Bistum Münster versetzt Eklat-Pfarrer in Ruhestand

Nach tagelanger breiter Empörung greift das Bistum Münster durch. Ein Pfarrer wird faktisch aus dem Verkehr gezogen. Seine Äußerungen zu Missbrauch und Vergebung seien unerträglich, sagt auch der Bischof.

10.07.2019, 17:23 Uhr / Lesedauer: 2 min

Nach seiner empört aufgenommenen Predigt über Missbrauch und Vergebung ist ein katholischer Pfarrer in Münster in den Ruhestand versetzt worden. Ihm sei jegliche Äußerung zu dem Thema verboten, stellte Bischof Felix Genn am Mittwoch klar. Er dürfe mit seinen „unsäglichen Thesen“ niemanden weiter belästigen. Der Dienst als Seelsorger sei ihm mit sofortiger Wirkung untersagt, er dürfe nicht mehr predigen, die Beichtvollmacht sei ihm entzogen.

Zudem müsse sich Ulrich Zurkuhlen schriftlich entschuldigen bei Betroffenen, gegenüber der Gemeinde und allen Menschen, die er verletzt habe. Die Bezüge für den 79-Jährigen seien gekürzt, teilte das Bistum weiter mit. „Nulltoleranz gegenüber dem Verbrechen sexuellen Missbrauchs heißt für mich auch Nulltoleranz gegenüber solchen unsäglichen Äußerungen, wie sie der Priester getätigt hat“, betonte Genn.

Der emeritierte Pfarrer Zurkuhlen hatte in seiner Predigt Ende Juni um Vergebung geworben für Priester, die sexuellen Missbrauch begangen haben. Auch nach dem Eklat zeigte er sich in zahlreichen öffentlichen Äußerungen unbeirrt. Auf seiner Homepage legte er nach, er meine, es sei an der Zeit, „dass unsere kirchlichen Hierarchen doch auch den Missbrauchs-Tätern irgendwann vergeben würden“. Die Gemeinde hatte sich in einem öffentlichen Gespräch am Montagabend klar gegen Zurkuhlen positioniert.

Am Dienstagabend stellt die Gemeindespitze dann klar, dass sie jede weitere Zusammenarbeit mit dem kritisierten Geistlichen ablehnt. Zurkuhlen solle „weder in unserer Pfarrei noch an anderer Stelle weiter priesterliche Dienste ausüben“, schrieb der zuständige Pfarreirat der Katholischen Kirchengemeinde St. Joseph Münster-Süd auf Facebook. An Bischof Genn ging die Bitte, ihn „von allen priesterlichen Funktionen zu entbinden“.

Genn zeigte sich fassungslos: „Dass ein Priester bei alldem, was wir inzwischen über sexuellen Missbrauch, gerade auch durch Kleriker, über Täterstrategien und das Leid der Opfer wissen, hingeht und solche Äußerungen tätigt, ist unfassbar.“ Zurkuhlen schlage den Betroffenen „mitten ins Gesicht“. Im Umgang mit sexuellem Missbrauch müsse immer die Perspektive der Betroffenen im Mittelpunkt stehen. „Es geht jetzt nicht um Vergebung für die Täter, sondern um Gerechtigkeit - soweit das überhaupt und ansatzweise möglich ist - für die Opfer.“

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