Die besten Restaurants in Werne sind unserer Meinung nach Baumhove und Hotel am Kloster. Dieses Spitzen-Duo hat einen neuen Konkurrenten an den Hacken: Panhoffs Tenne.

Stockum

, 13.12.2018 / Lesedauer: 5 min

Das Restaurant Panhoffs Tenne weist ungewöhnliche Besitzverhältnisse auf. Es gehört zu dem Gebäudekomplex an der Werner Straße in Stockum, der im Besitz der Panhoffstiftung steht.

Den Betrieb der Seniorenanlage wie auch des Restaurants übernimmt die Klinik für Manuelle Therapie (KMT) in Hamm. Die Untergesellschaft KMT Service GmbH ist Pächter des Restaurants. Küchenchef Manuel Chlinch (39) und Restaurantleiterin Kerstin Wehenkel (35) sind Angestellte dieser Service GmbH.

Der Koch ist also nicht eigener Herr im Hause. Das erklärt, warum es in den vergangenen Jahren häufiger einen Wechsel hinter dem Herd gegeben hat.

Doch uns interessieren nicht die Besitz-, sondern die kulinarischen Verhältnisse. Und so steuern wir, natürlich unangemeldet, an einem Sonntagabend das Restaurant gegenüber dem Traditionslokal Tingelhoff an.

360-Grad-Panorama vom Restaurant

Das draußen auf der Kreidetafel angeschlagene Tagesangebot lässt mich zur Geldbörse greifen. 24 Euro ruft Panhoffs Tenne für den Gänsebraten auf. Das kann ja heiter – und teuer – werden.

Auch die ersten Minuten in der Stockumer Gastronomie verfestigen den Eindruck: Hier spielt sich alles im höheren Preissegment ab. Die Einrichtung traditionell und gediegen, die Tische aufwendig eingedeckt, die Bedienung nimmt uns die Mäntel ab, weist uns einen Tisch zu – hoffentlich kann ich hier mit Karte zahlen.

Doch es sei vorweggenommen: Der draußen annoncierte Gänsebraten war fast das teuerste Gericht der kleinen, feinen Speisenkarte. Die Gerichte auf der herbstlichen Grünkohlkarte waren sogar fast preiswert. Also, legen wir los.

Panhoffs Tenne: Manuel Chlinch (39) und Kirsten Wehenkel (35) jagen das Spitzen-Duo

Eindrücke aus dem Restaurant Panhoffs Tenne. © Jörg Heckenkamp

Wir, das ist wieder meine Begleiterin mit dem Ökotrophologie-Studium und den hervorragenden Küchen-Kenntnissen. An den Haupt-Gastraum schließen sich drei separee-artige kleine Räume mit den Namen Alma, Lotte und Herta an. Die früheren Tierställe des einstigen Groß-Bauernhofes Panhoff. Sie waren an diesem Abend besetzt bzw. reserviert. So nehmen wir, mit einem weiteren Duo, im großen Gastraum Platz, der nicht zu überladen und geschmackvoll adventlich dekoriert ist.

Das Essen

Eine kleine Speisenkarte ist in der Regel Indiz für eine weitgehend frische Zubereitung der Speisen. Diese Karte ist sehr klein. Trotzdem abwechslungsreich mit Vorspeisen, Suppen, Kleinigkeiten, westfälischem Genuss sowie neun Hauptgerichten plus viermal Dessert. Das Tagesgericht sowie die Grünkohl-Karte steigern die knappe Auswahl.

Meine Begleitung freut sich über die Besonderheit in der Spalte Suppen: Maronensuppe (4,90 Euro): „Die gibt’s nicht so häufig in Restaurants.“ Sie selbst kocht sie ab und an zu Hause und ist auf den Vergleich aus. Mich spricht der kross gebratene Ziegenkäse an Blattsalaten mit Orangensauce an. Für 9,50 Euro kein Schnäppchen.

