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Mit Wollmütze und Handschuhen im Hochsommer

dzCooler Job

Sonne. Schwitzen. Stöhnen. Die Temperaturen sind für viele Menschen zu hoch. Da wäre ein Job, der einen abkühlt, doch genau das Richtige. Wir haben ihn gesucht – und gefunden.

von Leandra Stampoulis

Werne

, 03.08.2018 / Lesedauer: 3 min

Heiko Neumann (47) sitzt auf seinem Stapler und ist konzentriert bei der Arbeit. Er trägt dicke Handschuhe, lange Arbeitshosen, eine dicke Jacke, Sicherheitsschuhe und eine rote dicke Wollmütze. Das ist Heikos Arbeitskleidung. Das einzige Körperteil, welches noch unbekleidet ist, ist sein Gesicht, auf dem er ein Lächeln trägt.

Er arbeitet im Tiefkühllager der Firma L. Stroetmann. Hier liegen die Temperaturen zwischen minus 21 und minus 25 Grad und er arbeitet gerne dort. Das ist ein extremer Temperaturunterschied von rund 55 Grad.

„Ich liebe diesen Job, das Klima ist toll und total mein Ding. Also die Temperatur hier drin und das Klima unter den Mitarbeitern“, sagt Heiko fröhlich grinsend. Er selbst hat keine Probleme bei der Kälte zu arbeiten. „Es gab hier mal Jemanden, der einen Schnauzer trug. Der war ab und zu sogar teilweise gefroren.“

Ein Raum ohne Fenster

Der Stapelfahrer arbeitet schon seit 15 Jahren im Tiefkühllager. Acht bis neun Stunden geht seine Schicht. Lena Beck arbeitet in der Logistik und erklärt, dass man für so einen Job im Tiefkühllager gemacht sein muss. Das Lager hat keine Fenster. Hohe Regale reichen bis zur Decke. Wenn man nicht an die Temperaturen gewöhnt ist, erscheint einem der Raum bei der Hitze fast unwirklich.

Nicht nur der Temperaturunterschied ist riesig, sondern auch der Lichtunterschied. Draußen scheint die Sonne mit voller Kraft und im Lager ist davon keine Spur. Hier wird geräumt und umgestellt – riesige Mengen an Lebensmitteln, mit denen die Firma unter anderem Einzelhändler beliefert.

Winterjacken im Hochsommer

Wenn man sich bei solchen Minustemperaturen lange Zeit nicht bewegt und lange auf seinem Stapelfahrzeug sitzt, kann das auch gefährlich für den Körper werden, sagt Beck. Die Knochen können anfangen weh zu tun. Deshalb gibt es einen Aufwärmraum. Hier laufen die Heizungen auf Hochtouren und es herrscht eine angenehme Raumtemperatur.

„Die Mitarbeiter sollten nach einer halben Stunde im Tiefkühllager für ungefähr zehn Minuten in diesen Raum“, sagt Lena Beck. Hier hängen viele dicke Winterjacken an den Haken. Ebenfalls unwirklich im Hochsommer an eine dicke Winterjacke zu denken.

Jeden Tag Winter

Heiko Neumann ist eigentlich an die Temperaturen auf der Arbeit gewöhnt. Aber wenn er in diesen Tagen nach Hause kommt, muss auch er sich erstmal eine halbe Stunde hinlegen, weil er dann Kreislaufprobleme bekommt. „Ich mag diese Sommerhitze nicht. Ich hoffe sehr stark auf Regen,“ sagt Neumann und richtet seine dicke rote Wollmütze mit seinen Handschuhen. Er kann und will sich keinen anderen Job mehr vorstellen.

Vor dem Stroetmann-Gebäude herrscht eine andere Klimazone. 33 Grad sind es. Es fühlt sich an, als würde man kaum Luft bekommen. Stickig. Die Sonne strahlt einem frech ins Gesicht. Es ist Sommer draußen. Für Heiko Neumann ist es, zumindest auf der Arbeit, jeden Tag Winter.

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