Unser heutiger Test-Kandidat liegt gut sechs Kilometer von der Innenstadt entfernt: das Ausflugslokal Mutter Stuff. Ein Name, den fast jeder Werner kennt. Aber was hat das Lokal zu bieten?

Werne

, 05.10.2018, 05:30 Uhr / Lesedauer: 3 min

Zunächst einmal bietet es eine lange Geschichte. Denn vor knapp 180 Jahren, genau gesagt 1841, gründeten Johann Heinrich Stuff und seine Frau Gertrud das Ausflugslokal direkt am Wald.

Damals hieß die Gaststätte noch „Wirtshaus zur Linde“. Später erfolgte die Umbenennung in „Gasthof zur Waldeslust“. Erst seit den 1960er-Jahren trägt die Gastronomie mit Blick auf die Gründer den Namen „Mutter Stuff“.

Mutter Stuff: Dieses Preis-Leistungs-Verhältnis ist nicht zu schlagen

Beliebt bei Ausflüglern, Fahrradfahrern und Wanderern seit fast 180 Jahren: Mutter Stuff. © Jörg Heckenkamp

Im Grunde ist das Lokal zweigeteilt: Biergarten- und Restaurant-Betrieb. Im Sommer nutzen zahlreiche Ausflügler den Biergarten unter Bäumen. Allenfalls, um auf die Toilette zu gehen, betreten sie die Gasträume.

Die sind wie geeignet für eine Zeitreise. Der vordere Thekenbereich erinnert von der Anmutung her an einen gemütlich-rustikalen Tennen-Bereich. Dem schließt sich ein weiterer Gastraum an sowie dahinter, parallel zum großen Festsaal (bis 100 Personen), ein langgezogener Speisenraum. Mit seiner durchgehenden Fensterfront ist er hell wie ein Wintergarten.

Alles in allem: Jede Pore dieses Hauses atmet Geschichte.


Die Speisen:

Die Karte versammelt die Klassiker, die ich mir in einem rustikalen und gutbürgerlichen Restaurant wünsche. Es gibt die bekannte Schnitzelparade auf einer ganzen Seite, außerdem vier Mal Rumpsteak.

Freunde deftiger münsterländer Kost kommen selbstverständlich auf ihre Kosten. So stehen diverse Schnittchen als kalte Speisen auf der Karte, mehrere Bratkartoffel-Variationen, Pfannkuchen und so weiter sowie der unverwüstliche Toast Hawaii.

Mutter Stuff: Dieses Preis-Leistungs-Verhältnis ist nicht zu schlagen

Neben dem großen Festsaal verläuft der dritte, längliche Gastraum, der mit seiner Fensterfront an einen Wintergarten erinnert. © Jörg Heckenkamp

Unerwartet: eine eigene Seite mit vegetarischen Gerichten. Allerdings darf der Fleisch-Feind keine Gourmet-Kreationen erwarten. Das Angebot reicht vom Großen Salatteller über diverse Pfannkuchen bis zum Schnittchen. Toast Hawaii auch hier, dieses Mal in der vegetarischen Form.

An diesem Test-Abend begleitete mich wieder einmal Arbeitskollege Daniel Claeßen. Er wollte unbedingt die Küche von Mutter Stuff kennenlernen. Erster Pluspunkt für ihn waren aber die Getränke. „Kronen Export, sehr gut“, meinte er. Es durfte ein 0,5 Glas sein. Der Grundstein für einen erfolgreichen Test war gelegt.

Mutter Stuff: Dieses Preis-Leistungs-Verhältnis ist nicht zu schlagen

Die Rindfleischsuppe war kräftig gewürzt, mit gutem Aroma. © Jörg Heckenkamp

Schnell hatten wir uns entschieden. Claeßen nahm Rindfleischsuppe (3,20 Euro) und das Pfefferschnitzel (8,50 Euro), ich entschied mich für die Ochsenschwanzsuppe (3,20 Euro) und die Sülze mit Bratkartoffeln (6,40 Euro). Bei den niedrigen Preisen waren wir gespannt, was uns die Küche vorsetzt.

Mutter Stuff: Dieses Preis-Leistungs-Verhältnis ist nicht zu schlagen

Die gebundene Ochsenschwanzsuppe war guter Durchschnitt. Perfekt dagegen: das Preis-Leistungs-Verhältnis bei 3,20 Euro. © Jörg Heckenkamp

Fazit: Es war alles völlig in Ordnung. Die Rindfleischsuppe kräftig mit gutem Geschmack, die gebundene Ochsenschwanzsuppe keine Offenbarung, aber ok. Zusatz-Nutzen beider Suppen war die aromatische Scheibe Bauernbrot, die jeweils auf dem Teller lag.

Mutter Stuff: Dieses Preis-Leistungs-Verhältnis ist nicht zu schlagen

Perfekte Pommes, ein gutes Schnitzel und eine durchschnittliche Pfeffersoße. Doch auch hier gilt: für den Preis von 8,50 Euro kann man nicht meckern. © Jörg Heckenkamp

Ähnliches Bild bei den Hauptgerichten: Claeßen lobte hoch die Pommes, fand das Schnitzel in Größe und Geschmack klasse, die Soße so lala. Auf meinem Teller tat sich ein ähnliches Bild auf: der klassische Beilagensalat köstlich, die Sülze ein Traum, den Bratkartoffeln hätte aber etwas weniger Fett gut getan.

