Mord in Ergste: Mutmaßlicher Täter Michael S. will über die Tatnacht sprechen

dzGerichtsprozess

Ein langer Prozess, ein fast überführter Täter – und doch eine zentrale Frage offen: Wieso wurde eine 72-Jährige in Schwerte-Ergste getötet? Am Mittwoch sagt der Angeklagte aus. Indirekt.

Schwerte

, 29.10.2019, 17:00 Uhr / Lesedauer: 2 min

Ist Michael S. (50) der Täter? Ist er in der Nacht von 9. auf 10. Januar 2019 im Haus einer 72-Jährigen in Ergste gewesen? Hat er die Frau umgebracht und den Körper anschließend versucht anzuzünden, um die Tat zu vertuschen?

Michael S. DNA-Spuren wurden an vielen Orten im Haus gefunden – auch an der Kleidung der Frau, auch an intimer Stelle. Hinzu kommt seine Vergangenheit: 28 Jahre hatte er in Gefängnissen gesessen, nachdem er 1990 eine Frau aus sexuellen Motiven ermordet hatte. Erst im Oktober 2018 war er aus der Justizvollzugsanstalt Schwerte entlassen worden, die nur wenige Meter vom Tatort Gillstraße entfernt liegt.

Alkohol, Drogen, Geldprobleme – Michael S. kurze Zeit in Freiheit

Viele Zeugen berichteten im Laufe des Prozesses übereinstimmend davon, dass Michael S. sein Leben in den wenigen Monaten in Freiheit schnell entglitt, dass er allerhöchstens noch unregelmäßig zur Arbeit ging, dass Alkohol und Drogen immer wichtiger wurden, dass auch das Geld knapp wurde.

Der psychologische Gutachter schließlich machte deutlich: Ein Michael S. in Freiheit dürfte eine Gefahr für andere Menschen sein.

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Der Angeklagte redete – aber nicht über die Tatnacht

Michael S. schwieg lange. Dann gab es einen spontanen Wutausbruch, eine Art Rechtfertigung, dass die anderen generell Schuld an seiner Lage seien. Und kurz bevor die Plädoyers von Staatsanwalt und Verteidiger angestanden hätten, sagte er etwas über sein Leben an sich. Was wann wo schrecklich gewesen sei. Und wer schrecklich zu ihm gewesen sei.

Aber was in der Nacht passierte, in der die Frau starb? Dazu wollte Michael S. nichts sagen – zumindest nicht öffentlich in der Verhandlung. Stattdessen besuchte der Psychologe den Angeklagten ein drittes Mal in der JVA Hagen, wo Michael S. seit Januar sitzt.

Psychologe gibt am Mittwoch das wieder, was Michael S. ihm sagte

Nur ihm wollte der 50-Jährige erzählen, was aus seiner Sicht am 9. Januar 2019 passiert sei. Der Gutachter sollte das dann später in der Verhandlung wiedergeben.

Das geschieht nun am Mittwoch, 30. Oktober, ab 14 Uhr in Saal 201 des Landgerichts Hagen – also fast vier Monate nach dem Prozessauftakt, zwei Monate nach dem Termin, an dem eigentlich das Urteil hätte verkündet werden sollen.

Wieso also wurde die 72-Jährige getötet? Wenn es überhaupt je eine Antwort darauf geben kann, dann also am Mittwoch.

Prozess endet bald


Plädoyers und Urteil am 6. November ab 11 Uhr

Für danach ist nur noch ein einziger Prozesstag angesetzt – und der dürfte lange dauern: Am Mittwoch, 6. November, ab 11 Uhr soll es zunächst das Plädoyer von Staatsanwalt Michael Burggräf geben, dann das von Verteidiger Martin Düerkop – und schließlich das Urteil der Richter um den Vorsitzenden Marcus Teich.
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