Neue Museumschefin Dr. Katja Stromberg will Besucher auf Entdeckungstour schicken

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Neben Porzellan des 17. Jahrhunderts stehen im Museum Thermo-Kaffeebecher und Ikea-Geschirr. Die neue Leiterin Dr. Katja Stromberg bringt die Alltagswelt damals und heute zusammen.

Lünen

, 22.10.2018, 06:00 Uhr / Lesedauer: 2 min

Als erste hauptamtliche Museumschefin Lünens ist Katja Stromberg (47) nun drei Wochen im Amt. Ihre Handschrift ist in einigen Details erkennbar. Sie will Besucher neugierig machen.

Der Arbeiterschuh aus dem Depot

Das gelingt ihr gleich am Eingang. Hier hat sie Vitrinen aufgestellt mit Verborgenem aus dem Depot. Darunter ein Arbeiterschuh. Er schlummerte Jahrzehnte im Dachgebälk eines Hauses. Das sollte Glück bringen. Wer weiß so etwas? „Ich möchte Menschen Dinge zeigen, die sie erstaunen und fragen lassen, was dahintersteckt.“

Neue Museumschefin Dr. Katja Stromberg will Besucher auf Entdeckungstour schicken

Möchte Besucher neugierig auf das Museum machen: Die neue Leiterin Dr. Katja Stromberg. © Magdalene Quiring-Lategahn

Als sich Katja Stromberg vor ihrer Bewerbung um die halbe Stelle im Museum umgeschaut hat, sei sie sofort begeistert gewesen. Die Räume der Wohnkultur von 1830 bis 1930, die Puppen- und Spielzeugsammlung, dazu die Öfen, die an die Anfänge der Industrialisierung erinnern, sowie die Töpferei und Werkstätten: „Da sprudelten die Ideen, was ich machen könnte.“

Die alleinerziehende Mutter einer Tochter hat selbst ursprünglich ein Handwerk gelernt: Sie ist Damenschneiderin und studierte vergleichende Textilwissenschaften. Dabei hatte sie viel mit Alltagsgegenständen zu tun, arbeitete in Museum, kuratierte Ausstellungen und war museumspädagogisch tätig.

Museum soll zum Treffpunkt werden

Das Museum sieht sie Ort des gesellschaftlichen Lebens. Größtes Exponat sei die Stadt mit ihren Menschen. Das Museum soll Treffpunkt werden, einer, der sich verändert, damit Besucher immer wieder kommen.

Deshalb möchte die Bochumerin mit anderen Institutionen kooperieren, Schulen und Kindergärten einladen und Workshops anbieten. Da darf ausprobiert werden, wie früher im Waschzuber Wäsche gewaschen wurde. Interessierte sollen in der Weihnachtszeit Nikolaussäcke aus Rupfen nähen können.

Was macht ein Smartphone im Herrenzimmer?

Katja Stromberg setzte auf Brüche. Auf weißen Podesten will sie in jeder Abteilung einen Gegenstand als Leihgabe platzieren, der irritiert: Beispielsweise einen Thermomix in der Küche aus der Jahrhundertwende. Oder ein Smartphone im Herrenzimmer. Wie lebte man früher, was nutzen wir heute?

Mit einem Fragebogen sollen Interessierte durch die Ausstellung gehen können und die Dinge suchen, die eigentlich nicht ins Museum passen. „Sich bewegen, etwas entdecken, miteinander ins Gespräch kommen“, ist ihr Credo.

Sie möchte außerdem das Museum in die Stadt tragen - mit einzelnen Objekten, die in der Adventszeit in Schaukästen der City bewundert werden können.

Dr. Lehnemann war 50 Jahre Museumsleiter

„Ich hoffe, dass die neue Museumsleiterin einen guten Anfang hat und werde sie dabei unterstützen“, erklärte auf Anfrage Dr. Wingolf Lehnemann. Er hat das Museum ehrenamtlich über 50 Jahre geleitet und war für seine Verdienste vor zwei Jahren mit dem ersten Ehrenamtspreis der Stadt Lünen ausgezeichnet worden.

Sonderausstellung im November

Schon vor längerer Zeit habe er den Wunsch geäußert, dass eine hauptamtliche Besetzung erfolgen solle. Das ist jetzt geschehen. Im November wird aber noch eine von Lehnemann schon lange vorbereitete Sonderausstellung im Museum eröffnet werden.

  • Das Museum der Stadt Lünen befindet sich im Wirtschaftsgebäude Schloss Schwansbell, Schwansbeller Weg 32, Tel. (02306) 104-16 49.
  • Die Öffnungszeiten sind von Oktober bis März: Di-Fr 14-17 Uhr, Sa, So 13-17 Uhr.
  • Eintritt 1 Euro, Kinder bis 15 Jahre frei.
  • Weitere Infos: www.kulturbuero-luenen.de
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