In Bork in den Zug zu steigen, ist ein Problem- nicht nur wegen der hohen Stufe am Bahnsteig. Die meisten Pendler scheitern bereits im Vorfeld.

01.10.2018, 19:29 Uhr / Lesedauer: 2 min

Höchste Eisenbahn. Katrin Neuhaus kurvt schon seit fünf Minuten mit ihrem Auto am Bahnhof Bork herum, ohne Erfolg. Alle Parkplätze sind besetzt. Teilweise passt nicht einmal mehr eine Zeitung zwischen die Stoßstangen. Weit und breit kein Platz für Katrin Neuhaus‘ Auto. Und gleich fährt schon der Zug ein nach Dortmund. Als die Borkerin schon aufgeben will, passiert das Unerwartete: Eine Frau steigt ins Auto und fährt weg.

„Damit hatte ich nicht mehr gerechnet“, sagt Katrin Neuhaus und strahlt. Sie habe sich schon in Gedanken mit dem Auto im Stau stehen sehen - auf dem Weg nach Dortmund zu einem Seminar. Sie wolle ja gerne auf den umweltverträglicheren Zug umsteigen, „aber dafür muss es hier auch Parkplätze geben“.

Die Politik kennt das Problem

Ein Problem, das auch andere kennen: Jutta Steiner zum Beispiel. „Man weiß wirklich nicht, wo man das Auto abstellen soll“, sagt die SPD-Stadtverbandsvorsitzende. Das geht dem CDU-Vertreter Franz Josef Raubuch nicht anders. Bereits seit Jahren fordere er, „dass wir da ran müssen“. Ein Problem, das die Stadt Selm inzwischen auf der Agenda stehen hat. Theoretisch.

Parkchaos am Borker Bahnhof lässt Pendler verzweifeln

Der Parkplatz ist voll. © Foto: Sylvia vom Hofe

„Die Umgestaltung des Borker Bahnhofs ist ein Baustein des Integrierten Handlungskonzeptes Bork“, sagt Stadtsprecher Malte Woesmann mit Verweis auf das aktuelle Programm zur Umgestaltung des Ortskerns. Dafür seien Fördermittel beantragt, „aber noch nicht bewilligt“. Die Stadtverwaltung wolle sicherlich das Umfeld des Borker Bahnhofes aufwerten. Er sei schließlich „eines der Eingangstore“ des Ortes: zum Beispiel für Studenten der Polizeischule (LAFP) oder Mitarbeiter aus den Gewerbebetrieben in Bork. Wann geht die Stadt das Problem praktisch an: 2019, 2020 oder noch später? Das kann Woesmann nicht sagen.

Eine Busanbindung fehlt

„Wir brauchen mehr Parkplätze“, meint ein Borker Pendler, der seinen Namen aber nicht lesen möchte. Er benennt klar, wo er das Problem sieht: nicht in den Pendlern, die in Richtung Dortmund oder Gronau fahren, sondern in den Mitarbeitern der nahen Gewerbebetriebe. „Die parken hier alles zu.“ Verbotsschilder gibt es dafür nicht. „Wenn es hier eine Busanbindung gebe, wäre das bestimmt anders“, sagt der Borker.

„Das ist die große Ausnahme“, bestätigt Karl-Peter Naumann, Bundessprecher des Fahrgastverbandes Pro Bahn. Dass ein Bahnhof nicht an das Busnetz angeschlossen sei, kenne er nur „von ganz kleinen Kommunen“. Ob Selm-Bork, von dem der Mann aus Hamburg noch nie gehört hat, dazu gehört, kann er nicht sagen. Das sei zumindest verwunderlich am Rande des Ballungsraums Ruhrgebiet.

„Wir planen da erst einmal nichts“

Weder für die Parkplatzanlage, noch für die Versorgung mit Bussen sieht sich die Deutsche Bahn verantwortlich. Das sei Sache der Kommune, sagt Bahnsprecher Stefan Deffner. Er kann sich aber zu der Stufe äußern, die die Pendler - vorausgesetzt, sie haben rechtzeitig einen Parkplatz gefunden - nehmen müssen, um vom Bahnsteig in den Zug zu steigen. Die werde erst einmal bleiben, genauso wie das weitere Bahnhofsumfeld: Bänke und Anzeigetafel, Infosäule. „Aktuell planen wir in Bork keine Baumaßnahmen.“ Dafür sei der Haltepunkt nicht bedeutend genug. „Zur Veranschaulichung: Der Berliner Hauptbahnhof ist Kategorie 1, der Borker Bahnhof Kategorie 7.“ Gerade einmal 200 Ein- und Ausstiege gebe es am Tag. Das bedeute nicht, dass Bahnhöfe wie Bork vernachlässigt würden, „aber so weit sehen wir da keinen Handlungsbedarf“. Immerhin: Der Haltepunkt nach Bork - Sem-Beifang - wird 2019 umgebaut. Dort ist bald Schluss mit dem großen Schritt in den Zug.

Ob Katrin Neuhaus zur nächsten Schulung in Dortmund wieder den Zug nimmt oder gleich im Auto sitzen bleibt? Die Türen haben sich bereits hinter ihr geschlossen. Mit dem Fahrrad zum Haltepunkt zu kommen, wäre auch eine Lösung. Die Fahrradständeranlage, da ist sich die Politik einig, müsse auch erneuert werden.

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