„Club“ und Mönchengladbach trauern um Hans-Jörg Criens

Er führte den Begriff „Joker“ in die Fußballsprache ein. In den 80er Jahren galt Hans-Jörg Criens als idealer Einwechselspieler und schoss die Mönchengladbacher diverse Mal zum Sieg. Am 2. Weihnachtstag starb der frühere „Club“-Profi im Alter von 59 Jahren völlig unerwartet.

27.12.2019, 11:50 Uhr / Lesedauer: 2 min

Er war nie Nationalspieler, deutscher Meister oder Pokalsieger - und doch genoss Hans-Jörg Criens bei Borussia Mönchengladbach Legendenstatus. Lediglich Jupp Heynckes (195) und Herbert Laumen (97) erzielten mehr Bundesliga-Tore für die „Fohlen“ als der Angreifer (92). Die Nachricht von seinem unerwarteten Tod am 2. Weihnachnachtstag im Alter von 59 Jahren sorgte auch bei seinem früheren Verein 1. FC Nürnberg für Bestürzung.

„Unser aufrichtiges Mitgefühl gilt allen Angehörigen und Freunden“, schrieben die Franken. „Borussia Mönchengladbach wird Hans-Jörg Criens immer in dankbarer Erinnerung behalten“, hieß es in einer Mitteilung des Clubs aus der ersten Liga. „Wir lassen nur die Hand los, nicht den Menschen. Ruhe in Frieden LANGER“, schrieb sein ehemaliger Mitspieler Jörg Neun auf Instagram.

Zum Kultstatus des in Neuss geborenen Criens trug vor allem das Pokal-Halbfinale am 1. Mai 1984 bei. Schließlich schlüpfte er in diesem Spiel, das in der ereignisreichen Vereinshistorie der Borussia noch immer zu den unvergessenen Höhepunkten zählt, in die Rolle des Hauptdarstellers. Der beim Stand von 4:3 für Werder Bremen eingewechselte Criens traf kurz vor dem Ende der regulären Spielzeit zum 4:4 - und in der Verlängerung zum 5:4-Endstand. Dieser Auftritt trug zu seinem Ruf als erster „Joker“ im deutschen Fußball bei. Immerhin gelangen ihm bei 67 Bundesliga-Einwechslungen 14 Tore.

Als sein Herzensclub in den Jahren danach allmählich den Kontakt zur nationalen Spitze verlor, wurde aus dem Einwechselspieler ein Leistungsträger. Criens führte das Team häufig als Mannschaftskapitän auf das Feld und sah sich laut Verein „selbst als Leitfigur“. In seinen zwölf Jahren bei der Borussia bestritt er 341 Pflichtspiele und erzielte dabei 115 Tore. Nach zwei weiteren Jahren beim 1. FC Nürnberg beendete Criens 1995 seine aktive Profikarriere. Ein Knorpelschaden im linken Kniegelenk zwang ihn zum Aufhören.

Zu seinen größten Erfolgen zählen die Teilnahmen an den Pokal-Endspielen 1984 und 1992 sowie der dritte Bundesliga-Platz mit Mönchengladbach in der Saison 1983/84. 1987 kam Criens in einem Spiel für die deutsche Olympia-Auswahl zum Einsatz. Im selben Jahr stand er mit der Borussia im Halbfinale des UEFA-Pokals.

Nach seinem Karriereende war Criens noch in unteren Spielklassen als Spieler und Trainer aktiv. Dabei coachte er auch zwei Jahre lang die Mönchengladbacher A- und B-Jugend. Für Borussias Traditionsmannschaft, die Weisweiler Elf, war Criens bis zuletzt aktiv.

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