Mordprozess um sechsjährige Leonie: Lebenslange Haft für Stiefvater

Schwere Misshandlung

Im Mordprozess um die sechsjährige Leonie ist der Stiefvater zu lebenslanger Haft wegen Mordes verurteilt worden. Bei der Urteilsverkündung soll im Gerichtssaal Jubel ausgebrochen sein.

Neubrandenburg

09.01.2020, 11:35 Uhr / Lesedauer: 1 min
Mordprozess um sechsjährige Leonie: Lebenslange Haft für Stiefvater

Der Stiefvater der sechsjährigen Leonie im Gerichtssaal. © picture alliance/dpa

Knapp ein Jahr nach dem gewaltsamen Tod der sechsjährigen Leonie aus Torgelow (Landkreis Vorpommern-Greifswald) hat das Landgericht Neubrandenburg am Donnerstag den angeklagten Stiefvater zu einer lebenslanger Haftstrafe wegen Mordes durch Unterlassen, Körperverletzung mit Todesfolge und Misshandlung von Schutzbefohlenen verurteilt.

Der Richter begründet das Urteil mit dramatischen Worten, berichtet die „Ostsee-Zeitung“: „Leonie starb allein in einem kalten, dunklen Zimmer. Niemand war bei ihr. Niemand hielt ihre Hand.“

Bei der Urteilsverkündung brach laut „OZ“ Jubel im Gerichtssaal aus. Viele Besucher sollen begonnen haben, zu weinen. Der Richter kündigte an, dass sich auch Leonies Mutter vor Gericht verantworten müsse. Leonie war am 12. Januar 2019 tot in der Wohnung der Familie in Torgelow in Vorpommern gefunden worden. Auch ihr zweijähriger Bruder war misshandelt worden.

Verteidigung verwies auf Treppensturz

Mit dem Urteil folgte die Schwurgerichtskammer der Forderung der Staatsanwaltschaft. Diese hatte eine lebenslange Haftstrafe verlangt und ihre Forderung vor allem auf Angaben von Leonies Mutter gestützt. Diese hatte vor Gericht von einer „Spirale der Gewalt“ durch den Lebensgefährten gesprochen. Sie habe früher Hilfe holen wollen, sei daran aber gehindert worden.

Der Stiefvater hatte vor Gericht lediglich eine schriftliche Erklärung verlesen lassen, in der er einen Treppensturz des Mädchens als Ursache für die tödlichen Verletzungen angab. Dem folgte das Gericht nicht. Eine Rechtsmedizinerin hatte festgestellt, dass die schwere Kopfverletzung mit der Hirnblutung nicht mit einem Treppensturz erklärbar sei. Leonie musste schon längere Zeit misshandelt worden sein.

Die Verteidigung hatte bis zuletzt darauf bestanden, dass es wirklich einen Treppensturz des Mädchens gegeben und dieser den Tod verursacht habe. Wer dem Mädchen die Verletzungen zugefügt habe, sei nicht nachweisbar. Die Aussagen der Mutter hielten die Anwälte für unglaubwürdig. Einen konkreten Strafantrag hatte Verteidiger Bernd Raitor aber nicht gestellt.

RND/dpa/seb

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