Nachdem ich Ende Juli auf eigenen Wunsch vom Paderborner Erzbischof Hans-Josef Becker beurlaubt word

dzErklärung im Wortlaut

Norbert Wohlgemuth und sein Rücktritt als Pfarrer – das bestimmende Thema der letzten Wochen. Jetzt nimmt der 58-Jährige mit persönlichen Worten Abschied. Das ist seine Erklärung im Wortlaut.

von Norbert Wohlgemuth

22.08.2019, 16:04 Uhr / Lesedauer: 2 min

Nachdem ich Ende Juli auf eigenen Wunsch vom Paderborner Erzbischof Hans-Josef Becker beurlaubt worden bin, ist viel passiert. In unseren Gremien, Verbänden und Gemeinden, in unserer Stadt und den Ortsteilen – aber auch weit darüber hinaus. Ein solch großes Medienecho habe ich weder erwartet noch angestrebt. Auch persönlich haben mich ungezählte Rückmeldungen erreicht, sei es mit einem Besuch bei mir im Pfarrhaus, sei es eine Einladung gewesen, seien es ungezählte Telefonanrufe, Briefe, Karten und Bilder von Kindern und vor allem auch von älteren Gemeindemitgliedern, seien es Rückmeldungen über WhatsApp oder per eMail, oder seien es direkte Ansprachen auf der Straße oder in der Stadt. Für alle positiven und bestärkenden Worte danke ich auf diesem Wege; ich bitte um Verständnis, falls es mir wider Erwarten nicht möglich ist, allen persönlich zu antworten; Sie können sicher sein, dass Ihre Nachrichten mich erreicht haben und dass ich mich sehr über jeden Gruß gefreut habe. Ich danke für alles Wohlwollen, alles Verständnis, alle Unterstützung, aber auch für alle Kritik an meiner Entscheidung.

Mein Dank gilt zum Abschied jedem Einzelnen und auch allen meinen ehemaligen Mitarbeitern in den Teams, Büros, in der Liturgie und in den Gremien. Ich habe mich ausgesprochen wohl in Fröndenberg gefühlt. An Ihnen lag und liegt mein Rücktritt nicht.

Es handelt sich um eine ganz persönliche Entscheidung; daher erwarte ich auch jetzt nicht, dass alle diese Entscheidung richtig finden. Auch möchte ich nicht, dass mein Rücktritt mit Kleinigkeiten wie zum Beispiel der Länge einer nicht oder doch noch gewährten Auszeit erklärt wird. Meine Kritik geht weit über meinen Fall hinaus und ist viel wichtiger, als ich es bin. Dankbar bin ich den Mitgliedern unserer Frauengemeinschaft, die sich aus eigenem Antrieb ermutigt wissen, nun noch beharrlicher als bisher schon ihr Recht auf Teilhabe in der Kirche einzufordern. Das immer weiter vernetzte Engagement dieser starken Frauen stimmt mich froh; auch damit habe ich nicht gerechnet.

Es ist Vieles in den Medien berichtet worden; nicht alles entsprach der Wahrheit. Es ist müßig, hier korrigierend einzugreifen.

Ich habe von vielen aktiven Gemeindemitgliedern gehört, dass sie nun überlegen, ebenfalls ihren Dienst zu beenden. Daher bitte ich alle, Jung und Alt, Groß und Klein, sich weiter in der Kirchengemeinde vor Ort zu engagieren. Euer und Ihr Engagement soll nicht an der Beziehung zu mir hängen, sondern an der je eigenen Berufung, die Gott schenkt und täglich erneuert.

Auch wenn meine seelischen Kräfte nicht mehr ausreichen, um eine zeitgemäße Kirche zu gestalten, hoffe ich, dass jeder sich mit seinen Fähigkeiten einbringt und an einer Kirche für unsere Zeit mitarbeitet. Die Reform unserer Krieche ist ein sehr mühsamer und langwieriger Prozess. Möget ihr und mögen Sie dazu die Kraft, die Fantasie und das nötige Gottvertrauen haben.

Bleiben wir im Gebet miteinander verbunden, Gott schenke euch und Ihnen allen seinen guten Segen.

Mehr zum Thema:
Lesen Sie jetzt
Hellweger Anzeiger Umzug am Samstag

Ex-Pfarrer Wohlgemuth nimmt mit persönlichen Worten Abschied von Fröndenberg

Hellweger Anzeiger Wohlgemuth-Rücktritt

Debatte nach Pfarrer-Rücktritt: KFD Fröndenberg auf Augenhöhe mit Päpstlichem Ehrenkaplan

Hellweger Anzeiger Pfarrer-Rücktritt

Erzbistum nach Gespräch in Fröndenberg: „Lebenswirklichkeit stärker in den Blick nehmen“

Hellweger Anzeiger Wohlgemuth-Rücktritt

Erzbistum Paderborn stellt sich Fragen von Hundert Katholiken - aber kein neuer Ortspfarrer

Hellweger Anzeiger Rücktritt Pfarrer Wohlgemuth

Fröndenbergs kfd-Frauen nach Demonstration sicher: Diese Welle hält man nicht mehr auf

Hellweger Anzeiger Rücktritt Pfarrer Wohlgemuth

Fröndenberger Frauen wollen Unterstützung bei Gespräch mit Personalchef des Erzbistums