Neben Geldbörsen und Handys verschwindet auf dem Wochenmarkt manchmal auch die ganze Kasse

dzKriminalität

Mal sind es ein paar Bananen, mal ein paar Sonnenbrillen. Markthändler berichten davon, wie die Diebe immer dreister werden. Sie schrecken auch vor dem Aufbrechen der Lkw nicht zurück.

Schwerte

, 13.12.2018 / Lesedauer: 4 min

Schwupp, waren die Bananen weg. Im Vorbeigehen fuhr der Marktbesucher mir nichts, dir nicht seine Klauhand aus und schnappte sich die Früchte. „Vom Bezahlen hielt er nichts“, berichtet Obst- und Gemüsehändlerin Brigitte Ullrich. Sie beobachtete noch, wie der Dieb in einiger Entfernung seelenruhig die gelben Südfrüchte verspeiste und dann zurückkehrte, um sich erneut an den Auslagen zu bedienen. Doch da sei ihr Ehemann eingeschritten und habe den Fall zur Anzeige gebracht. „Frau Ullrich, Sie sind heute nicht die Erste“, habe der Polizist noch zu ihr gesagt. Auch kein Trost für die Händlerin, die nicht einmal eine einzige Erdnuss von den Tischen im Supermarkt knackt, um deren Geschmack zu prüfen.

Nur kurz angestupst

Ganz frisch sind diese unangenehmen Erinnerungen. Der Vorfall ereignete sich erst vor acht Tagen. In der Woche davor war eine Kollegin, ein Stückchen weiter entfernt von dem Gemüsestand, ins Visier der Kriminellen geraten. „Ich merkte, wie mich jemand anstupste“, erzählt sie. Kurz darauf vermisste sie ihr Handy. Ein Kollege wählte rasch die Nummer, das schellte es hinter dem Bäckerwagen. Der Täter hatte das Telefon weggeworfen. Vielleicht aus Panik, ertappt zu werden. Vielleicht aber auch, weil er für das Mobiltelefon auf dem Schwarzmarkt nicht viel Hehlergeld bekommen hätte: „Das ist ein alter Knochen.“

„Es ist schon heftig hier“

„Ja, man muss so aufpassen“, sagt Brigitte Ullrich. „Es ist schon heftig hier“, pflichtet ihr die „Kartenfrau“ bei, die seit 38 Jahren am Eingang zum Marktplatz ihr riesiges Angebot für Geburtstage, Hochzeiten und Trauerfälle ausbreitet. Manches sei aber auch „hausgemacht“. Immer wieder beobachte sie Frauen, die ihr Portemonnaie in der offenen Manteltasche stecken oder es oben auf den Rollator gelegt hätten. Das macht es den Tätern leicht, an fette Beute zu kommen.

Polizei: „Kein dramatischer Anstieg“

Alles Momentaufnahmen, für den Betroffenen aber ein schlimmes Erlebnis. Eine Häufung von Straftaten rund um den Wochenmarkt kann die Polizei indes derzeit nicht bestätigen. „Es gibt keinen dramatischen Anstieg“, berichtet Thomas Röwekamp, Pressesprecher der Kreispolizeibehörde Unna: „Anzeigenmäßig ist das nicht auffällig.“ Und auch Frank Rest, Geschäftsführer der ausrichtenden Markthandel Schwerte GmbH, erklärt: „In letzter Zeit habe ich nichts gehört.“ Irgendwann sei die Polizei mal da gewesen. Das geschehe immer wieder sporadisch.

Selbsthilfe der Händler

Die Händler passen aber auch gegenseitig auf ihre Waren auf. Von ihrem angestammten Standplatz vor der St.-Viktor-Kirche hat Brigitte Ullrich den Eingang des Marktplatzes gut im Blick. Den Mann, der sich unrechtmäßig an ihren Bananen bediente, kannte sie deshalb bereits: „Der hat schon mal hier was angestellt.“ Es sei derselbe gewesen, der im Sommer gleich zweimal am Brillenstand eines Kollegen zugegriffen habe. Eine Sonnenbrille setzte er sich auf die Nase, die andere steckte er ganz dreist in die Tasche, um anschließend zu verschwinden.

Komplette Tageseinnahmen weg

Das war auch ein Grund, warum Brigitte Ullrich daran gelegen war, dass die Polizei die Personalien des späteren Bananendiebs aufnahm. Die Gemüsehändlerin, die seit 42 regelmäßig auf dem Schwerter Wochenmarkt steht, ist ohnehin ein gebranntes Kind. Es ist erst zwei Jahre her, da wurde ihr während der Abbauarbeiten die Kasse aus dem verschlossenen Führerhaus ihres Lkw gestohlen: „Die ganzen Tageseinnahmen vom Samstag. Das war schon was.“ Auf einen Schlag war sie um den Lohn des ganzen langen Arbeitstages gebracht worden:

„Um ein Uhr in der Nacht aufstehen, zum Großmarkt fahren und einkaufen, dann alles schön aufbauen.“ Und anschließend noch den ganzen langen Tag hinter den Auslagen stehen und die Kunden bedienen - alles umsonst gemacht. Brigitte Ullrich vermutet, dass der Dieb sie vorher schon ausgespäht hat: „Im Sommer sitzen immer viele auf dem Brunnen. Von da wird er das beobachtet haben.“ Oder ein Stückchen weiter von den Stehtischen aus, wo sich Marktbesucher gerne Backfisch mit Remoulade oder Schillerlocken schmecken lassen. Von der Polizei erfuhr die Händlerin nur, dass Kriminelle über Geräte verfügen, mit denen sie Autos mit Zentralverriegelung der Türen im Handumdrehen knacken könnten.

Kein Vergleich mit der Dortmunder Nordstadt

„Fahren Sie erstmal zum Markt in der Dortmunder Nordstadt“, erzählt ein Kollege. Dort würden selbst Menschen, die man anderswo in Vorurteilen gern pauschal als Diebe verdächtigt, ihre eigenen Taschen vorsorglich zuknöpfen. Doch dieser Vergleich nützt den Opfern, die in Schwerte bestohlen worden sind, nicht allzu viel.

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