Neue Betrugsmasche: Bank lässt sich mit Google-Play-Gutscheinen bezahlen

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Fast 30.000 Euro sollte Heide Schmiedel (76) gewonnen haben, der Geldtransport schon unterwegs sein. Doch die Schwerterin wurde misstrauisch. Erst recht, als Google-Play-Gutscheine ins Spiel kamen.

Westhofen

, 27.11.2019, 05:00 Uhr / Lesedauer: 2 min

Warum in aller Welt Google-Play-Gutscheine? Was wollen die Betrüger damit anfangen, wenn sie den Geldkoffer übergeben haben? Darüber zerbricht sich Heide Schmiedel noch immer den Kopf. Von Anfang an dämmerte der 76-Jährigen aber, dass es irgendwie nicht mit rechten Dingen zuging, als ein „Herr Frank Drechsler“ sie am Telefon mit einer freudigen Mitteilung überraschte: Sie habe den dritten Preis bei einem Gewinnspiel vom März gewonnen – in Höhe von 29.800 Euro.

Was sie mit dem Geld vorhabe? Da wurde die ehemalige Lehrerin gleich hellhörig und antwortete trocken: „Investment-Fonds“. Da war das Gespräch beendet. Nach Bankdaten oder Kreditkartennummer wurde nicht gefragt. Aber man weiß ja nie.

Anruf: Der Geldtransporter ist mit einem Notar unterwegs

Zur Vorsicht wählte die Westhofenerin anschließend trotzdem die hinterlassene Rufnummer eines Unternehmens aus Wien, das angeblich mit der Verteilung der Gewinne beauftragt sei. Tatsächlich meldete sich dort eine Firma mit „Gewinnspiele“. Und ein Herr Drechsler sei dort angestellt.

Für die angekündigte Übergabe am nächsten Tag baute Heide Schmiedel vor. Als sicheren Ort wählte sie ihre Hausbank, wo sie ihren Bankberater einweihte. Damit kein Einbrecher ihre Abwesenheit ausnutzen konnte, bestellte sie ihre Haushaltshilfe für den Zeitpunkt in ihre Wohnung. Was sollte da noch passieren können?

Tatsächlich kam um 10.15 Uhr der Anruf: Eine „Frau Lindt“ meldete sich – „Wert- und Geldtransporte der Landesbank Berlin“. Die teilte eine achtstellige Zahlenkombination für den Geldkoffer mit, der in einem Werttransporter unterwegs sei. Mit zwei Sicherheitsleuten und einem Notar an Bord, die vom Gewinnspiel aber nicht bezahlt werden könnten. Deshalb solle sie 500 Euro in Form von Google-Play-Gutscheinen übergeben – aber erst nach Übergabe des Koffers.

Es geht den Tätern nur um die Nummern auf den Gutscheinen

„Ich habe die ganze Zeit gelacht“, sagt die Westhofenerin. Aber an dieser Stelle konnte sie nicht mehr an sich halten. „Wie kommt es, dass sich die Landesbank Berlin mit Google-Play-Gutscheinen bezahlen lässt?“, fragte sie zurück. Und kündigte an: „Ich gehe jetzt zur Polizei.“

Das solle man auf jeden Fall tun, rät Christian Stein, Pressesprecher der Kreispolizeibehörde Unna. Sein Kollege Kai-Uwe Kolk vom Kriminalkommissariat für Betrugsdelikte weiß auch, wie diese Variante der Gewinnspielmasche ausgegangen wäre. „Der Angerufene denkt, dass der Transport kommt“, berichtet er. Und dann klingelt wieder das Telefon. Der Wagen sei unterwegs, stecke aber im Stau. Und dann die entscheidende Frage: „Haben Sie schon die Gutscheine geholt? Sind es auch die richtigen?“

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Um das zu überprüfen, solle man schon mal die Nummern auf den Gutscheinen vorlesen. Und zack – ist das Geld weg. Denn die Nummern allein genügen, um an das Guthaben im Internet zu gelangen. „Das wird sofort verbraucht“, sagt der Kriminal-Hauptkommissar.

Vornamen im Telefonbuch verraten Kriminellen das Alter

Welche Örtlichkeit man für die angebliche Übergabe vereinbart habe, spiele überhaupt keine Rolle. Es gebe keinen Geldtransporter. „Da kommt keiner“, sagt Kai-Uwe Kolk. Alles sei ein reiner Telefontrick: „Es geht nur darum, dass die Täter in den Besitz der Gutscheinnummern kommen.“ Das muss nicht Google-Play sein, auch ein anderer Gutschein, der im Internet eingelöst werden kann.

Bei Heide Schmiedel gerieten die Betrüger an die falsche Adresse. „Für wie bescheuert halten die mich den eigentlich?“ sagte sie und erstattete umgehend Anzeige auf der Schwerter Polizeiwache.

Außerdem will sie ihren Eintrag aus dem Telefonbuch streichen lassen. Denn anhand von unmodern klingenden Vornamen – so erfuhr sie – picken sich Kriminelle dort mutmaßliche Senioren als Opfer aus.

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