Netto-Werbung in Kritik: Supermarkt wirbt mit nackten Frauen für unverpacktes Obst

dzNetto-Werbung

Vier Äpfel trägt die Frau auf dem Netto-Plakat in Bork. Mehr nicht. Mit nackter Haut macht der Supermarkt Werbung für unverpacktes Gemüse. Dafür erntet er Kritik.

Bork

, 25.10.2019, 21:15 Uhr / Lesedauer: 2 min

Sex sells: Das ist eine uralte Weisheit aus der Werbung. Nichts als roten Lippenstift - und Chancel No. 5 - trug die 19-jährige Marilyn Monroe auf dem in den 50er-Jahren entstandenen Pin-up, das die Wirksamkeit dieses Slogan als erstes vorführte und ihn im Werbe-Sprech etablierte. Die Frau, die auf einem großen Plakat in Bork Werbung für den Supermarkt Netto macht, trägt nicht viel mehr als Marilyn Monroe damals: Vier Äpfel hält sie vor ihrem nackten Oberkörper und bedeckt so ihre blanke Brust. „Nackte Tatsache: Wir haben unverpacktes Obst und Gemüse“, steht daneben mit dem Verweis auf den Supermarkt Netto.

Zwei ältere Frauen schauen schulterzuckend auf das an prominenter Stelle an der Hauptstraße hängenden Plakat in Bork. „Es gibt Schlimmeres“, sagen sie gleichgültig. Das sehen längst nicht alle so: Die Werbemasche von Netto hat in den Sozialen Medien einen regelrechten Shitstorm ausgelöst.

#WareFrau und viele Daumen nach unten

„Ich stelle mir immer vor, dass eine Werbekampagne, bevor sie öffentlich wird, von Profis auf Sinn, Botschaft und Zielpublikum geprüft wird. Was zum Henker haben die von #Netto sich hierbei gedacht? #WareFrau“, schreibt beispielsweise ein Twitter-Nutzer.

Mit den Hashtags #Netto, #Sexismus, #gehtgarnicht und mehreren Daumen-nach-unten-Emojis kommentiert eine andere Userin: „Völlig daneben! Alles andere als zeitgemäß, eine nackte Frau zu Werbezwecken zu verdinglichen, um ,grün‘ zu sein. Schlechtes Marketing, Netto!“ Das sind nur zwei von vielen Beispielen, die sich in den sozialen Medien finden lassen.

„Mir ist diese Werbung auch bereits äußerst negativ aufgefallen und ich finde Reaktionen diesbezüglich absolut wichtig“, sagt Heidi Bierkämper-Braun, die Gleichstellungsbeauftragte des Kreises Unna, auf Anfrage der Redaktion. Sie kündigt an, dass sich die Gleichstellungsbeauftragten im Kreis Unna in ihrer nächsten Sitzung mit dem Thema sexistische Werbung beschäftigen werden.

Wenn das „sexualisierte Darstellen“ der Frau keinen Zusammenhang zum beworbenen Produkt hat, könne man von frauenfeindlicher Werbung sprechen. Das ist eine Definition der Frauenrechtsorganisation „Terre des Femmes“. Reicht der Zusammenhang von unverpackten Körpern und unverpacktem Gemüse in dieser Kampagne, um nicht als frauenfeindlich zu gelten?

Fairerweise sei hier dazugesagt: Für die Kampagne von Netto haben sich nicht nur Frauen ausgezogen, sondern auch ein Mann. Er hält sich in der Kampagne einen Salatkopf vors Gemächt. Sein Name ist laut einer Anzeige, die Netto in einer Zeitung veröffentlich hat, Harald G.. Der „Nackt-Alarm“ im Supermarkt, so ist die Anzeige überschrieben, sei ihm und Katja M., so heißt laut Anzeige die Frau, die auch auf dem Plakat in Bork zu sehen ist, eine „Herzensangelegenheit“.

„Das Thema unverpacktes Obst und Gemüse steht visuell im Fokus“

Ziel der Kampagne sei, zu „zeigen, dass Netto jetzt bei mehr als 100 Obst- und Gemüsesorten problemlos auf Plastikverpackungen verzichtet - wie Katja und Harald auf ihre Klamotten“, heißt es in der Anzeige.

Die Pressestelle von Netto erläutert außerdem auf Anfrage der Redaktion: „Mit Witz und einem provokanten Augenzwinkern zeigt Netto, warum mehr ,Nacktheit‘ in der Frischeabteilung wichtig ist und macht damit auf das gesellschaftlich relevante Thema aufmerksam. Das Thema unverpacktes Obst und Gemüse steht visuell im Fokus unserer Kampagne und die Posen der Modells sind bewusst humorvoll inszeniert mit einer positiven Wortwahl“, so Christina Stylianou, Leiterin Unternehmenskommunikation von Netto.

Pressestelle von Netto bleibt Antworten schuldig

Wie viele Plakate mit nackten Frauen und wie viele mit nackten Männern derzeit in Deutschland hängen? Auf diese Fragen antwortet sie nicht. Auch ein Statement zum Sexismus-Vorwurf und zu möglichen Konsequenzen der Kritik an der Kampagne bleibt die Netto-Pressestelle der Redaktion bis Redaktionsschluss schuldig.

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