Borussia Dortmund: Finanzen top: Sorge über Tabellenplatz

Bei Borussia Dortmund stimmen die Finanzen. Die Aktionäre bekommen wieder eine Dividende, die Aufsichtsräte erhalten mehr Geld. Beim Blick auf den Tabellenplatz aber gibt es Sorgenfalten.

25.11.2019, 08:20 Uhr / Lesedauer: 2 min

„Sportliche Ziele sind kapitalmarktrelevant.“ Mit dieser trockenen Einschätzung brachte Dietmar Erlebach die gespaltene Gefühlswelt der Aktionäre von Borussia Dortmund auf den Punkt. Erlebach vertritt die Deutsche Schutzvereinigung für Wertpapierbesitz (DSW). Während der Fußball-Bundesligist auf der Hauptversammlung am Montag fast durchgehend gute wirtschaftliche Zahlen präsentierte, beschrieb der DSW-Vertreter auch die aktuellen Sorgen: „Vor einem Jahr haben wir hier den Tabellenführer gesehen, heute sieht das anders aus.“ Aber: „Vieles ist sehr positiv. Sie haben bei den Finanzen gute Arbeit geleistet.“

Das sahen auch die Aktionäre so. BVB-Geschäftsführer Hans-Joachim Watzke erntete für seine Schilderung der wirtschaftlichen Situation mit einem Gewinn von über 17 Millionen Euro und einem Umsatz von knapp 490 Millionen Euro im Geschäftsjahr 2018/2019 breite Zustimmung.

Wie sehr den Aktionären der momentane Tabellenplatz 6 in der Bundesliga dennoch auf der Seele liegt, zeigte sich beim Auftritt des Aufsichtratsvorsitzenden Gerd Pieper. „Wir sind sportlich und wirtschaftlich im abgelaufenen Geschäftsjahr erfolgreich gewesen. Nach der letzten Saison hakt es jetzt noch ein wenig“, sagte Pieper und erntete höhnische Lacher. Watzke gestand ein: „An sechster Stelle zu stehen, ist nicht das, was wir wollen.“ Jetzt gelte es, eine „ganze Menge an dieser Saison zu reparieren“.

Watzke hatte die Zahlen des abgelaufenen Geschäftsjahres bereits im August vorgestellt. Daher richtete der Geschäftsführer seinen Blick auf das laufende Jahr. Der BVB will 2019/2020 erstmals mehr als 100 Millionen Euro durch Sponsoren einnehmen, im Vorjahr waren es rund 97 Millionen Euro. In dieser Summe sei der neue Sponsorenvertrag mit dem Ausrüster Puma noch nicht enthalten, sagte Watzke vor den Aktionären.

In der vergangenen Woche hatte Borussia Dortmund verkündet, dass der Vertrag mit Puma zu verbesserten Konditionen bis 2028 verlängert wurde. Nach Medienberichten nimmt der börsennotierte Fußballclub pro Jahr rund 30 Millionen Euro ein, insgesamt zahlt Puma damit 250 Millionen Euro an die Dortmunder.

Watzke gestand wie am Sonntag bei der Versammlung der Vereinsmitglieder Fehler bei der Kaderplanung ein („Wir hätten einen zweiten Stürmer holen müssen“). In Anwesenheit des Spielerrats um Kapitän Marco Reus, Axel Witsel, Mats Hummels und Lukasz Piszczek betonte der BVB-Geschäftsführer, weiterhin alles versuchen zu wollen, um das ausgesprochene Saisonziel Meisterschaft zu erreichen.

Trainer Lucien Favre ließ sich von Watzke bei den Aktionären vor dem Spiel in der Champions-League gegen den FC Barcelona am Mittwoch wegen des laufenden Trainings entschuldigen. Sein reservierter Stuhl in der Halle blieb leer.

An die Aktionäre schüttet Borussia Dortmund 5,5 Millionen Euro vom Gewinn aus. Pro Aktie sind das, wie in den vergangenen Jahren, 6 Cent. Damit bekommen die BVB-Aktionäre im achten Jahr in Folge eine Dividende.

Kritik äußerten einige Aktionäre in der Aussprache an der vorgeschlagenen Verdoppelung der Vergütung des Aufsichtsrates. Watzke wies dies zurück: „Wir sind bei der Vergütung am untersten Ende der Dax-Konzerne. Es passt nicht mehr“, sagte der BVB-Geschäftsführer. Er versprach: „Die Frage stellt sich dann die nächsten fünf bis zehn Jahre nicht mehr. Und wir sind dann noch immer am unteren Rand.“ Die Aktionäre sprachen sich mit fast 99 Prozent dafür aus.

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