Jahreszeitlich bedingt wählen wir beide ein Gericht von der Grünkohlkarte. Ich nehme den lauwarmen Grünkohlstrudel mit Speck und Schwarzbier-Reduktion, meine Begleiterin das Lachfilet auf Grünkohlcreme mit krossem Kartoffeltaler und Honig-Senfschaum (21,50 Euro).

Panhoffs Tenne: Manuel Chlinch (39) und Kirsten Wehenkel (35) jagen das Spitzen-Duo

Den einzigen kulinarischen Schwachpunkt des Abends bildete der Gruß aus der Küche. War aber schnell vergessen. © Jörg Heckenkamp

Wenig später, auch das sei vorweggenommen, folgt die einzige kulinarische Enttäuschung des Abends: der Gruß aus der Küche. Zwei verschiedene Sorten Brot mit dreierlei Häppchen. Die bestehen aus einer künstlich schmeckenden Kräutercreme von undefinierbarer Konsistenz, Oliven, die wir mangels Besteck oder Pieksern mit den Fingern aufgabeln müssen (und deren Würze mir überhaupt nicht schmeckt), sowie einem leidlich interessanten Zitronen-Öl. Das war nix.

Panhoffs Tenne: Manuel Chlinch (39) und Kirsten Wehenkel (35) jagen das Spitzen-Duo

Nichts, aber auch gar nichts zu meckern gab’s an dem Ziegenkäse mit wunderbar angerichtetem Salat. © Jörg Heckenkamp

Dafür ist das, was jetzt auf uns zukommen sollte, ausnahmslos hervorragend. Mein Ziegenkäse außen schön kross, innen genau richtig cremig-bröselig. Der Geschmack genauso gut wie das Dressing des Salates und die begleitende Orangensauce. Schon ist der Gruß aus der Küche vergeben und vergessen.

Panhoffs Tenne: Manuel Chlinch (39) und Kirsten Wehenkel (35) jagen das Spitzen-Duo

"Ein Träumchen", lautete die Kritik an der Maronensuppe. © Jörg Heckenkamp

Meine Begleiterin schwelgt bereits nach den ersten zwei Löffeln im siebten kulinarischen Himmel. „Schreib auf: Die Maronensuppe ist ein Träumchen.“ Ratzekahl löffelt sie den großen Teller leer und adelt das Gericht danach mit folgenden Worten: „Hätte ich nicht besser machen können.“

Während wir den ersten Gang beenden, wenden sich die beiden aufmerksamen Bedienungen immer wieder mal an die einzelnen Tische, fragen, ob alles recht ist und nehmen neue Getränkebestellungen auf. Ein effektiver, zurückhaltender Service, der gut zum Ambiente passt.

Die Hauptgerichte sind im Anmarsch. Allein die optische Präsentation ist ein Genuss, es macht Appetit, die Teller nur anzuschauen. Aber wir wollen mehr und testen kritisch die beiden so unterschiedlichen Grünkohl-Gerichte.

Panhoffs Tenne: Manuel Chlinch (39) und Kirsten Wehenkel (35) jagen das Spitzen-Duo

Grünkohl mal ganz anders. Als Strudel, lauwarm und mit einer aromatischen Bierreduktion. Die kross gebratenen Speckstreifen zergingen auf der Zunge. © Jörg Heckenkamp

Mein lauwarmer Grünkohlstrudel rangiert preislich (8,90 Euro) in der Vorspeisen-Kategorie. Aber diese etwas kleinere Portion ist mir nach dem üppigen, sättigenden Ziegenkäse gerade recht. Recht ist auch der Geschmack. Wunderbar die krossen, kaum fettigen, gebratenen Speckstreifen auf dem Strudel. Champions-League ist die Schwarzbier-Reduktion. Der stark eingekochten, cremigen Sauce verleiht ein Klacks Rübenkraut den unvergleichlich herb-süßlichen Geschmack.

Panhoffs Tenne: Manuel Chlinch (39) und Kirsten Wehenkel (35) jagen das Spitzen-Duo

Lachs, Grünkohlcreme, Kartoffeltaler, Honig-Senfschaum – alles sehr gut und eine reichliche Portion für 21,50 Euro. © Jörg Heckenkamp

„Harmonisch komponiert, gut abgeschmeckt, schön angerichtet“, fasst meine Tischnachbarin die Eindrücke ihres Gerichtes zusammen. Die ungewohnte Kombination von deftigem Grünkohl und feinem Lachs geht auf, nicht zuletzt dank des Honig-Senf-Schaumes.

