiläum

Paulose Pottampuzha, in der Pfarrgemeinde St. Ludger eigentlich nur als Pater Paulose bekannt, feiert am Samstag sein Silbernes Priesterjubiläum.

Selm

, 26.10.2018, 18:10 Uhr / Lesedauer: 4 min
Pater Paulose: „Ich bin überzeugt, dass Gott mich berufen hat“

Zusammen mit Pfarrer Claus Themann (m.), Pastor Andreas Floringer (r.), den Pastoralreferentinnen Anja Baukmann (2.v.l.) und Nicole Thien, bildet Pater Paulose das hauptamtliche Seelsorgerteam der Pfarrgemeinde St. Ludger. © Foto: Malte Bock

Seit sieben Jahren ist der gebürtige Inder nun schon in Selm tätig. Im Interview mit Malte Bock hat der 54-Jährige erzählt, warum er Priester geworden ist, was ihm geholfen hat, in Deutschland Fuß zu fassen, und wie sein Jubiläum begangen wird.

Pater Paulose, aus welchem Grund sind Sie Priester geworden?

Ich bin Priester geworden, weil ich überzeugt bin, dass Gott mich berufen hat. Ich habe es zu meiner Aufgabe gemacht, Gott und seinem Volk zu dienen. Das Wort Gottes charismatisch und prophetisch zu verkünden, gehört für mich dazu.

Das Leben ist ein Geben und Nehmen. Letztendlich ist es die Freude, die vom Geben kommt, die ein Priester in seinem Leben zufrieden macht.

Welche Stationen gab es für Sie während ihrer Tätigkeit?

Für meine fast 15 Jahre lange Ausbildung war ich in verschiedenen Bundesländern in Indien aktiv. Diese Bundesländer sind ähnlich zu sehen, wie die verschiedenen Länder in Europa. Fast alle Länder haben unterschiedliche Sprachen, nicht nur Dialekte, andere Essgewohnheiten, Kleidung, ein anderes Klima. Das hat es mir ermöglicht, mit verschiedenen Kulturen und Mentalitäten in Kontakt zu kommen. Das hat auch meine Vision erweitert.

Außer Fächer wie Mathematik und Physik habe ich auch Philosophie, Theologie, Psychologie, Yoga, Religionen, Kirchen- und Weltgeschichte studiert. Ich habe viele Sachen in meiner Ausbildungszeit gelernt – obwohl ich nicht alle Sachen in der Folge benutzt habe. Wir brauchen es für den globalen Einsatz.

Wo waren Sie nach Ihrer Priesterweihe tätig?

Nach der Priesterweihe war ich dann zuerst für einige Monate Kaplan in einer Pfarrei in Gujarat. Dann war ich Pfarrer in einer anderen Gemeinde für mehr als ein Jahr. Anschließend habe ich als Vize Rektor für eine Schule mit circa 3000 Kindern und Jugendlichen gearbeitet. Ende Dezember 1999 bin ich nach Deutschland gekommen. Vier weitere Monate habe ich ein Sprachstudium gemacht. Ab Mai 2000 habe ich dann für fast elf Jahre in Datteln als Kaplan gearbeitet. Seit Mai 2011 bin ich in Selm als Pastor in der Gemeinde tätig.

Auf Bistumsebene habe ich acht Jahre in dem Ordensrat angehört. Danach habe ich für zwei Amtsperioden im Priesterrat mitgewirkt. Ich war der erste Weltpriester im Priesterrat im Bistum Münster. Vier Jahre bin ich auch in den Diözesanrat gewählt worden. Außerdem bin ich seit elf Jahren Koordinator für meine Provinzmitglieder in Deutschland.

Wie unterscheidet sich die Seelsorge in Indien und Deutschland?

Grundsätzlich ist die Seelsorge überall die gleiche. Das menschliche Schicksal und die Probleme sind bei allen Menschen gleich. Den Unterschied sehe ich kulturell und psychologisch. Die Mentalität der Menschen in Deutschland ist anders als in Indien. Das hat mit ihrer Geschichte und Kultur zu tun.

Ein großer Unterschied ist, dass die Menschen in Indien die Nähe zu den Seelsorgern suchen. In Deutschland müssen wir dagegen auf die Menschen zugehen, um sie in ihren Lebenssituationen zu erreichen. In Indien schätzen und ehren Christen, aber auch Menschen anderer Religionen, ihre Priester. Ich glaube, es liegt daran, dass die Menschen den Verzicht und die Hingabe der Priester im Hinblick auf die Opfergabe Jesu Christi am Kreuz sehen. Priester sind da, um den Menschen den Weg zu weisen und ganzheitlich für die Menschen da zu sein.

