Neue Profile und weniger Stellen für die Krankenhäuser in Lünen und Werne

dzGaluschka im Interview

Veränderungen läutet Clemens Galuschka, neuer Geschäftsführer des Katholischen Klinikums Lünen/Werne, ein. Danach soll jedes Krankenhaus spezielle Aufgaben erfüllen - mit weniger Personal.

Lünen, Werne

, 01.02.2019, 11:45 Uhr / Lesedauer: 5 min

Clemens Galuschka, Geschäftsführer der St.-Lukas-Gesellschaft mit Sitz in Castrop-Rauxel, ist jetzt auch Sprecher der Geschäftsführung des Katholischen Klinikums Lünen/Werne. Von der Zukunft hat er klare Vorstellungen. Im Interview mit Redakteurin Magdalene Quiring-Lategahn erklärt er, wie er die beiden Krankenhäuser strategisch ausrichten will, dass 60 von 1400 Vollzeitstellen abgebaut werden sollen und warum er trotz eines Defizits im siebenstelligen Bereich zuversichtlich ist.

Sie sind 59 und bereits Geschäftsführer von drei Kliniken in Dortmund und Castrop-Rauxel. Warum binden Sie sich noch das Katholische Klinikum Lünen/Werne ans Bein?

Ich bin seit 19 Jahren in Dortmund und in einem Haus in Castrop hier in der Region aktiv. Die Aufgabe macht mir sehr viel Spaß. Ich bin davon überzeugt, dass konfessionelle oder freie gemeinnützige Träger im Gesundheitswesen eine große Rolle spielen sollten.

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Ich denke, dass wir gegenüber Privaten die Chance haben, Mitarbeiter stärken einzubinden und patientengerechter zu arbeiten, weil wir nicht Aktionären verpflichtet sind.

Wie wirkt sich das aus?

Das führt dazu, dass wir, wenn Gewinn notwendig, aber nicht die treibende Kraft ist, bei der Indikationsstellung und der Wahl der Behandlungsmethoden das Richtige für den Patienten tun und durch unseren konfessionellen Hintergrund auf Wunsch auch für sein seelisches Befinden entsprechende Antworten geben können.

ZUR INFO

DIE BEIDEN KATHOLISCHEN GESELLSCHAFTEN

  • Zum Katholischen Klinikum Lünen/Werne gehören das St.-Marien-Hospital Lünen und das St.-Christophorus-Krankenhaus Werne.
  • Unter dem Dach der Katholischen St. Lukas-Gesellschaft mit Sitz in Castrop-Rauxel finden sich folgende Einrichtungen: das St.-Josefs-Hospital Dortmund-Hörde, das Katholische Krankenhaus Dortmund-West (Kirchlinde), das St.-Rochus-Hospital Castrop-Rauxel und die St. Lambertus Pflegeeinrichtungen Castrop-Rauxel.

Der Aufsichtsrat hat Sie zum Sprecher der Geschäftsführung ernannt und nicht den langjährigen Geschäftsführer Axel Weinand. Zudem verantworten Sie die wichtigen Themen Personal und medizinische Versorgung. Wie ist das zu erklären?

Nach dem Weggang von Herrn Goldt (der Geschäftsführer hatte gekündigt, Anm. d. Red. ) kam der Vorsitzende des Aufsichtsrates auf mich zu und fragte, ob ich mir vorstellen könnte, als Geschäftsführer den Zusammenschluss von St. Josef und Lünen/Werne zu verstärken.

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Die Frage war ja, sucht man jetzt einen jüngeren, neuen Geschäftsführer für Werne? Damit hätte man aber für die weitere Entwicklung auch Fakten geschaffen. Die hätten vielleicht ein Zusammengehen von Einrichtungen in einem möglicherweise größeren Verbund verhindert. Das wären Barrieren gewesen für das gesamtgroße Ziel, eine wettbewerbsfähige Struktur im östlichen Ruhrgebiet zu schaffen.

Aber Sie sind Sprecher der Geschäftsführung geworden.
Der Sprecher ist deshalb zustande gekommen, weil man Sorge vor einem Ungleichgewicht hatte. Dass ein Geschäftsführer, der aus einem Haus kommt, nun für beide verantwortlich ist und das kleinere Haus vielleicht nicht richtig mitgenommen wird. Ich glaube, dass man es schaffen muss, und da sind wir auf einem guten Weg, das Ganze als Einheit zu verstehen. Im Vordergrund muss stehen, was ist das Beste für die Patienten, die Mitarbeiter und die Wirtschaftlichkeit.