Obwohl wir eigentlich restlos zufrieden (und ziemlich satt) sind, darf ein süßer Schlussakkord nicht fehlen. Auf der Grünkohlkarte entdecken wir die belgischen Waffeln mit Pflaumen und Karamell. Wir bestellen eine Portion für zwei. Die Bedienung fragt direkt nach, ob sie auf zwei Tellern servieren soll. Soll sie.

Panhoffs Tenne: Manuel Chlinch (39) und Kirsten Wehenkel (35) jagen das Spitzen-Duo

Das Dessert, belgische Waffel mit Pflaumen und attraktivem Karamell-Gespinst, ließen wir uns aufteilen. © Jörg Heckenkamp

Und so steht später zweimal eine halbe Waffel mit warmen Pflaumen und Sauce mit einem Karamell-Gespinst vor uns. Optisch brillant, geschmacklich ebenso. Wir sind auf angenehmste Weise gesättigt. War da irgendwas mit dem Gruß aus der Küche?

Die Getränke

Wie es sich in gehobeneren Restaurants gehört, annonciert die Karte einige Aperitifs. Der Hugo (0,2l) kostet 5,50 Euro. 0,3er-Biere kosten 2,50 Euro, das 0,5l-Weizen 4 Euro. Cola, Fanta, Sprite je 2,50 Euro (0,3l). Ein Kaffee und ein Espresso jeweils 2 Euro. Auf Wunsch erhält der Gast die Weinkarte. Der deutsche Riesling (0,2l) ruft stattliche 6,80 Euro auf.

360-Grad-Panorama vom Wintergarten

Die Preise

Gehoben, aber nicht abgehoben. Insbesondere die Grünkohlgerichte schienen uns vergleichsweise günstig für die Qualität. Das teuerste Hauptgericht auf der Karte ist das Argentinische Entrecote (250g) für 24,50 Euro inklusive Beilagen. Die gebratene Blutwurst mit Beilagen ist für 13,80 Euro zu haben, das original Wiener Schnitzel vom Kalb für 19,50 Euro.

Die Atmosphäre

Panhoffs Tenne punktet mit einer authentischen, historischen Atmosphäre, die aber nicht altbacken wirkt. Ob alte, mächtige Bodenfliesen oder die geschickt verteilten Deko-Stücke – alles passt. Der Gast wähnt sich in einer Gastronomie mit Seele. Ein perfekter Rahmen für den kulinarischen Genuss.

Der Service

War an diesem Abend perfekt. Die beiden Bedienungen hatten genügend Muße, sich aufmerksam um die fünf besetzten Tische zu kümmern. Ein leeres Glas lockte prompt eine der beiden Frauen an. Ungewöhnlich: Küchenchef Manuel Chlinch kam zwischenzeitlich an jeden Tisch zu einem kurzen Plausch.

Kinderfreundlichkeit

Es gibt eine eigene Kinderkarte, unter anderem mit Nudeln mit Tomatensoße (4,50 Euro), dem kleinen Schnitzel Wiener Art (6,90 Euro) oder einer Portion Pommes mit Ketchup/Mayo für 2,50 Euro. Spielmöglichkeiten sind nicht vorhanden

Barrierefreiheit

Das Restaurant ist ebenerdig zu erreichen. Pluspunkt: Die schwere Eingangstür lässt sich mittels elektrischem Türöffner beidseitig bedienen. Das Restaurant ist wegen der Nähe zur Senioreneinrichtung der Panhoff-Stiftung auf ältere Gäste beziehungsweise welche mit Handicap besonders eingestellt.

360-Grad-Panorama vom Trauzimmer

Anfahrt/Parken

Direkt vor dem Haus finden sich einige Parkplätze. Sind die voll, müssen sich die Gäste etwas weiter entfernt an der Stockumer Straße einen Abstellplatz suchen.

