„Wir werden terrorisiert, aber Angst haben wir nicht“ - So erlebt Dunja Gwiasda ihren Ostkamp

dzWohnen in Werne

Dunja Gwiasda (44) wohnt seit Jahren im Ostkamp. Sie hat schon viele Polizeieinsätze und verbale Attacken auf Bewohner erlebt. Doch sie sagt: „So schlimm ist es hier gar nicht. Es ist sogar toll.“

Werne

, 02.10.2019, 05:00 Uhr / Lesedauer: 2 min

Entspannt sitzt Dunja Gwiasda (44) an ihrem Küchentisch und unterhält sich mit ihrer Nachbarin. Es ist ein vertrautes Miteinander, ein freundschaftliches, das Gwiasda und Heidrun Wette (54) pflegen. „So läuft das eigentlich in der ganzen Nachbarschaft“, sagt Gwiasda - und das, obwohl sich die Nachbarn terrorisiert fühlen.

„Natürlich ärgert man sich, wird irgendwann aggressiv und hat keine Lust, sich andauernd Beleidigungen an den Kopf werfen zu lassen“, sagt Wette und bezieht sich dabei auf eine der Nachbarinnen, die für zahlreiche Polizeieinsätze gesorgt hat.

Nächtliche Polizeieinsätze seit halbem bis dreiviertel Jahr

Dass die Polizei immer wieder in der Straße zu Einsätzen gerufen wird, haben die beiden Ostkamp-Anwohner mitbekommen. Teilweise auch zwei bis drei Mal in einer Nacht. Besonders im vergangenen halben bis dreiviertel Jahr sei es mehr geworden, sagt Wette.

„Wir werden hier terrorisiert, aber Angst haben wir nicht“, sagt Gwiasda, die sich nach unserer Berichterstattung gemeldet hat und schon drei Jahre im Ostkamp wohnt.

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Natürlich gebe es im Ostkamp Jugendliche, die mal kiffen oder etwas trinken und auch Polizeieinsätze gebe es häufiger als früher. „Aber Angst muss hier wirklich keiner haben“, sagt Wette.

„Da gibt es viel schlimmere Straße in Werne“, sagt Gwiasda. „Ich gehe hier auch noch um Mitternacht auf die Straße, um mit meinem Hund Gassi zu gehen. Das ist alles gar kein Problem.“ Sie macht sich keine Sorgen - auch nicht um ihre 16 und 18 Jahre alten Söhne.

Nachbarn führen Protokolle für den Bauverein

Auslöser der Sicherheits-Debatte sind mehrere Einsätze pro Monat im Ostkamp, die Polizeihauptkommissar Bernd Pentrop in diesem Bereich bestätigt hat. Auch der Bauverein Werne bestätigt die Einsätze und Probleme. Seit Monaten führen die Nachbarn Protokolle für den Bauverein und reichen diese dort ein.

„Wir wollen wieder Ruhe in das Vier-Familienhaus bekommen“, sagt Ulrich Brocke, Geschäftsführer des Bauvereins Werne, der viele Wohnungen im Ostkamp vermietet. „Der Ruf der ganzen Ecke steht auf dem Spiel und wir müssen jetzt handeln.“

Gwiasda: „Bin oft umgezogen, aber hier möchte ich nicht mehr weg“

Im Klartext bedeutet das: Die Mieterin, die laut Bauverein und anderen Mietern für Ärger sorgt, muss laut Gerichtsbeschluss bis zum Februar 2020 ausziehen. „Dann wird es hier hoffentlich ruhiger“, sagt Wette.

Trotzdem: „Ich bin oft in meinem Leben umgezogen, aber hier möchte ich nicht mehr wegziehen“, sagt Gwiasda. Es ist der Zusammenhalt, der für sie den Ostkamp zu einem ganz besonderen Ort macht.

Einige Ostkamp-Anwohner leben hier seit mehr als 50 Jahren

„Es gibt Nachbarn, die wohnen hier seit 50 Jahren oder sogar noch länger“, sagt Gwiasda. Wenn einer der Nachbarn Hilfe brauche, bekäme er diese auch. So tragen ihre beiden Söhne beispielsweise schwere Wasserkisten für Nachbarn in die oberen Etagen und auch sie selbst konnte schon auf die Hilfe ihrer Nachbarn zählen.

Nach einer Operation konnte Dunja Gwiasda ihre Wohnung kaum verlassen. Ihr Knie schmerzte, doch von alleine erledigte sich ihr Alltag nicht. Da sprangen ihre Nachbarn in die Bresche.

So helfen sich die Ostkamp-Anwohner bei Problemen

„Einer meiner Nachbarn ist mit dem Hund Gassi gegangen“, sagt Gwiasda. Wette brachte sie hingegen immer wieder mit dem Auto zum Arzt und holte sie auch wieder ab. „Viele kennen sich hier und sind zusammen zur Schule gegangen“, sagt Gwiasda.

Eine eingeschworene Gemeinschaft also, die sich am Ostkamp gefunden hat - die der aktuellen Situation noch bis Februar 2020 ausharren muss, bevor endlich Ruhe in den Ostkamp einkehren kann.

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