Müssen die Brötchen jedes Jahr nach den Sommerferien wieder teurer werden?

dzBrötchenpreise in Schwerte

Der Kunde ist es gewohnt: Nach den Sommerferien muss er für seine Brötchen tiefer ins Portmonee greifen. Doch eine Bäckerei in Schwerte macht in diesem Jahr bei der Preisrunde nicht mit.

Schwerte

, 04.09.2019, 12:00 Uhr / Lesedauer: 2 min

Alles wird teurer? Stimmt nicht ganz. Etwas Knackiges, Goldbraunes macht den Trend nicht mit. Die Brötchen kommen bei Bäcker Becker weiter zum gewohnten Preis in die Tüte. „Wir werden dieses Jahr nicht mehr erhöhen“, erklärt Bäckermeister Sascha Ruhnke aus der Inhaber-Familie.“

Normalerweise wird nach den Sommerferien eine Preisrunde beim Brötchenkauf eingeläutet. Doch in diesem Jahr will Sascha Ruhnke die Mehrkosten für die Löhne seiner Mitarbeiter, die zum 1. Juni um 2,8 Prozent gestiegen sind, nicht an die Kunden weitergeben. Auch die Vergütung der Auszubildenden werde am 1. September angehoben. „Gottseidank“, sagt Ruhnke: „Die leisten auch was.“ Er selbst hat früher nur die Hälfte der 820 Euro gesehen, die es heute im dritten Lehrjahr brutto gibt.

Rohstoffkosten sind durch langfristige Verträge stabil

Doch nicht nur Arbeit steckt im Brötchen, auch Mehl, Hefe, Malz, Salz und Wasser. Bei diesen Zutaten hat der Bäckermeister vorgesorgt: „Bei vielen Rohstoffen haben wir langfristige Kontrakte und gut verhandelt.“ Das schützt vor großen Preissprüngen. Beispielsweise wird Butter saisonal meist im Herbst teurer, wenn die Weihnachtsbäckerei beginnt.

Zusätzlich zu schaffen macht dem Betrieb die immer mehr überbordende Bürokratie. Ordner an Ordner reiht sich an den Wänden im Büro. Dokumentationen über Dokumentation. Eigentlich müssten die Brötchen sogar teurer sein, wenn sie direkt im Geschäft gegessen werden. Statt der normalen 7 Prozent Mehrwertsteuer auf Lebensmittel will das Finanzamt bei diesem „In-House-Verkauf“ 19 Prozent sehen - doch diesen Aufschlag gibt Ruhnke nicht weiter. Egal, wo sie verzehrt werden, kosten normale Spitzbrötchen bei ihm 36 Cent - seit dem 1. November 2018.

Bäckerei Aßhoff machte Preisrunde im Vorjahr nicht mit

Bei der Preisrunde im Vorjahr hat der zweite Schwerter Betrieb mit eigener Backstube vor Ort, die Bäckerei Aßhoff, sogar komplett ausgesetzt. Dort sind die Brötchen zurzeit immer noch für 30 Cent zu haben. „Ich werde dieses Jahr erhöhen“, muss Bäckermeister Günter Aßhoff aber ankündigen. Um wie viele Cent, das konnte er noch nicht sagen: „Das werde ich in Ruhe angehen.“

Die Bäckereien Aßhoff und Becker sind die einzigen selbstständigen Betriebe, die in der Ruhrstadt verblieben sind. „Als mein Vater vor 65 Jahren anfing, gab es noch 36 backende Betriebe in Schwerte“, sagt Günter Aßhoff. Doch kann kamen die Filialketten und die Aufbackstationen in den Supermärkten. Im Münsterland hat Sascha Ruhnke schon gesehen, wie sich Kollegen weitere Einnahmen erschlossen: Ein Sonntagszuschlag, der die Brötchen von wochentags 40 auf 45 Cent verteuert: „Aber daran denke ich nicht.“

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