Was sagt das Netz über Panhoffs Tenne?


53 Bewertungen vergeben insgesamt 4,3 von 5 Sternen. Gäste loben das hervorragende Essen und den guten Service. Kaum negative Beurteilungen. Allerdings bezieht sich das meist auf die Zeit vor dem neuen Küchenchef Manuel Chlinch.

Bei Tripadvisor finden sich acht Rezensionen, 4,5 von 5 Punkten. Sieben vergeben die höchste Punktzahl, einer die niedrigste.

FOTOSTRECKE
Bildergalerie

Restaurant-Check Panhoffs Tenne

Der neue Küchenchef Manuel Chlinch von Panhoffs Tenne setzt auf anspruchsvolle Küche mit westfälischem Einschlag. Das Resultat gefällt.
13.12.2018
/
Geben in Panhoffs Tenne den Ton an: Restaurant-Leiterin Kirsten Wehenkel (35) ist seit 2014 an Bord, der neue Küchenchef Manuel Chlinch (39) erst seit November 2019.© Jörg Heckenkamp
Eindrücke aus dem Restaurant Panhoffs Tenne.© Jörg Heckenkamp
Die Herkunft als großer Bauernhof lässt sich beim Restaurant Panhoffs Tenne nicht leugnen.© Jörg Heckenkamp
Das schöne, altmodische Trauzimmer kann man auf Anfrage buchen. Bis zu zehn Gäste finden bequem Platz© Jörg Heckenkamp
Der überdachte Biergarten ist dank Heizpilzen auch bei kühlen Wetter nutzbar.© Jörg Heckenkamp
Bilder von Theodor Panhoff und der Familie hängen im Restaurant.© Jörg Heckenkamp
Der Wintergarten bietet Platz für größere Gesellschaften.© Jörg Heckenkamp
Detail in Panhoffs Tenne.© Jörg Heckenkamp
Rustikal, gediegen, schön - die Atmosphäre im Restaurant ist höchst angenehm.© Jörg Heckenkamp
Der überdachte Biergarten ist dank Heizpilzen auch bei schlechtem Wetter nutzbar.© Jörg Heckenkamp
Die Tische sind schön eingedeckt. Blickfang sind die farbigen Wassergläser.© Jörg Heckenkamp
Gemütlich und für sich sitzt man in den ehemaligen Pferdeställen.© Jörg Heckenkamp
Das schöne, altmodische Trauzimmer kann man auf Anfrage buchen. Bis zu zehn Gäste finden bequem Platz.© Jörg Heckenkamp
Detail in Panhoffs Tenne.© Jörg Heckenkamp

Restaurant-Infos

Panhoffs-Tenne, Werner Straße 91, 59368 Werne-Stockum, Tel. (02389) 53 99 46, E-Mail an info@panhoffs-tenne.de;

Öffnungszeiten: mittwochs bis sonntags von 12 bis 22 Uhr, montags und dienstags geschlossen.

www.panhoffs-tenne.de

Die bisherigen Restaurant-Checks in Werne.

Wie funktioniert der Restaurant-Check? Wir gehen ohne Vorankündigung in die jeweiligen Restaurants – als ganz normale Gäste. Wir sind keine Gastro-Experten, sondern einfach Menschen, die gerne an schönen Orten essen. Wir beschreiben die Läden so, wie wir über sie auch mit Freunden und Bekannten sprechen würden. Mit ihren Schwächen, mit ihren Stärken. Ehrlich. Nachdem wir die Rechnung beglichen haben, offenbaren wir uns und vereinbaren für die nächsten Tage einen Fototermin für die Gaststätten-Aufnahmen.
Lesen Sie jetzt
Hellweger Anzeiger Biergarten-Check

Haus Galgenbach: Ein Biergarten mit Charme – trotz Lärm von der Bundesstraße

Hellweger Anzeiger Solebad Werne

Besucher-Schallmauer geknackt - Das müssen Sie vor dem Hitze-Wochenende zum Solebad wissen

Meistgelesen