Standards zum Schutz von Kindern gegen sexualisierte Gewalt

Der Horror von Lügde ist ein Weckruf für die Politik: Wie können Kinder besser vor sexuellem Missbrauch geschützt werden? Der NRW-Familienminister hat vielen Experten zugehört und legt nun Empfehlungen vor.

18.07.2019, 02:53 Uhr / Lesedauer: 1 min

Als Konsequenz aus dem massenhaften Kindesmissbrauch im lippischen Lügde stellt Nordrhein-Westfalen Handlungsempfehlungen zum Schutz vor sexualisierter Gewalt auf. Am Donnerstag (12.45 Uhr) präsentiert Familienminister Joachim Stamp in Düsseldorf ein Konzept.

Der FDP-Politiker möchte in Jugendämtern, Schulen, Kitas, Vereinen sowie Jugend- und Freizeiteinrichtungen Mindeststandards für den Kinderschutz umsetzen. Das Ziel: Sexualisierte Gewalt gegen Kinder und Jugendliche möglichst zu vermeiden, mindestens aber frühzeitig wahrzunehmen und zu reagieren. Im Vorfeld hatte sich der Minister über das Thema mit Fachleuten aus der Kinder- und Jugendhilfe ausgetauscht sowie mit Experten aus dem Kinderschutz, den Betroffenenverbänden, der Wissenschaft, den Jugendämtern, Kommunen und Parteien.

Neben zahlreichen Polizeipannen sollen die Jugendämter in Lippe und im niedersächsischen Hameln frühe Hinweise auf sexuellen Missbrauch falsch eingeschätzt haben. Das in Niedersachsen rechtlich zuständige Jugendamt Hameln-Bad Pyrmont hatte einem arbeitslosen Dauercamper im nordrhein-westfälischen Lügde trotz seiner vermüllten Behausung die Pflegeerlaubnis für ein Kindergartenkind übertragen - auf Wunsch der Kindesmutter. Die heute Achtjährige soll in mehr als 100 Fällen von ihrem Pflegevater missbraucht worden sein.

In NRW haben Verdachtsfälle von Kindeswohlgefährdung deutlich zugenommen. Nach Zahlen des Statistischen Landesamts stieg deren Zahl 2018 im Vergleich zum Vorjahr um fast zehn Prozent auf rund 43 500 Fälle. Unter Kindeswohlgefährdung fallen unter anderem Misshandlung und Vernachlässigung sowie sexuelle Gewaltanwendung.

Fast 40 Prozent der Kinder, bei denen eine akute Kindeswohlgefährdung festgestellt wurde, waren demnach zwischen zehn und 17 Jahren alt. Fast jedes vierte Kind war jünger als drei Jahre.

In etwa jedem vierten Fall wurden die Jugendämter in NRW durch Polizei, Gerichte oder Staatsanwaltschaften auf eine mögliche Kindeswohlgefährdung hingewiesen. In etwa jedem sechsten Fall machten Verwandte, Bekannte oder Nachbarn des Kindes auf die Gefährdung aufmerksam.

Weitere Meldungen
Meistgelesen