Jetzt ist es offiziell: Die Overbergschule hat ein neues Leitungsduo. Wobei: Wirklich neu sind die beiden nicht. Jedenfalls nicht an der Overbergschule.

Selm

, 09.12.2019, 20:31 Uhr / Lesedauer: 4 min

Christine Jücker und Stefan Vogel sind am 3. Dezember offiziell in ihre Ämter eingeführt worden. Christine Jücker als Rektorin und Stefan Vogel als Konrektor. Die 51-Jährige arbeitet aber schon seit 2018 als Schulleiterin. Vogel hat den Konrektorenposten seit diesem Schuljahr inne. Der Grund, warum die beiden jetzt erst offiziell eingeführt wurden: „Das haben wir bewusst gewählt, weil jetzt erst feststand, dass Stefan Vogel der Konrektor wird“, berichtet Christine Jücker.

Arbeitsverteilungsplan für das Leitungsduo

Die Rektorin ist die Chefin vom Ganzen. Aber: Was macht ein Konrektor? Tritt Stefan Vogel nur dann in Kraft, wenn Christine Jücker nicht da ist? „Das natürlich auch“, sagt Stefan Vogel und lacht. „Aber ich übernehme auch organisatorische Aufgaben.“ Christine Jücker ergänzt: „Wir haben einen Arbeitsverteilungsplan.“ Vogel nimmt den Satz auf: „Genau. Ich bin hauptverantwortlich für den Stundenplan und den Vertretungsplan, bin aber auch bei den anderen organisatorischen Aufgaben gefragt.“

Das ist das neue Schulleitungsduo Die Cappenbergerin Christine Jücker ist 51 Jahre alt. Seit 1994 an der Overbergschule. Zunächst als Lehrerin, dann zusätzlich als Konrektorin und seit Februar 2018 als Rektorin. Stefan Vogel, gebürtiger Lüner, hat bereits 2011 als Referendar (in der Grundschule heißt das Lehramtsanwärter) an der Overbergschule gearbeitet. Seine Ausbildungslehrerin damals: Christine Jücker. Seine erste Stelle als Lehrer - in dem Fall als Vertretungslehrer - konnte er auch an der Overbergschule antreten. Es folgte die Festanstellung. Nun also ist er Konrektor. Vogel (31) wohnt mit seiner Ehefrau in Bork. Beide geben auch Unterricht. Christine Jücker neun Stunden pro Woche und Stefan Vogel 21 Stunden pro Woche.

Da dürfte ja noch genug Arbeit für Christine Jücker bleiben, oder? „Ich vertrete die Schule nach außen“, berichtet sie. „Meine Schwerpunkte sind die Zusammenarbeit mit dem Schulträger (die Stadt Selm, Anm. d. Red.). Zu meinen Aufgaben gehören aber auch die Organisation der Übergänge vom Kindergarten zur Grundschule und von der Grundschule zur weiterführenden Schule. Die Schulanmeldung organisieren Herr Vogel und ich gemeinsam. Auch die Zusammenarbeit den Kooperationspartnern gehört zu meinen Aufgaben. Schulentwicklung ist sicherlich auch ein Schwerpunkt.“

Overbergschule in Selm: So packt neues Leitungsduo die Herausforderungen an

Die Turnhalle soll bald abgerissen werden. An ihrer Stelle könnte ein Neubau für den Ganztag und den Unterricht entstehen. © Arndt Brede

Es geht Richtung verbindlicher Ganztag

Welche Kooperationspartner hat denn die Overbergschule? Christine Jücker: „Dazu gehört der Verein Ganz Selm, der für die Offene Ganztagsbetreuung zuständig ist. Wir bewegen uns ja in Richtung verbindlicher Ganztag. Ein Gesetz ist auf dem Weg mit dem Ziel, 2025 eine Rechtsanspruch auf einen Ganztagsplatz zu haben. Das muss organisiert werden. Wichtig ist aber auch, was die Eltern wollen. Zurzeit verbringt ein Drittel unserer 320 Schüler durch die Teilnahme am Offenen Ganztag acht Stunden am Tag in der Schule. Da muss man dann auch ein Angebot machen.“ Wie zum Beispiel mit dem Programm „Jedem Kind Instrumente, Tanzen, Singen“ in Kooperation mit der Musikschule Selm. „Dieses Jekits-Programm ist dann wiederum meine Aufgabe“, erklärt Konrektor Vogel. „Vor allem die Koordination mit dem Stundenplan.“

Gemeinsam mit den Eltern

Der Begriff „Gemeinsam“ scheint ja so etwas wie das Oberthema an der Overbergschule zu sein. Nicht nur in der Schulleitung, sondern auch im Kollegium. „Und mit den Eltern“, stellt die Rektorin heraus. „Das geht im Kleinen los. Durch die Klassenräte und das Kinderparlament, zum Beispiel. Wichtig ist: Wenn alles im Wandel ist, muss man selber auch weitergehen.“

