Kölner OB Reker will weiterregieren

Seit 2015 ist Henriette Reker Oberbürgermeisterin von Köln - und will dies nach Möglichkeit noch lange bleiben: Die parteilose Politikerin kandidiert für eine zweite Amtszeit und setzt auf die Unterstützung von CDU und Grünen.

05.09.2019, 08:39 Uhr / Lesedauer: 2 min

Die Kölner Oberbürgermeisterin Henriette Reker will sich in einem Jahr zur Wiederwahl stellen. Sie habe sich „nach reiflichen Überlegungen“ dazu entschlossen, bei den OB-Wahlen im September 2020 erneut zu kandidieren, sagte die parteilose Politikerin am Donnerstag in Köln. „Eine Amtszeit reicht nicht aus, um das umzusetzen, was ich mir bei meinem Amtsantritt vor vier Jahren vorgenommen habe.“

Die 62-Jährige kann aller Voraussicht nach auf die Unterstützung von CDU und Grünen zählen. In den vergangenen Wochen habe sie mit Vertretern der beiden Parteien Gespräche geführt und „eine gute Übereinstimmung zu den wichtigen Themen dieser Stadt gefunden“.

Offiziell sollen die Mitglieder von CDU und Grünen demnächst bei Kreisparteitagen über Rekers Nominierung entscheiden. Danach werde sie die Leitlinien für ihre zweite Amtszeit „finalisieren und veröffentlichen“, sagte sie bei einer Pressekonferenz. Wenige Stunden zuvor hatte sie ihre Kandidatur bereits in einem Video bei Facebook verkündet.

Bei der OB-Wahl 2015, die Reker mit 52,66 Prozent gewann, war sie auch die Kandidatin der FDP gewesen - dieses Mal wollen die Liberalen sie nicht mehr unterstützen. Einen SPD-Gegenkandidaten gibt es bislang noch nicht.

Eine Tag vor den Wahlen 2015 war Reker bei einem Messerattentat lebensgefährlich verletzt worden. Das Oberlandesgericht Düsseldorf verurteilte den rechtsextremistischen Täter später wegen Mordes zu 14 Jahren Haft. Nach Überzeugung des Gerichts wollte er mit der Tat ein Signal setzen gegen die Flüchtlingspolitik der Bundesregierung.

Durch den Anschlag wurde Reker bundesweit bekannt. Immer wieder trat sie seitdem offensiv für Flüchtlinge und eine offene Gesellschaft ein und bezog Stellung gegen Ausgrenzung, Rassismus und Rechtsextremismus. Trotz des traumatischen Attentats bewegt sie sich unbefangen und ohne Personenschützer in der Öffentlichkeit, wofür ihr auch politische Gegner Respekt zollen.

Viel kritisiert wurde Reker für eine Äußerung kurz nach der Kölner Silvesternacht 2015/16. Nach den massiven sexuellen Übergriffen auf Frauen hatte sie auf eine Journalistenfrage hin empfohlen, Frauen sollten zu Fremden besser „eine Armlänge“ Abstand halten. „Ich hätte mir im Nachhinein diese unglückliche Aussage mit der Armlänge ersparen können“, sagte Reker später dazu.

Ihre kommunalpolitische Bilanz in Köln ist umstritten. Reker war mit dem Anspruch angetreten, die viertgrößte deutsche Stadt mit knapp 1,1 Millionen Einwohnern in die „Champions League“ der Metropolen zurückzuführen. Sie versprach einen „tiefgreifenden Wandel“, unter anderem durch eine Verwaltungsreform. Zahlreiche Projekte im Wohnungsbau, bei der Verkehrsplanung oder im Kulturbereich kommen aber nach wie vor nur schleppend voran. „Vieles geht noch zu langsam und reicht nicht aus, um die vor uns liegenden Herausforderungen zu meistern“, räumte sie am Donnerstag ein.

Henriette Reker ist in Köln geboren und aufgewachsen. Nach dem Jurastudium arbeitete sie in Bielefeld, Münster und Gelsenkirchen, wo sie zehn Jahre als Dezernentin Erfahrungen sammelte. Verheiratet ist sie mit dem australischen Golflehrer Perry Somers.

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