Nach Angriff: US-Botschaft im Irak geschlossen

Gewaltsame Proteste

Nach Demos und einem versuchten Sturm auf die US-Botschaft in Bagdad bleibt das Gebäude geschlossen. Außenminister Pompeo appelliert an Iraks Regierungschef, die diplomatische Vertretung zu schützen.

Bagdad

02.01.2020, 17:45 Uhr / Lesedauer: 2 min
Nach Angriff: US-Botschaft im Irak geschlossen

Irakische Sicherheitskräfte stehen vor der US-Botschaft in einer Reihe Wache, während hinter ihnen, auf dem Gelände der US-Botschaft, Rauch aufsteigt. © Qassim Abdul-Zahra/AP/dpa

Nach den gewaltsamen Protesten an der US-Botschaft in Bagdad herrscht im Irak gespannte Ruhe. Die Demonstranten zogen sich aus der besonders gesicherten Grünen Zone im Zentrum der irakischen Hauptstadt zurück.

Hunderte Demonstranten wollen US-Botschaft stürmen

Die irakischen Sicherheitskräfte erklärten, sie hätten die Lage wieder unter Kontrolle gebracht, wie die staatliche Nachrichtenagentur INA am Donnerstag meldete. Die US-Botschaft bleibt aber bis auf Weiteres für den Publikumsverkehr geschlossen.

Als Reaktion auf US-Luftangriffe gegen schiitische Milizen am Wochenende waren am Dienstag Hunderte Demonstranten in Bagdads Grüne Zone eingedrungen, um die US-Botschaft zu stürmen. Mehrere Wachhäuschen wurden in Brand gesetzt, Mauern beschmiert und Brandsätze geworfen.

Sicherheitskräfte drängten die Demonstranten jedoch zurück, bevor sie auf das Botschaftsgelände gelangen konnten. Zur Abschreckung setzte das US-Militär auch Kampfhubschrauber ein.

US-Außenminister: Apell an Iraks Regierungschef

US-Außenminister Mike Pompeo appellierte am Mittwoch in einem Gespräch mit Iraks Regierungschef Adel Abdel Mahdi erneut an die Pflicht des Iraks, „weitere Angriffe gegen unsere diplomatische Vertretung zu verhindern“.

Das US-Militär verlegte zum Schutz der Botschaft umgehend rund 100 Marineinfanteristen aus dem benachbarten Kuwait. Am Mittwoch entsandten die Streitkräfte für den Fall einer weiteren Eskalation zudem rund 750 Fallschirmjäger aus den USA in die Region. Die USA haben derzeit rund 5000 Soldaten im Irak stationiert.

USA machen Iran verantwortlich

Abdel Mahdi ist derzeit jedoch nur eingeschränkt handlungsfähig. Er hatte im November nach wochenlangen Protesten gegen die Regierung seinen Rücktritt eingereicht und ist nur noch geschäftsführend im Amt. Hinter den Kulissen wird um einen Nachfolger gerungen.

Die USA machen den Iran für die Proteste verantwortlich, weil Teheran die schiitischen Milizen im Irak unterstützt. Die Führung in Teheran weist den Vorwurf jedoch vehement zurück. US-Außenminister Pompeo verschob angesichts der Spannungen eine für Ende der Woche geplante Reise in die Ukraine, nach Weißrussland, Zentralasien und Zypern bis auf Weiteres.

Pompeo werde in Washington bleiben, um die angespannte Situation im Irak zu beobachten und die Sicherheit aller US-Bürger im Nahen Osten zu garantieren, erklärte das Außenministerium.

Auslöser der Proteste: Luftangriffe auf schiitische Miliz

Auslöser der Proteste waren Luftangriffe der USA auf Einrichtungen der schiitischen Miliz Kataib Hisbollah (Hisbollah-Brigaden). Dabei starben 25 Menschen, 50 weitere wurden verletzt.

Die vom Iran unterstützte Gruppe wird seit 2009 von den USA als Terrororganisation eingestuft und soll für mehrere Angriffe auf US-Einheiten im Irak verantwortlich sein. Vergangenen Freitag waren bei Raketenangriffen auf eine irakische Militärbasis in Kirkuk ein dort stationierter US-Angestellter getötet und vier US-Soldaten verletzt worden.

RND/dpa

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