Nur mit Eintrittskarte in den Gottesdienst

Einmal im Jahr sind die Kirchen voll - unter Umständen zu voll: Dann müssen an Heiligabend Gottesdienstbesucher weggeschickt werden. Um das zu verhindern, führen manche Gemeinden Platzreservierungen ein.

23.12.2019, 15:30 Uhr / Lesedauer: 2 min
Nur mit Eintrittskarte in den Gottesdienst

Tabea Meyer (l) zeigt Eintrittskarten für den Gottesdienst. Neben ihr steht Elisabeth Müller. Foto: Roland Weihrauch/dpa

In einigen Kirchen kann man die Gottesdienste an Heiligabend nur mit Eintrittskarte besuchen. Pfarrerin Tabea Meyer von der Evangelischen Kirchengemeinde Essen-Haarzopf begründete dies zum einen mit Sicherheitsaspekten - ein Gedränge solle verhindert werden. „Es ist aber auch, um zu vermeiden, dass Leute weggeschickt werden“, sagte Meyer der Deutschen Presse-Agentur. Das sei 2017 geschehen und habe viel Ärger verursacht.

Alle sechs Gottesdienste an Heiligabend seien deshalb nur zugänglich, wenn man sich vorher eine Karte reserviert habe. Damit seien keinerlei Kosten verbunden. Im vergangenen Jahr hat die Gemeinde das Verfahren bereits ausprobiert. „Das hat super funktioniert, es gab gar keinen Stress“, sagte Meyer.

Die Evangelische Pauluskirchengemeinde in Krefeld arbeitet zum ersten Mal mit einem solchen System. Dort braucht man eine Eintrittskarte, wenn man den „Whynacht“-Gottesdienst mit moderner Musik und Theater besuchen will. Der Gottesdienst ist bereits ausgebucht. Pfarrer Volker Hendricks sagte der Deutschen Presse-Agentur, im vergangenen Jahr sei jemand im Gottesdienst umgekippt. „Die Gänge waren so voll, dass die Sanitäter kaum reinkamen. Das war schon sehr, sehr mühsam.“ Wertvolle Minuten seien verloren gegangen.

„Dann haben wir uns beraten lassen von einer Sicherheitsfirma, die für Versammlungsstätten entsprechende Konzepte macht, und die hat gesagt: „Nee, so könnt ihr das wirklich nicht machen.““ Jetzt wisse jeder, der eine Karte habe, dass er reinkomme, und die anderen würden es erst gar nicht versuchen. „Und es gibt ja Alternativen, ist ja nicht so, als wären wir die einzigen auf dem Planeten“, sagte Hendricks.

Jens Peter Iven, Sprecher der Evangelischen Kirche im Rheinland sagte, für alle Kirchen gelte, dass die Rettungswege auch an Heiligabend frei gehalten werden müssten. Häufig werde diese Regel ignoriert, was aber eigentlich nicht ok sei. Es gebe verschiedene Wege, damit umzugehen, ein Reservierungssystem sei einer davon. Andere Gemeinden zählten am Eingang die Besucher und schickten dann irgendwann Leute weg. Mitunter werde eine Videoübertragung in den Gemeindesaal angeboten, doch das werde erfahrungsgemäß nicht angenommen, weil dann natürlich die Atmosphäre verloren gehe.

„Im Prinzip gilt: Bei uns sind alle Menschen willkommen, die kommen wollen“, betonte Iven. „Aber sie müssen im Zweifel dafür Verständnis haben, dass die Sicherheit für alle vorgeht. Ich glaube, niemand möchte der medizinische Notfall in Reihe 2 sein, zu dem leider der Notarzt nicht durchkommt, weil der Mittelgang zugepackt ist mit Leuten.“

Reservierungen sind aber immer noch die große Ausnahme. So sagte Thomas Rünker, Sprecher des katholischen Bistums Essen: „Nach meinen Informationen gab es für die mehr als 1200 Weihnachtsgottesdienste in über 300 Kirchen, Kapellen und anderen Räumen in den katholischen Gemeinden des Bistums Essen bislang keine Notwendigkeit, Platzkarten auszugeben.“ Das gleiche gilt für das Bistum Münster: „Uns ist zu einem System der Eintrittskarten für Christmetten im Bistum Münster nichts bekannt“, teilte eine Sprecherin mit. „Auch am Paulus-Dom in Münster gibt es so ein System nicht.“

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