Nach Spritzen-Attacke kein Hinweis auf injizierten Stoff

Eine unbekannte Substanz hat ein Mann einer 13-Jährigen in den Körper gespritzt. Am helllichten Tag. Auf einem großen Parkplatz. Bevor er floh, sagte er noch „Nummer Sechs“. Gab es schon früher Opfer? Sind noch weitere zu befürchten? Die Polizei nimmt den Fall sehr ernst.

15.11.2019, 11:50 Uhr / Lesedauer: 2 min

Verstörende Attacke auf eine 13-Jährige in Gelsenkirchen am helllichten Tag: Ein Mann mit weißen Handschuhen bedroht die Jugendliche erst mit einem Messer, dann spritzt er eine unbekannte Substanz in ihren Körper. In akzentfreiem Deutsch sagt er noch „Nummer Sechs“, dann flieht er. Die schwer verletzte Schülerin klingelt bei Anwohnern und bittet um Hilfe. Ein Mann fährt sie kurzerhand in ein Krankenhaus in der Nähe. Dort wird sie jetzt behandelt.

Was sich wie der Auftakt zu einem merkwürdigen Krimi liest, soll sich am Donnerstagvormittag im Stadtteil Ückendorf unweit der Innenstadt tatsächlich abgespielt haben. Die Polizei hat bislang keinen Zweifel daran, dass die Schilderungen der Jugendlichen stimmen. Schon am Donnerstag hatten Beamte mit ihr sprechen können. „Es geht ihr den Umständen entsprechend gut“, sagt Polizeisprecher Christopher Grauwinkel am Freitag bei einer eilig anberaumten Pressekonferenz.

Die Sorge der Polizei: Weil der Unbekannte „Nummer Sechs“ sagte, befürchten die Ermittler, dass es schon weitere Opfer gibt oder künftig geben könnte. Hinweise darauf gibt es bislang aber nicht. Auch in benachbarten Städten habe es keine Meldungen über ähnliche Fälle gegeben, sagt Grauwinkel. Die Ermittler haben keine Hinweise, dass es sich um eine gezielte Attacke auf diese 13-Jährige handelte. Sie gehen vielmehr davon aus, dass die Jugendliche ein Zufallsopfer war.

Die Ermittler wissen noch nicht, welchen Stoff der Unbekannte dem Mädchen injiziert hat. Das Opfer habe bereits kurz nach der Attacke Ausfallerscheinungen gehabt, sagt Grauwinkel. Welcher Art diese waren und ob sie noch anhalten, wird am Freitag nicht bekannt. „Die Behandlung wird sich auch noch über einen längeren Zeitraum erstrecken“, betont der Sprecher. Die Suche nach dem injizierten Stoff sei für Ärzte und Gerichtsmediziner sehr aufwendig, weil es keine Spur gebe, wonach genau gesucht werde müsse.

Die Schülerin war am Donnerstagvormittag gegen 09.00 Uhr auf dem Weg zu einer Schulveranstaltung. Auf einer von vielen Mehrfamilienhäusern gesäumten Straße wurde sie von dem Unbekannten angesprochen und mit einem Taschenmesser bedroht. Er forderte sie auf, ihm zu folgen. Auf einem wenige hundert Meter entfernten, großen Parkplatz soll er dann die Spritze hervorgeholt und die Substanz injiziert haben. Die Spritze wurde bislang nicht gefunden.

Am Tag danach hat sich die Tat in der Umgebung des Tatorts längst rumgesprochen. Ein 24-Jähriger auf dem Weg zur Arbeit findet das Ganze „ekelhaft“. Zum Glück habe er noch keine Kinder, sagt er. Die könne man ja nicht mehr rauslassen. Eine 62-Jährige geht gerade zu ihrem Wagen. Auch sie hat von dem Fall gehört: „Man geht mit einem mulmigen Gefühl auf diesen Parkplatz.“ Eine 51-Jährige ist froh, dass sie am Donnerstag erst später mit ihren Hunden vor die Tür gegangen war - sonst wäre sie dem Täter womöglich noch begegnet.

Die Polizei nimmt den Fall sehr ernst. Man habe eine „personell sehr starke Ermittlungskommission“ eingerichtet, sagt Grauwinkel. Es seien auch schon Hinweise eingegangen, denen jetzt nachgegangen werde. Im Umfeld des Tatortes und der Schule, die die Jugendliche besucht, gebe es eine „gewisse Verunsicherung“. Mit der Schule habe man daher Kontakt aufgenommen. Grauwinkel betonte: „Wir haben keinerlei Hinweise darauf, dass es zu weiteren Opfern kommen wird. Wir können es aber auch nicht ausschließen.“ Bei verdächtigen Beobachtungen solle man umgehend die Polizei verständigen.

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