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Was auch weiter geht, ist die Fortschreibung des Schulentwicklungsplans bis 2024/2025. Demnach wird die Overbergschule auf eine volle Vierzügigkeit wachsen und bereits Mitte der 2020er in einigen Fällen fünf parallele Jahrgangsklassen einschulen. Dafür sei das Schulgebäude nicht ausgelegt. „Wir sind im Gespräch mit dem Schulträger“, berichtet die Rektorin. Die Planungen laufen schon konkret. „Wir sind mit im Boot. Es gab Treffen mit Architekten und es wird Anfang 2020 weitere Gespräche geben, bei denen wir dabei sind und eigene Ideen rein bringen. Es steht noch nicht fest, ob es einen Neubau und einen Anbau gibt oder vielleicht nur einen Neubau für den offenen Ganztag und für Klassen.“ Stefan Vogel ergänzt: „Es geht auch darum, die Räume multifunktional zu nutzen. Das geschieht hier schon. Es soll keine starre Möblierung geben.“

Offener ganztag und Schule werden noch mehr verzahnt

Geht dann der Offene Ganztag komplett aus dem Altgebäude raus? „Nein“, sagt Christine Jücker. „Fakt ist aber, dass wir wachsen werden. Man sieht ja die neuen Gebäude auf dem Campusplatz und im neuen Wohngebiet am Auenpark sieht man sie ja noch nicht.“ „Das Konzept soll sich verzahnen zwischen Altbau und Neubau“, so Vogel. Offener Ganztag und Schule werden sich noch mehr verzahnen. Man dürfe diese Bereiche nicht getrennt voneinander sehen. „Zum Beispiel planen wir flexible Lernzeiten“, führt die Rektorin aus. Denkbar sind laut Stefan Vogel Lerninseln auf den Fluren.

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Die Overbergschule geht Zeiten entgegen, in denen viele Veränderungen anstehen. © Arndt Brede

Das klingt alles sehr zukunftsorientiert. So, wie in einem anderen Bereich: der Digitalisierung. Die Overbergschule ist die erste Schule in Selm, die die rundherum vorbereitet wird auf den digitalen Unterricht. Was ist gemacht worden, was wird noch gemacht, wie wird sich Schule verändern? Vogel dazu: „Die Verkabelung in den Klassen wurde komplett erneuert. Wir haben mehr Netzwerk- und mehr Stromanschlüsse. Es gibt Anschlüsse für Beamer und für interaktive Fernseher für den Unterricht. Momentan fehlt noch der Glasfaseranschluss. Die nächsten Schritte wären, dass wir verbessertes, stabileres W-Lan in den einzelnen Klassen bekommen.“

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Es sollen Beamer in den Klassenräumen installiert werden. Demnächst werde es dann auch Gespräche mit der Stadt geben, wo es um die Endgeräte für die Schüler gehen wird. Vogel: „Was genau das sein wird, steht noch nicht fest. Wir werden noch Ansprechpartner bekommen, was man da genau machen kann.“

Neue Medien eröffnen einen anderen Lernweg

Wird die Zukunft dann also so aussehen, dass die Kinder keine Hefte mehr haben werden, sondern ein mobiles Gerät für den Unterricht? Vogel schüttelt den Kopf. „Die neuen Medien sind kein Ersatzprodukt, sondern eröffnen einen anderen Lernweg. Mit den Apps kann man zum Beispiel Deutsch als Zweitsprache leichter fördern. Aber das klassische ins Heft schreiben oder ein Buch in die Hand nehmen wird sicher nicht verloren gehen.“

Apropos Zukunft: Das Thema Integration und Inklusion dürfte auch eine immer größere Rolle an der Overbergschule spielen. Christine Jücker: „Bei der Inklusion waren wir schon immer recht gut dabei. Wir haben verschiedene Räume zur Förderung von Kindern mit sonderpädagogischem Förderbedarf. In Kleingruppen, aber auch im Klassenverband mit differenzierten Wochenplänen. Wir haben eine Sonderpädagogin, könnten noch eine zweite Stelle besetzen. Aber es ist Sonderpädagogenmangel.“ Der Verein Ganz Selm darf ja auch Integrationskräfte einstellen. „Die haben wir auch und haben sie über die Klassen verteilt“, berichtet die Rektorin.

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Hinter dem Schulgebäude soll der Schulgarten kultiviert werden. © Arndt Brede

2020 wird der Schulgarten angepackt

Bleiben wir mal thematisch bei der Zukunft: Gibt es kurz- bis mittelfristige Projekte an der Overbergschule? „Nächstes Jahr wird der Schulgarten angepackt“, kündigt Rektorin Jücker an. „Wir haben Anfragen an Gärtnereien und auch an die Solidarische Landwirtschaft Bork gestellt.“ „Ich könnte mir vorstellen, dass wir Obst und Gemüse im Schulgarten anpflanzen“, meint Vogel. „Mit Hilfe der Experten der SoLaWi.“

Vorgesehen sind laut Christine Jücker zwei Bereiche hinter der Schule. „Wir könnten einen klassischen Bauerngarten beackern. Zum einen von Frühling bis Herbst mit Blumen und dann mit Gemüse. Das könnten wir mit den Kindern anbauen und das wäre auch nachhaltig.“

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