Mutter Stuff: Dieses Preis-Leistungs-Verhältnis ist nicht zu schlagen

Köstlich: die Sülze mit Bratkartoffeln und Beilagensalat. Den Bratkartoffeln hätten etwas Fett besser angestanden. © Jörg Heckenkamp

Aber letztlich, im Verhältnis zum Preis gesetzt, ist das Angebot unschlagbar.

Die Getränke:

Im Vergleich zu den günstigen Speisen sind sie nicht ganz so preiswert, aber immer noch an der unteren Kante: ein 0,2 Bier (Pils oder Export), 1,60 Euro, Hefeweizen 3,75 Euro, Cola (0,3) 2,40 Euro, Tasse Kaffee 1,70 Euro. Vergleichsweise teuer ist der Espresso für 2 Euro.

Mutter Stuff: Dieses Preis-Leistungs-Verhältnis ist nicht zu schlagen

Klassisch: der sehr gute Espresso auf dem Tablett mit der Plastik-Servierte. So, wie man es von annodazumal kennt. © Jörg Heckenkamp

Die Preise:

Wie schon gesagt: Die Speisen sind unglaublich günstig und dafür von guter Qualität. Die Schnitzel rangieren zwischen 7 und 9 Euro. Die einzigen Gerichte, die die 10-Euro-Marke übersteigen, sind die Rumpsteaks für rund 16 Euro.

Die Atmosphäre:

Rustikal, gut-bürgerlich, ein Hauch von Jagdzimmer. Der Besucher fühlt sich, als würde er in eine vergangene Welt eintauchen. Andere mögen es Sanierungsstau nennen, wir haben uns in dieser besonderen Atmosphäre wohl gefühlt.

Besuchenswert ist im Sommer der dem Haus vorgelagerte Biergarten unter viel Grün. Kleines Manko: Davor verläuft direkt die vielbefahrene Selmer Landstraße.

Der Service:

Bei unserem abendlichen Besuch waren sechs Tische besetzt. Die einzige Kellnerin hatte die auf drei Gasträume verteilten Besucher gut im Blick. Wartezeiten auf Speisen und Getränke gingen in Ordnung.

Lediglich ein Patzer unterlief ihr: Sie selbst fragte, ob Kollege Claeßen etwas zu den Pommes haben wollte. Die bestellte Mayonnaise hat sie dann aber vergessen. Wofür sie sich später von sich aus entschuldigte - also Scharte ausgewetzt.

Kinderfreundlichkeit:

Kindergerichte sind in der Karte nicht aufgeführt. Es stehen aber Kinderstühle zur Verfügung.

Barrierefreiheit:

Eine kleine Stufe ist direkt am Eingang zu überwinden. Innen ist alles auf einer Ebene. Die Toiletten sind aber weit entfernt am Ende des letzten Gastraumes.

Mein Fazit:

Eine urtümliche Gastronomie mit langer Tradition, die gute Qualität für wenig Geld liefert. Besonders im Sommer ein Traum.

Anfahrt/Parken:

Da Mutter Stuff weit außerhalb liegt, kommen viele mit dem Pkw. Ein entsprechend großer Parkplatz ist vorhanden.

Was sagt das Netz:

62 Google-Rezensionen geben 4,1 von 5 Sternen. Die Bandbreite der Kommentare ist weit gespannt von hohem Lob über die „leckere Hausmannskost“ bis zum Tadel über mangelnden Service und einen „Kuchen, der fast noch gefroren“ war.

Restaurant-Infos:

Mutter Stuff, Selmer Landstraße 206, 59368 Werne,

Tel.: (02389) 2214; E-Mail: info@mutter-stuff.de

ACHTUNG: Betriebsferien vom 8. bis 28. Oktober 2018

Freitag 14.30 bis 22 Uhr, Samstag bis Mittwoch 11 bis 22 Uhr, Donnerstag Ruhetag.

Mutter Stuff

Frühere Restaurant-Checks

Wie funktioniert der Restaurant-Check? Wir gehen ohne Vorankündigung in die jeweiligen Restaurants – als ganz normale Gäste. Wir sind keine Gastro-Experten, sondern einfach Menschen, die gerne an schönen Orten essen. Wir beschreiben die Läden so, wie wir über sie auch mit Freunden und Bekannten sprechen würden. Mit ihren Schwächen, mit ihren Stärken. Ehrlich. Nachdem wir die Rechnung beglichen haben, offenbaren wir uns und vereinbaren für die nächsten Tage einen Fototermin für die Gaststätten-Aufnahmen. Info: Das ist in diesem Fall nicht gelungen. Die Inhaber wollten keine weiteren Fotos zulassen, sodass dieser Restaurant-Check optisch nicht den gewohnten Umfang bieten kann (etwa Panorama-Bilder und Fotostrecke).
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