Nur eine Trauerfeier? Rechtsrock-Konzert in Schwerte sorgte für Wirbel

Am KZ-Außenlager

Ausgerechnet in der Nähe des ehemaligen KZ-Außenlagers in Schwerte hat es am Freitagabend ein Konzert mit rechtsextremen Musikern gegeben. Offiziell hieß es: nur eine Trauerfeier.

14.10.2018, 15:19 Uhr / Lesedauer: 2 min
Nur eine Trauerfeier? Rechtsrock-Konzert in Schwerte sorgte für Wirbel

An der Emil-Rohrmann-Straße in Schwerte-Ost liegt die Gedenkstätte. In unmittelbarer Nähe gab es am Freitagabend ein rechtsradikales Konzert. © Foto: Björn Althoff

Wo fand das Konzert statt?

Ort des Geschehens war der Partyraum einer Firma an der Emil-Rohrmann-Straße in Schwerte-Ost. Eine Straße hinten in einem Gewerbegebiet, wo niemand wohnt. Aber auch die Straße, an deren Eingang das Schild steht: „Gedenkstätte KZ-Buchenwald Außenlager“.

Wer spielte?

Es spielte „Kategorie C“, eine Band aus Bremen, die aus der Hooligan-Szene stammt und deren Mitglieder der rechtsextremen Szene zugeordnet werden.

Zudem soll ein Liedermacher aufgetreten sein, der ebenfalls der rechten Szene zugeschlagen wird.

Konnte man vom Konzert nicht vorher wissen?

Dass das Konzert in Schwerte stattfinden würde, wurde erst kurz vorher bekannt gegeben. Die Band selbst hatte im Internet nur zwei Konzerte für Freitag und Samstag im Raum Ruhrgebiet angekündigt - mit dem Zusatz: „Nur intern weiterleiten - kein Facebook etc.“

Am Freitagabend spielte man in Schwerte, am Samstag dann offenbar doch etwas weiter nördlich - unweit der A30 an der niederländischen Grenze.

Dass der Ort des Konzerts erst kurz vorher über persönliche Infos weitergegeben wird, ist üblich. Das erspart der Szene Gegenprotest und größeren Besuch der Polizei im Vorfeld.

Apropos Polizei: War die vor Ort?

Ja, einmal kurz, nachdem linke Aktivisten und Journalisten darauf hingewiesen hatten.

Das Konzert habe stattgefunden, hieß es am Sonntag aus der Leitstelle der Polizei in Unna. Kollegen seien vor Ort gewesen, hätten geschaut, hätten dann aber auch gesehen, dass es sich um eine private Feier auf gemietetem Privatgelände gehandelt habe - und zudem nicht in einem Wohngebiet. Deshalb habe man sich zurückgezogen.

Gegen 0 Uhr sei alles wieder ruhig gewesen, und es habe keine Folgeveranstaltung gegeben.

Zudem habe es sich bei dem Abend um eine „Trauerveranstaltung“ gehandelt. Das teilte man auch den anwesenden Journalisten mit.

Eine „Trauerveranstaltung“?

Ja, offiziell sollte eines Mönchengladbacher Hooligans gedacht werden, der vor einigen Wochen starb - ohne Fremdeinwirkung übrigens.

Nach ruhiger Trauer sah es nach dem Konzert allerdings nicht aus. Das zumindest war am Samstag von Firma zu hören, die den Partyraum vermietet.

Wieso? Was sagte man dort?

Der Raum sehe aus „wie ein Saustall“, erklärte ein Mitarbeiter. Den ganzen Morgen schon sei man damit beschäftigt, die Folgen der Party zu beseitigen.

Wieso hat man an Rechtsradikale vermietet?

Selbst der Chef habe keine Ahnung gehabt, dass dort ein rechtsradikales Konzert stattfinden solle, so der Firmen-Mitarbeiter. Man habe einfach den Partyraum vermietet - so wie sonst auch.

Erst am Samstag habe man erfahren, welcherlei Veranstaltung das am Freitagabend gewesen sei. Das Telefon habe schon etliche Male geklingelt. Viele hätten sich erkundigt, was da los gewesen sei.

Jeder könne den Partyraum mieten - „Sie auch, wenn Sie wollen“, hieß es noch. Und dass die Verantwortlichen überlegen würden, ob sie ihren Rechtsanwalt einschalten.

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