Nach Messerangriff: Bürgermeister „wieder der Alte“

Vor einem Jahr rammte ein Mann dem Bürgermeister von Altena ein Messer in den Hals. Das Attentat schockierte bundesweit. Und lenkte den Blick auf Hass und Drohmails gegen Politiker.

22.11.2018, 07:28 Uhr / Lesedauer: 1 min

Die Messerattacke auf den Bürgermeister von Altena, Andreas Hollstein, vor einem Jahr hat den CDU-Politiker stark mitgenommen - aber nicht aus der Bahn geworfen. „Das Attentat und die Vielzahl der Droh- und Hassbotschaften danach haben mir zugesetzt“, sagte Hollstein der Deutschen Presse-Agentur. „Drei Hörstürze waren die Folge.“ Allerdings: Seit Sommer sei er „wieder der Alte“ und „voll belastbar“. Am 27. November 2017 hatte ein Mann den CDU-Politiker in einem Imbiss in der sauerländischen Stadt mit einem Messer angegriffen, die Tat hatte bundesweit Entsetzen ausgelöst.

Die beiden Imbissbesitzer Ahmed und Abdullah Demir waren Hollstein zur Hilfe geeilt, der am Hals leicht verletzt worden war. „Dank der Familie Demir lebe ich“, betonte der Bürgermeister rückblickend. Die zwei Helfer waren jüngst mit der Rettungsmedaille des Landes NRW ausgezeichnet worden. Hollstein ist bekannt für sein Engagement für Flüchtlinge, er erhielt dafür zuletzt im September einen internationalen Preis. Der Angreifer hatte Hollstein zufolge gesagt: „Ich steche dich ab. Du lässt mich verdursten, aber holst 200 Ausländer in die Stadt.“

Der Täter war im Juni vom Landgericht Hagen wegen gefährlicher Körperverletzung zu zwei Jahren Haft auf Bewährung verurteilt worden. Eine Tötungsabsicht sah das Gericht nicht. Der Angreifer hatte im Prozess verlesen lassen, dass er nach Schicksalsschlägen verwahrlost sei, sich verschuldet habe, man habe ihm das Wasser abgestellt.

„An meinen Einstellungen hat der Angriff nichts geändert. Der Hass treibt mich an, gegen diese traurige Erscheinungsform unserer Zeit Stellung zu beziehen“, sagte Hollstein. Das Attentat hatte auch eine Debatte über Bedrohungen, Beleidigungen und Hassmails gegen Politiker ausgelöst.

Das Urteil mit einer Bewährungsstrafe sei „himmelschreiend ungerecht“, hatte der CDU-Politiker im Sommer kritisiert, aber auf Rechtsmittel verzichtet. Ein Jahr nach dem Attentat bilanzierte er nun: „Vor Ort geht aus meiner Sicht alles normal weiter.“

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