NRW-Grüne im Höhenflug: Volksparteien CDU und SPD schrumpfen

Die Grünen in NRW freuen sich über einen rekordträchtigen Mitgliederzuwachs. Den großen Volksparteien aber sterben Mitglieder weg. Kleinere Parteien verzeichnen einen bescheidenen Zuwachs.

20.12.2019, 07:00 Uhr / Lesedauer: 2 min
NRW-Grüne im Höhenflug: Volksparteien CDU und SPD schrumpfen

Mona Neubaur und Felix Banaszak, Landesvorsitzende von Bündnis 90/Die Grünen in Nordrhein-Westfalen. Foto: Marcel Kusch/dpa

Die Grünen können dank des gesellschaftlichen Megathemas Klimawandel bundesweit und auch in Nordrhein-Westfalen über einen Rekord-Mitgliederzuwachs jubeln. Die großen Volksparteien schrumpfen dagegen Jahr für Jahr weiter. So haben CDU und SPD auch im Jahr 2019 Mitglieder verloren.

Die Mitgliederzahl bei der NRW-CDU verringerte sich mit Stand Ende November um mehr als 2260 auf knapp 122 830 im Vergleich zum Vorjahresmonat. Damit ist die CDU aber immer noch der bei weitem stärkste Parteiverband in NRW. Fast 2200 Mitglieder starben nach Angaben der Partei im Verlauf des Jahres. Den Austritten von mehr als 3900 Mitgliedern standen Eintritte von fast 4350 Neu-Mitgliedern gegenüber.

Besonders viele Neuzugänge (mehr als 1670) verzeichnete die NRW-CDU dabei im Herbst 2019. „Die Eintritte zeigen, dass unsere Politik im Land ankommt und die Menschen Lust haben, mitzumachen“, sagte der Generalsekretär der NRW-CDU, Josef Hovenjürgen, auf Anfrage.

Auch die SPD in NRW musste weiter Federn lassen. Ihre Mitgliederzahl schrumpfte seit Ende 2018 sogar um rund 5000 auf 104 000. Nach Angaben einer Sprecherin starben rund 1600 Mitglieder. Und es traten mehr Mitglieder aus (knapp 5860) als ein (rund 3100).

Nach dem Rückzug der SPD-Bundesvorsitzenden Andrea Nahles und der Wahl der neuen Doppelspitze aus Saskia Esken und Norbert Walter-Borjans hofft der stärkste Landesverband nun auf einen Stabilisierungseffekt. „Es ist gut, dass wir jetzt die neue Parteispitze gewählt haben und uns endlich um den klar ausgerichteten politischen Kompass der SPD kümmern“, sagte die Generalsekretärin der NRW-SPD, Nadja Lüders. Es gehe jetzt verstärkt darum, „wieder verstanden zu werden“ und „einen Dialog auf Augenhöhe zu führen“.

Die Grünen in NRW sind zwar immer noch viel kleiner als CDU und SPD. Aber im Gegensatz zu den Volksparteien weist die Mitgliederzahl der Öko-Partei steil nach oben. Und das, obwohl sie derzeit weder im Bund noch in NRW Regierungsverantwortung tragen. 40 Jahre nach Gründung ihres Landesverbands vermeldeten die NRW-Grünen kurz vor Weihnachten gut 18 950 Mitglieder - rund 4100 mehr als ein Jahr zuvor. Das entspricht einem Zuwachs von fast 28 Prozent. Damit haben die Grünen auch die NRW-FDP überholt, die Ende 2019 rund 17 600 Mitglieder zählte.

Mit einem Frauenanteil von fast 41 Prozent und einem Durchschnittsalter von rund 48 Jahren sind die Grünen deutlich jünger und weiblicher als andere Parteien. „Für uns ist der Anstieg Bestätigung und Ansporn“, sagten die Landesvorsitzenden Mona Neubaur und Felix Banaszak. Nächstes Ziel für die Grünen sind die Kommunalwahlen im September. NRW solle in städtischen und ländlichen Regionen „grüner“ werden, sagten sie.

Die in NRW mitregierende FDP liegt zwar bei der Mitgliederstärke nun erstmals hinter den Grünen, aber auch sie vermeldet für 2019 einen bescheidenen Zuwachs um 100 auf rund 17 600 Mitglieder. 1500 Personen seien 2019 als Neu-Mitglieder zu den Freien Demokraten gestoßen, sagte ein Sprecher. Dass trotz üblicher Karteibereinigungen die Mitgliederzahl weiter gestiegen sei, sei „ein starkes Signal dafür, dass die Menschen unseren Einsatz für die Modernisierung unseres Landes unterstützen wollen“.

Auch die Linke in NRW, die im Landtag nicht vertreten ist, freut sich über einen Zuwachs um 170 auf gut 8350 Mitglieder. Der Partei träten viele junge Menschen bei, die sich politisch vor allem auf den Themenfeldern Antifaschismus, Klimagerechtigkeit und Armutsbekämpfung politisch engagieren wollten, sagte eine Sprecherin. Im Zuge der bevorstehenden Kommunalwahlen würden zudem viele Kreisverbände um neue Mitglieder werben - und das mit Erfolg.

Die AfD in NRW legte ebenfalls leicht zu und zählt derzeit nach Angaben eines Sprechers gut 5480 Mitglieder. Das sind rund 210 mehr als im Dezember 2018.

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