Laut Krankenhaus-Barometer 2017 des Deutschen Krankenhaus-Instituts sollen knapp 29 Prozent der Krankenhäuser in den Miesen sein. Wie sieht das in Lünen und Werne aus? Ich habe von einem siebenstelligen Fehlbetrag gehört.

Das kann man auch im Bundesanzeiger nachlesen. Die wirtschaftliche Situation war schwierig.

Gibt es den siebenstelligen Fehlbetrag?

Der ist 2017 entstanden. Man muss das aber im Zusammenhang von 170 Millionen Euro Umsatz sehen. Ich bin sehr zuversichtlich, dass wir aus der Situation herauskommen. Die Erfahrungen aus Dortmund zeigen, dass wenn man stärker in Prozessen denkt und die Abläufe für Patienten besser aufeinander abstimmt, mit weniger Ressourcen die Leistung erbringen kann.

Sie haben sich die Häuser sechs Monate beratend angeschaut. Gibt es Bereiche, in denen Sie den Hebel der Veränderung ansetzen wollen?

Wir haben vieles, was in anderen Krankenhäusern zentral organisiert ist, noch dezentral. Zum Beispiel den Schreibdienst. Oder in Werne gab es viele kleine Bereiche, dazu Notaufnahmen für Innere Medizin, Chirurgie und eine Pfortenbesetzung. Das sind Dinge, die man in einem Notfallbereich zentralisieren kann. In der planbaren Versorgung haben wir noch abteilungsbezogene Arbeitsweisen. Das kann so organisiert werden, dass mehrere Abteilungen die gleichen Räume und Personalressourcen nutzen. Man wird hier investieren müssen. In Lünen gibt es die Linksherzkatheter an verschiedenen Stellen. Sinnvoll ist, dass man die Abläufe zusammenlegt. Das ist arbeitsökonomisch besser und besser für die Patientensicherheit und die Wirtschaftlichkeit.

Wie gehen Sie Veränderungen an?

Es sind andere Arbeitsformen eingeführt worden, die Veränderungen realisieren. Wir arbeiten stärker in verbindlichen Projekten, um in einer geplanten Zeit zum Ergebnis zu kommen. Es wird geprüft, ob es funktioniert, und wenn ja, nach einem festen Zeitplan umgesetzt. Da haben schon einige Projekte begonnen, die dazu führen müssen, die wirtschaftlichen Potenziale heben zu können.

Haben Sie mal ein Beispiel?

Da ist der zentrale Schreibdienst in beiden Häusern. Es gibt jetzt ein einheitliches Diktiersystem. An einem Ort laufen alle Diktate zusammen. Ein weiteres Projekt ist die bauliche Zielplanung. Wir prüfen, wo es Wartezeiten oder lange Wege gibt, wir sammeln die Probleme und überlegen, welche baulichen Maßnahmen das ändern können. Ein großes Projekt wird das Interventionszentrum, in dem eben die Linksherzkatheter-Messplätze zusammengefasst werden.

Die Häuser müssen mit weniger Mitarbeitern auskommen, haben Sie angekündigt. Patienten brauchen aber gute Versorgung.

Das Finanzierungssystem im Krankenhaus zwingt uns, die Pflege durch die neuen Regelungen mal ausgenommen, auch nach wirtschaftlichen Kriterien zu arbeiten. Von den Krankenkassen bekommen wir für unsere Leistungen einen Preis. Damit müssen wir hinkommen. Unproduktive Arbeiten können wir uns nicht erlauben. Wir wollen die wirtschaftlichen Potenziale heben, ohne dass das zu einer Beeinträchtigung der Qualität oder zu einer Überbelastung der Mitarbeiter führt.

Was heißt das konkret? Wo wollen Sie sparen?

Wir haben noch ein zentrales Kommunikationszentrum. Das ist technisch überholt. Die Mitarbeiter nehmen Anrufe von Patienten an, um sie zurück auf die Station zu verbinden. Das ist besser machbar. Da müssen wir investieren und die Arbeitsplätze verlagern, die durch natürliche Fluktuation frei werden. Wir haben nicht vor, Kündigungen auszusprechen.

Wie viele Arbeitsplätze werden wegfallen?
Ich gehe davon aus, dass es mittelfristig Fallzahlsteigerungen geben wird. Das federt das etwas ab. Aber wir werden auf etwa 60 Arbeitsplätze verzichten.
Ansonsten kommen wir von dem Defizit nicht runter.

Wo hoch sind die Personalkosten?

Etwa 60 Prozent von 170 Millionen Umsatz. Wir haben überprüft, dass es Abteilungen gibt, die besser ausgestattet sind, als refinanziert wird. Auch da wird es Anpassungen geben, die aber unterstützt werden durch bauliche und organisatorische Maßnahmen, die zur Vereinfachung der Arbeit führen müssen.