Als Priester des Indischen Karmeliter Ordens, CMI (Carmelites of Mary Immaculate) sind wir für die globale Mission vorbereitet. In der Nordindischen Mission habe ich meine Erfahrungen gemacht. Das hat mir geholfen in Deutschland schnell Fuß zu fassen.

Die Seelsorge in Deutschland ist sehr bürokratisch. Schreibtischarbeit ist wichtig. Was Neues zu wagen oder spontan eine Sache weiterzuführen, ist dagegen sehr oft eine Herausforderung.

Was ist für Sie als Seelsorger in Deutschland wichtig?

Für mich als Seelsorger in Deutschland ist es sehr wichtig, dass ich nicht nur die Sprache der Menschen beherrsche, sondern auch ihre Denkweise. Ich muss verstehen, was sie mit dem, was sie sagen, meinen. Aber Sprache hat auch ihre Begrenzung. Die Sprache des Herzens dagegen nicht. Nach einer Taufe hat eine Frau zu mir gesagt: „Ihre Sprache kommt von Herzen, das merke ich.“

An welchen Aufgaben haben Sie besondere Freude?

Menschen in ihren Lebenssituationen zu begleiten, macht mir großer Freude. Es gibt so viele Menschen in unserer Gesellschaft, die einsam, alt oder arm sind. Sie brauchen Menschen, die sich für sie interessieren.

Aber auch Kinder haben einen besonderen Platz in meinem Herzen. So wenig wie möglich administrative Tätigkeiten zu übernehmen und mehr Zeit für den pastoralen Dienst zu haben, daran habe ich Freude. Dann bin ich als Priester zufrieden. Administrative Arbeit habe ich in Indien mehr als genug gemacht.

Sie sind mit ihrem Heimatland eng verbunden. Welche Projekte unterstützen Sie?

Ich bin seit 38 Jahren weg von meinem Elternhaus und meiner Heimatpfarrei. Ganz wenig Menschen kennen mich in der Gemeinde, in der ich geboren und aufgewachsen bin. Kirche ist meine Heimat. Trotzdem hat mich Indien sehr geprägt. Die indischen Wurzeln und deren Spiritualität kann ich nicht vergessen. Ich unterstütze daher die „Ashramkinder“ in Gujarat, mein Missionsbistum in Nordindien. Die Kirchengemeinden in Selm und Datteln sind seit Jahren um dieses Projekt bemüht und unterstützen circa 250 Kinder, die in zwei Internaten Schulbildung erfahren. Ein Ashramkreis und besonders die Frauengemeinschaft in Selm steuern die Projekte mit mir.

Darum bitte ich auch die Gäste zu meinem Jubiläum, die mir etwas schenken möchten, um kein persönliches Geschenk für mich, aber um eine Spende für die Kinder in Indien, die Hilfe brauchen.

Welche Ziele haben Sie in der Zukunft?

Meine Zukunft liegt in Gotteshand. Solange die Menschen mich brauchen können und mein Orden dazu Ja sagt, will ich weiter für die Menschen da sein und sie begleiten.

Sie haben schon mehrmals Reisen für Gemeindemitglieder nach Indien angeboten. Werden Sie das wieder tun?

Die Menschen, die mit mir in Indien waren, sagen, dass es eine Pilgerreise ist. Reisen – das ist unser Leben. Wir sind lebenslang Pilger oder Wanderer auf der Erde. Seelsorge heißt, Menschen zu begleiten als Mitpilger auf unserer gemeinsamen Lebenseise. Solche Reisen helfen, über das eigene Leben nachzudenken und Energie für die Zukunft zu tanken. 2020 könnte es aus Selm wieder eine Indienreise geben.

Wie wird Ihr Jubiläum gefeiert?

Ich freue mich, dass ich aus dem Seelsorgeteam und von vielen weiteren Mitgliedern der Pfarrgemeinde so große Unterstützung erhalte. Mit ihnen möchte ich feiern.

Am Samstag, 27. Oktober, um 17 Uhr findet die heilige Eucharistiefeier in der Ludgerikirche statt. Das Besondere: Sie wird nach dem Ritus des Heiligen Thomas, also im Syro-Malabarischen Ritus gehalten – das Ganze allerdings in deutscher Sprache. Ordensschwestern begleiten die Feier mit Liedern auf Malayalam, in meiner indischen Heimatsprache. Außerdem kommen auch indische Freunde aus meiner alten Gemeinde in Datteln. Zusammen mit den Gemeindemitgliedern aus St. Ludger sind alle im Anschluss an den Gottesdienst zum Beisammensein ins Ludgerihaus eingeladen.

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