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Obdachloser nach Messerattacke freigesprochen

Schöffengericht

Wegen versuchter gefährlicher Körperverletzung stand ein Kamener vor Gericht. Doch weil er an einer psychischen Krankheit leidet, sprach ihm die Richterin Schuldunfähigkeit zu.

von Jana Peuckert

Kamen

, 09.08.2018 / Lesedauer: 3 min
Obdachloser nach Messerattacke freigesprochen

Der Angeklagte soll mit einem Küchenmesser in der Hand auf den Geschädigten losgegangen sein, ihn aber nicht getroffen haben, weshalb er wegen versuchter gefährlicher Körperverletzung angeklagt war. © picture alliance/dpa

Mit einem Messer war ein Bewohner einer Obdachlosenunterkunft in Kamen in den Morgenstunden des 23. Mai vergangenen Jahres auf den Hausmeister losgegangen. Am Donnerstag trafen die beiden Männer im Schöffengericht im Amtsgericht Unna seit dem Vorfall zum ersten Mal wieder aufeinander.

Der Angeklagte soll mit einem Küchenmesser in der Hand auf den Geschädigten losgegangen sein, ihn aber nicht getroffen haben, weshalb er wegen versuchter gefährlicher Körperverletzung angeklagt war. Zudem soll er den Hausmeister beleidigt und bedroht haben.

Lieber in die Kneipe

Zum Tatgeschehen äußerte sich der angeklagte Kamener nicht. Dafür erinnerte sich der Geschädigte daran, dass er den 47-Jährigen aufgefordert hatte, sein Zimmer aufzuräumen. Der habe aber lieber in die Kneipe gehen wollen. Der Angeklagte sei in die Küche gegangen. „Dann habe ich nur was aufblitzen sehen und hab zugetreten. Das war dann dieses Messer“, erinnerte sich der Zeuge. Bei der Abwehr hatte sich der Geschädigte einen Kratzer am Bein zugezogen. Schließlich sei der Angeklagte schnell mit dem Fahrrad geflohen. Dabei habe er dem 51-Jährigen noch zugerufen: „Ich mach‘ dich kaputt, du fetter Wichser.“ Obwohl der Hausmeister glaubwürdig und die Tat damit als bewiesen galt, sprach das Gericht den Angeklagten am Ende frei.

Grund dafür war eine psychische Erkrankung, die den Angeklagten seit mehr als 20 Jahren plagt. Ein Gutachter erklärte am Donnerstag, der Kamener leide an Schizophrenie. Das untermauerte der Angeklagte, als er berichtete, Stimmen zu hören und Halluzinationen zu haben. Medikamente helfen dem Mann, damit klarzukommen. Doch genau diese nahm er zur Tatzeit schon einige Monate lang nicht ein.

Selbstgespräche geführt

Das war ihm laut Aussage des Hausmeisters auch anzumerken. Der Kamener habe längere Zeit in der Unterkunft gelebt. Am Anfang sei er noch ganz friedlich gewesen. Irgendwann habe er immer mehr Selbstgespräche geführt, sich selbst angeschrien, in seinen Schrank gerufen, mit einem Stuhl um sich geworfen, merkwürdige Bewegungen gemacht und Sätze nicht vollendet. „Er hat immer was angefangen und dann kam er von Busfahren auf Kegeln. Also sehr verwirrt“, so der Hausmeister. Aufgrund der Schizophrenie sei der Angeklagte zur Tatzeit nicht in der Lage gewesen, das Geschehen zu steuern. Er sei damit schuldunfähig, brachte es die Richterin in der Begründung der Entscheidung auf den Punkt.