Mord? Totschlag? Sicherungsverwahrung? Die offenen Fragen im Prozess gegen Michael S.

dz72-Jährige getötet

Seine DNA war bei der Toten im Haus. Reicht das, um Michael S. als Mörder zu verurteilen? Das ist nur eine der Fragen, die offen sind im Prozess nach dem Tod einer 72-Jährigen aus Ergste.

Ergste

, 07.08.2019, 05:00 Uhr / Lesedauer: 2 min

Der Angeklagte schweigt - und das macht es kompliziert. Im Prozess gegen den vorbestraften Sexualmörder Michael S. (50) stehen noch drei von insgesamt sieben Prozesstagen aus. Vieles ist schon gesagt worden und ans Licht gekommen. Anderes ist noch unklar.

Was die wichtigsten Fragen sind und wie aktuell die Antworten lauten.

? War Michael S. der Täter?

Es ist schwer, das Gegenteil zu behaupten. Im Haus der getöteten 72-Jährigen an der Gillstraße fand man seine DNA: an ihrem Rücken, ihrem Unterarm, am iPhone, an der Türklinke und im Türrahmen, selbst an einer Steckdosenverlängerung im Obergeschoss, wo ein Bügeleisen ins Bett gelegt wurde, dann aber aus technischen Gründen kein Brand ausbrach.

In der Vernehmung nach der Festnahme hatte Michael S. den Polizisten erzählt, er kenne die 72-Jährige nicht und sei nie dort gewesen. Seitdem schweigt er. Auch im Prozess.

Die DNA-Spuren dürften dennoch als eindeutige Beweise gelten, um ihn zu überführen. Hinzu kommen andere Indizien.

? War es Mord? Oder doch nur Totschlag?

Das ist deutlich komplizierter zu sagen. Der Rechtsmediziner, der die Leiche obduzierte, konnte keine eindeutige Todesursache ausmachen. Starb die Frau an den Schlägen, den Stichen auf den Oberkörper, am Würgen, letzlich erst am Brand? Oder war es eine Mischung aus alledem? Hatte sie doch gesundheitliche Schwächen, die zum Tod beitrugen? All das ist unklar.

Ein allgemeines Beispiel: Schießt ein Mensch auf den Oberkörper eines anderen und das auch noch vorsätzlich, ist es Mord. Macht er aber nur etwas, das dann die Ursache für den Tod des anderen ist - vor allem im Affekt und nicht in der Absicht, den anderen umzubringen, dann ist es Totschlag.

Was tatsächlich in der Nacht vom 8. auf den 9. Januar im Haus an der Gillstraße passierte, ist unklar. Und deshalb auch, ob der Richter am Ende eher den Vorwurf „Mord“ aufrecht erhalten wird oder ob Michael S. wegen Totschlags verurteilt werden soll.

Auch dazu nur generell: Ein dünnes Mord-Urteil könnte leicht angefochten werden, ein sicheres Totschlag-Urteil hingegen nicht.

Jetzt lesen

? Muss Michael S. in Sicherungsverwahrung?

Das hängt nicht unwesentlich vom psychologischen Gutachter ab und von seiner Antwort auf die Frage: Wäre ein erneut freigelassener Michael S. wohl eine Gefahr für die Allgemeinheit? Bisher gilt der 50-Jährige als Angeklagter in einem Mord-Prozess, dem zur Last gelegt wird, eine 72-jährige Frau getötet zu haben. Und er ist ein 1990 verurteilter Mörder, der laut Urteil von damals mit Anfang 20 einen Sexualmord an einer 58-Jährigen beging sowie eine andere Frau kurz darauf beraubte und sexuell bedrängte.

Im aktuellen Prozess schilderte eine grauhaarige Frau, Michael S. habe wenige Tage vor der Tat auf ihrer Couch gelegen, an seinem Penis herumgespielt und ihr zugeraunt, sie solle doch herkommen. In der Nacht, in der die übrigens nicht grauhaarige 72-Jährige in Ergste starb, wurde von ihrem Rechner untypischerweise „Porno-Oma“ gegoogelt und ein passendes Video geschaut.

Jetzt lesen

? Muss ein Mörder in Sicherungsverwahrung, ein Totschläger nicht?

Nein, das eine hat mit dem anderen nichts zu tun.

Lesen Sie jetzt
Hellweger Anzeiger Abfindungs-Affäre
Staatsanwaltschaft erhebt Anklage gegen Schwerter Ex-Bürgermeisterkandidaten Paul Ahrens
Hellweger Anzeiger Landgericht Hagen
Drei von vier „falschen Polizisten“ aus Schwerte werden auf Bewährung freigelassen
Hellweger Anzeiger Landgericht Hagen
„Falsche Polizisten“ aus Schwerte: Sind sie Weihnachten schon wieder frei?
Hellweger Anzeiger Landgericht Hagen
„Falsche Polizisten“ aus Schwerte: Seniorin lockte Trickbetrüger in die Falle
Hellweger Anzeiger Landgericht Hagen
In Schwerte Drogen an Minderjährige verkauft? Oder doch in Holland gewesen?
Hellweger Anzeiger 72-Jährige getötet
Fall Michael S. – 14 Jahre Haft oder nachträglich doch wieder lebenslänglich?
Meistgelesen