Trifft der Personalabbau auch den ärztlichen Dienst?
Ja, aber in einer überschaubaren Größe. Wir hatten einen Einstellungsstopp. Dadurch ist schon viel erledigt. Der größte Batzen ist eigentlich durch.

Wie sieht Ihre Zukunftsstrategie für die beiden Häuser aus? Kommen Investitionen, Stichwort Privatstation und in Lünen die neue Intensivstation, darin vor?

Die Strategie wird sich ändern. Werne wird sich zu einem Haus der Grund- und Regelversorgung für die Bürger der Stadt entwickeln, mit dem Schwerpunkt Orthopädie, Wirbelsäulen- und Adipositas-Chirurgie. Es ist von der Lage am See her ideal, um elektive (planbare Eingriffe, Anm. d. Red. ) Patientenversorgung mit überregionaler Bedeutung anzubieten. Adipositas-Chirurgie und Wirbelsäulen-Chirurgie beispielsweise haben andere nicht.
Lünen wird ein klassischer Vollversorger mit dem ganzen Notfallequipment und der High-End-Versorgung für schwere Fälle. Dazu gehören die Besonderheiten Neurologie, Neurochirurgie und Neuradiologie, die die St.-Lukas-Gesellschaft auch nicht hat.

Was heißt High-End-Medizin?

Spitzenmedizin mit der Möglichkeit, schwere Fälle zu versorgen, was in kleineren Häusern gar nicht möglich ist. Das wird sich in Lünen bündeln. Aber was hier vorhanden ist, muss nicht zwingend noch in Werne gemacht werden. Dafür macht Werne Dinge, die nicht hier gemacht werden. Das ist die große Aufgabe, das ein bisschen zu trennen.

Wie steht es um das Thema Privatstation?

Die Privatstation war ja einer der Gründe, wodurch auch Schwierigkeiten entstanden. Eine Privatstation ist sehr teuer und hätte einen Neubau bedeutet. Das ist unter den Rahmenbedingungen in den nächsten zwei bis vier Jahren nicht zu finanzieren. Wir wollen dafür Bestehendes nutzen. Werne hat schöne Zimmer. In Lünen soll eine Station mit mehr Komfortelementen ertüchtigt werden. Die wird sehr gut ausgestattet, aber man ist bei der Größe der Zimmer auf bestehende Maße beschränkt. Ausgebildete Hotelfachleute werden den Service übernehmen.

Wann soll sie an den Start gehen?

Wir werden Ende des Jahres so weit sein, das in beiden Häusern aufzubauen. Es ist auch eine Forderung der privaten Krankenversicherer, solche Strukturen zu schaffen.

Wird es in Lünen eine neue Intensivstation geben?

Mittelfristig ja. Sie ist in der baulichen Zielplanung.

Neue Profile und weniger Stellen für die Krankenhäuser in Lünen und Werne

Das Marien-Hospital in Lünen soll künftig ein „Spitzenversorger“ werden. © Quiring-Lategahn


Gibt es weitere Möglichkeiten der Kooperation zwischen Lünen und Dortmund?

Ich sagte schon, dass man im östlichen Ruhrgebiet eine Menge Synergien erreichen kann, wenn man eine große, katholischen Krankenhauseinheit schaffen könnte. Allein zwischen Lünen und Lukas gibt es eine Menge Synergien, die man so aufeinander abstimmen kann, dass ein Wechsel der Einrichtungen nicht zu einem Informationsverlust führt.

Welchen Nutzen bringt das den Patienten?

Der Patient ist in einer Einheit, es gibt kurze Dienstwege, man kennt sich. Das ist der Vorteil, wenn Dinge standardisiert und aufeinander abgestimmt sind.

Wo sehen Sie die Kliniken in Lünen und Werne in zehn Jahren?

Werne sehe ich als elektives Krankenhaus mit Grundversorgung und Lünen als Spitzenversorger.

Wenn Sie sich mal nicht um Krankenhäuser kümmern, wie verbringen Sie Ihre Freizeit?

Ich reise gerne und will mir wieder Hunde anschaffen, die dann auch für die nötige Bewegung sorgen.

Was ist Ihnen lieber?

Bier oder Wein?
Da ich in Düsseldorf wohne, Altbier muss sein.

Couch oder Kino?
Im Sommer Terrasse, im Winter Kino.

BVB oder Schalke?

Ich habe es mit Fußball nicht so.

Meer oder Berge?
Berge.

E-Reader oder Buch?

Tendenziell iPad.

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