Der Sanitär-Großhändler Cordes & Graefe will sich an der Werner Straße ansiedeln. Was ist das für ein Unternehmen, das 1375 Standorte unterhält? Und bleibt es bei 200 neuen Arbeitsplätzen?

Selm

, 22.01.2020, 11:16 Uhr / Lesedauer: 3 min

Die Politik hat grünes Licht gegeben für die Gewerbeansiedlung auf der grünen Wiese. Cordes & Graefe heißt der Sanitär-Großhandel aus Bremen, der an der Werner Straße auf einem 13 Hektar großen Grundstück bauen möchte. Der Rat hat im Januar die Weichen gestellt, um die noch landwirtschaftlich genutzte Fläche in eine Gewerbefläche umzuwidmen.

„Den Namen des Unternehmens kennt fast niemand“, sagt Patrick Hofmann von der Geschäftsführung. Mit den Produkten komme aber jeder im Alltag in Kontakt: von der Kloschüssel bis zum Heizungsthermostat. Unternehmenssprecher Erik Trümpler stellt im Interview den neuen Selmer Arbeitgeber vor.

Mit Cordes & Graefe siedelt sich ein Unternehmen in Selm an, das aktuell auf Platz 47 im Ranking des „Who is Who der deutschen Familienunternehmen“ steht. Damit gehört die Cordes & Graefe KG zu den umsatzstärksten (5 Mrd. Euro im Jahr 2015) Familienunternehmen im Land. Was kann Selm von Ihrem Unternehmen in der nahen Zukunft erwarten? Cordes & Graefe wird an der Werner Straße in Selm in Zukunft diverse Großhandelsfunktionen etablieren, unter anderem Lager- und Logistikleistungen. Im Zuge dessen schaffen wir – wie Sie wissen – vor Ort bis zu 200 Arbeitsplätze.

Weltweit sind Sie laut Ihrer Homepage an 1.375 Standorten mit insgesamt 24.000 Mitarbeitern vertreten. Wie fügt sich nun Selm als vielleicht 1.376-er Standort in die zukünftige Strategie der Unternehmensentwicklung ein? Seit jeher profitieren unsere Partner in den Regionen von der Stärke der Gruppe und gleichzeitig von einer außergewöhnlichen Freiheit in ihrem Handeln vor Ort. Unsere Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter haben das Ohr nah am Kunden mit seinen individuell und regional geprägten Herausforderungen. Jeder einzelne Standort trägt damit elementar zur Entwicklung unserer Gruppe bei und ist selbstverständlich viel mehr als nur eine Zahl. Das gilt auch für den Standort Selm.

Womit konnte Selm punkten? Selm punktet mit dem Potenzial an Arbeitskräften und mit den Zugangsmöglichkeiten zur Infrastruktur des Ruhrgebiets. Zudem ergänzt Selm unsere Präsenz im westlichen Teil des Ruhrgebiets sehr gut.

Das Unternehmen steht unter der Führung persönlich haftender Gesellschafter. In dieser Größenordnung ist das ein enormes Wagnis, wie der Fall Schlecker zeigt. Gehört das zur Firmenphilosophie, sich mit Herz und Seele, für das Unternehmen einzusetzen oder ist es vielmehr eine Heuschrecken-Abwehr-Strategie? Das ist zentraler Teil und einer der großen Erfolgsfaktoren unserer Unternehmensstrategie. Unsere persönlich haftenden Gesellschafter denken, planen und handeln langfristig. Sind mit Herz und Seele im Sinne ihres Unternehmens dabei – und das in vielen Fällen schon über Jahrzehnte. Die Strategie des Unternehmers vor Ort hat sich von Anfang an bewährt.

Neue Arbeitsplätze in Selm: „Wir suchen vom Lagermitarbeiter bis zum Betriebsleiter“

Der Sprecher von Cordes und Graefe, Erik Trümpler, freut sich "auf gute Nachbarschaft" in Selm. © Erik Trümpler

Auf Ihrer Homepage verkünden Sie stolz: „Für unseren Kunden fahren wir umgerechnet täglich rund 27 Mal um die Erde“. Das ist eine Menge Diesel, der da in die Luft geblasen wird. Deshalb die Gretchenfrage für die Logistikbranche: „Wie hast du`s mit der Energiewende?“ In der Tat ist das ein zentrales Thema, dem wir uns bewusst stellen und für das wir bereits regionalspezifische, individuelle Logistikkonzepte erarbeiten, um eben nicht in jedem Fall mit dem klassischen Lkw ausliefern zu müssen. Im Sinne des Klimaschutzes drehen wir aktuell an ganz unterschiedlichen Stellschrauben – vom Fahrradkurier über E-Mobilität und optimierten Routenkonzepten bis hin zu für uns ganz neuen Lieferformen, um beispielsweise gerade die sehr schnell drehenden Verbrauchsmaterialien möglichst klimaschonend an unsere Kunden zu bringen.

Da stellt sich natürlich auch für die Selmer die Frage nach dem Verkehrsaufkommen. Müssen wir uns Sorgen machen? Ein Logistikunternehmen ist zweifellos immer mit Verkehr verbunden. Allerdings setzen wir in unseren Logistikabläufen – übrigens auch im Sinne des Klimaschutzes – auf verkehrsarme Zeiten. Insofern müssen sich die Selmer keine Sorgen machen. Zumal die Dichte unserer Kunden in Selm selbst ja sehr begrenzt ist. Selm wird zwar ein wichtiger Stützpunkt für unsere Gruppe, ist aber selbst kaum betroffen.

Jetzt wurde der Standort festgelegt. Wie lange wird es jetzt dauern bis das neue Lager den Betrieb aufnehmen kann? Die Planungen laufen. Wann genau wir loslegen, hängt unmittelbar mit den Entscheidungen der Selmer Politik zum Bebauungsplan zusammen. Bis wir vor Ort den operativen Betrieb aufnehmen können, dauert es also auf jeden Fall noch einige Zeit.

200 Arbeitsplätze sollen geschaffen werden. Der Bürgermeister hatte im Vorfeld von 800 gesprochen. War das zu optimistisch? Bitte haben Sie Verständnis, dass wir das nicht kommentieren wollen. Wir gehen aber davon aus, dass 200 ein gutes Ziel ist.

Können Sie in etwa skizzieren, wie viel qualifizierte und weniger qualifizierte Jobs es geben wird? Grundsätzlich gilt: Wir schätzen jede einzelne Arbeitskraft. Vom Lagermitarbeiter bis zum Betriebsleiter suchen wir für den Standort Selm engagierte Mitarbeiter für ganz unterschiedliche Aufgaben.

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