Gibt‘s genügend kostenfreie Parkplätze in Lünen? Da gehen die Meinungen auseinander. Klar ist: Wer in der Innenstadt arbeitet oder Termine hat, hat wenige Optionen. So wie Sonja Schlaak.

Lünen

, 29.10.2018, 16:45 Uhr / Lesedauer: 3 min

Sonja Schlaak (48) arbeitet im Hospiz am Wallgang in der Holtgrevenstraße. Eigene Parkplätze für Mitarbeiter gibt es dort nicht. Ein Platz im Parkhaus, sagt Schlaak, würde sie rund 40 Euro im Monat kosten. Viel Geld für eine Halbtagsstelle, bei der man den Platz nur die Hälfte der Zeit braucht. „In den Ferien kann ich an der Gesamtschule parken. In der übrigen Zeit habe ich ziemliche Probleme.“ Erst recht, seit in der Holtgrevenstraße noch einige weitere der schon wenigen kostenlosen Parkplätze weggefallen sind.

Parken in Lünen: Am Platzangebot in der Innenstadt scheiden sich die Geister

Sonja und Tamara Schlaak haben für den Gesprächstermin einen Parkplatz in Innenstadt-Nähe gefunden. Hier darf man allerdings nur zwei Stunden kostenlos stehen. © Fröhling

Manchmal hilft nur der Parkplatz vor dem Amtsgericht. 4 Euro kostet dort ein Ticket für den Tag. Auch das geht ins Geld. Genau so wie das Parken, wenn ihre Tochter Tamara (19) zum Chor oder zum Einzelunterricht an der Musikschule muss. Freie Parkplätze: Fehlanzeige. „Dann muss man zahlen, oder lange suchen und rumgurken“, sagt Tamara Schlaak. Sie besucht Kurse an der Musikschule, seit sie zwei ist. Inzwischen fährt sie selbst. Man kann sich vorstellen, dass das mit den Jahren teuer wird. Fragt man die beiden, gibt es definitiv zu wenige kostenfreie Parkplätze in der City.

Eine Übersicht, wo es kostenfreie Parkplätze im Umfeld der Lüner City überhaupt gibt, hat die Stadt nicht. In der Gebührenordnung für Parkscheinautomaten gibt es lediglich die Orte, an denen die Stadt Parkgebühren erhebt. Die hat die Stadt auch auf einer Karte gesammelt:

(Für eine bessere Ansicht bitte mit dem Scroll-Rad oder über das Plus-Zeichen heranzoomen)

Alle anderen Plätze, schreibt die Stadt auf Anfrage, seien eben kostenfrei. Auf ihrer eigenen Karte hat die Stadt da übrigens lediglich den Seitenstreifen an der Konrad-Adenauer-Straße markiert. Ist das genug? Da sind die Lüner sich nicht einig, wie bei einer Umfrage dieser Redaktion auf Facebook deutlich wird.

Manche bemängeln: Die ehemals freien Parkplätze an der Holtgrevenstraße gibt es nicht mehr, am Hauptbahnhof ist es nach 7 Uhr morgens und vor 18 Uhr abends immer voll. An den meisten anderen Stellen ist die Parkzeit per Parkscheibe zwei Stunden begrenzt. Andere meinen, dass die Situation im Grunde okay ist.

Das sagen die Händler zum Thema Parken

Helmut von Bohlen sieht das ähnlich. Er ist Chef des City-Rings, eines Zusammenschlusses vieler Kaufleute aus der Innenstadt, und meint: „Ich sehe das relativ entspannt.“ Natürlich, sagt er, könne es aus Sicht der Kaufleute nicht genügend freie Parkplätze geben. Seiner Meinung nach seien die Preise auf den Bezahl-Parkplätzen und in den Parkhäusern aber auch „moderat“. Insgesamt sei es für die Innenstadt-Händler sehr wichtig, dass City-Besucher genügend Parkplätze zur Verfügung haben.

Also: Zu wenig kostenlose Parkplätze oder nicht? Die Stadt hat da eine klare Meinung. Auf Anfrage schreibt Pressesprecher Benedikt Spangardt: „Die Verwaltung ist nicht der Auffassung, dass es in der Innenstadt ,zu wenig kostenlosen Parkraum‘ gebe.“ Dass Parkplätze die Nutzer etwas kosten, sei hingegen sogar „durchaus wünschenswert, auch und gerade aus Sicht der Autofahrerinnen und Autofahrer: Sie sorgt für eine bessere Verkehrssituation, weil sie den Parkdruck senkt, Verkehrsströme lenkt und (in Verbindung mit dem Parkleitsystem) für eine geordnete und effiziente Belegung des vorhandenen Parkraums sorgt.“

Andere Städte zeigen, dass es anders geht

Die Stellungnahme der Stadt endet mit dem Satz: „Abgesehen davon ist es für eine Stadt der Größe Lünens gängig, Parkräume zu bewirtschaften.“ Ein Blick nach Recklinghausen (115.000 Einwohner, Lünen 87.000) zeigt, dass es zumindest in Teilbereichen auch anders geht. Auf drei Großparkplätzen in direkter Nähe zur Altstadt kann man dort zumindest ab 16 Uhr frei parken. „Damit sollen Anreize geschaffen werden, die Altstadt Recklinghausens zu besuchen und den Handel zu beleben“, heißt es aus der Pressestelle der Stadt. Ansonsten gibt es auch die Parkscheibenregelung. Je näher an der Innenstadt, desto kürzer die freie Parkzeit. Ein ausreichendes Parkangebot sei wichtig, „um im Wettbewerb mit der grünen Wiese und anderen Innenstädten auch bei diesem Punkt mithalten zu können“, schreibt die Stadt Recklinghausen. Dort gibt‘s als Service übrigens auch einen extra Flyer, der alle Parkplätze auflistet, Anfahrtswege und Kosten auflistet.

Eine 16-Uhr-Regelung wie in Recklinghausen „würden wir als City-Ring schon begrüßen“, sagt Helmut von Bohlen. Nach Feierabend wäre es so für Innenstadt-Besucher einfach, noch einen freien Parkplatz zu erwischen. Und wenn nach 16 Uhr der Pfarrer-Bremer-Parkplatz kostenlos wäre - dann könnten die meisten Besucher von Musikschul-Angeboten dort auch beruhigt parken.

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