Mit Bildern in die ganze Welt: Wie Anna Schüler mit ihrer Malschule aus der Krise fand

dzSelmer Malerin

Ein Malstudio in Selm eröffnen? Ihre Steuerberaterin schlug nur die Hände über den Kopf zusammen. Anna Schüler hat es aber trotzdem gemacht. Sie konnte nicht anders.

Selm

, 20.11.2018, 11:33 Uhr / Lesedauer: 3 min

Neulich hat Anna Schüler ein Bild nach Island verkauft. „Darüber habe ich mich besonders gefreut“, sagt die Künstlerin. Sie selbst war noch nie in Island. Ihre Bilder aber schon. In San Francisco hat sie einen Galeristen, auch nach New York sind schon Bilder von ihr gegangen. „Dadurch, dass ich im Internet bin, kommen meine Bilder in die ganze Welt“, sagt Anna Schüler.

„Ich verkaufe international, nur in Selm habe ich noch nicht so viele Sammler“, sagt sie und grinst. Vermutlich, so mutmaßt sie, wissen viele Selmer gar nicht, dass es sie gibt. Dabei hat Anna Schüler bereits seit 15 Jahren ein Malstudio in Selm.

Kontakt zum bekannten Künstler

Gemalt hat sie schon immer, wie sie sagt. Bereits als Sechsjährige saß sie vor dem Fernseher, schaute sich Ballett an und vertiefte sich in die grazilen Bewegungen, die sie nachzeichnete. „Früher gab es für mich nur lesen, malen und draußen sein“, erzählt Anna Schüler. Als sie 16 ist, macht sie sich mit einer Mappe auf zu Ernst Oldenburg, einem bekannten Expressionisten. Ihm gefallen Anna Schülers Bilder. Er gibt ihr Feedback und einen ungewöhnlichen Ratschlag. „Such dir einen reichen Mann und male.“ Anna Schüler malt auch, aber, wie sie sagt, kam das Leben irgendwie dazwischen.

Anna Schüler studiert Germanistik und Psychologie, statt den reichen Mann heiratet sie einen Studenten. Statt viel Zeit für Kunst und Inspiration ist eher Improvisation gefragt. „Ich hatte kein Geld für eine Staffelei, also habe ich im Flur einen Tisch hingestellt und die Leinwand mit Steinen fixiert.“ Sie zieht nach Selm und arbeitet in einer Kita, die heute die Kita Konfetti ist. Bis zu diesem Moment vor mehr als 15 Jahren, als plötzlich gar nichts mehr ging.

Es ging einfach nicht mehr

„Irgendwann hatte ich einen Zusammenbruch“, sagt Anna Schüler. Sie macht eine Therapie. „Es hat sich dann herausgestellt, wie wichtig das Malen für mich war“, sagt sie. Dabei hatte sie immer gemalt. Aber nur so nebenbei. Doch plötzlich war klar: Nur nebenbei malen geht nicht mehr. Gegen das, was sie immer wollte, kann sie nicht anarbeiten. „Es war so, als würde irgendwas schreien: ,Hallo, du hast mich vergessen‘“, erzählt Anna Schüler.

Mit Bildern in die ganze Welt: Wie Anna Schüler mit ihrer Malschule aus der Krise fand

Stifte, Staffelei und ganz viele Farben. So sieht es im Malereistudio von Anna Schüler aus. © Sabine Geschwinder

Dass sie tatsächlich ihren Lebensunterhalt mit der Malschule verdienen könnte, war nicht von Anfang an klar. „Meine Steuerberaterin sagte nur ‚Oh Gott“, erzählt die 62-Jährige. Doch von den Bedenken konnte sie sich nicht beeinflussen lassen. „Ich hatte einfach keine Wahl“, erzählt Anna Schüler.

So bezieht sie im Jahr 2003 gegen den Rat ihrer Steuerberaterin ein Studio in der Ludgeristraße in der Selmer Altstadt. Zwölf Quadratmeter ist das groß. Ein Stuhl, eine Staffelei, ein paar Stühle gibt es. Zunächst gibt sie Kurse für Kinder - etwas, was sie sich auch gewünscht hat, als sie ein Kind war.

Kinder und Erwachsene

Dann kommen erste Erwachsene, die interessiert an ihrem Schild stehen bleiben. Die erste von ihnen ist Daniela Baumann, die an diesem Donnerstagabend im November im Malstudio - inzwischen in der Schmerlingstraße in Beifang - sitzt. „Ich habe immer gerne gemalt“, erzählt Daniela Baumann. „Und ich habe genau wie die Kinder mit Kreisen und Kegeln angefangen.“ Es geht darum, sich zunächst an Formen heranzuarbeiten, um dann irgendwann das malen zu können, worauf man Lust hat. Viele von denen, die schon von Anfang an da waren, kommen noch immer. „Wir sind inzwischen auch befreundet. Manche treffen sich zum Kochen, wir malen“, erzählt Dorothea Riemenschneider-Lehrmann. Anna Schüler schaut ihren Malschülerinnen über die Schulter und gibt Tipps. Während manchmal nur der Ton des malenden Pinsels zu vernehmen ist, wird zwischendurch gequatscht und auch viel gelacht.

Mit Bildern in die ganze Welt: Wie Anna Schüler mit ihrer Malschule aus der Krise fand

Bei der Malgruppe am Donnerstagabend sind viele Teilnehmer schon seit Jahren dabei. © Sabine Geschwinder

Die Zahl der Malschüler hat sie allerdings mit den Jahren heruntergeschraubt. Im Jahr 2008 hat sie 90 Malschüler in der Woche. Heute sind es noch etwa 35. Zusätzlich bildet sie als Dozentin Kreativpädagogen aus, die mit Menschen malen, die Traumatisches erlebt haben. „Da profitiere ich vielleicht von meinen Erfahrungen“, sagt Anna Schüler. „Beim Malen kann es ans Eingemachte gehen, aber dadurch, dass man etwas macht, ist der Schmerz vielleicht nicht so stechend.“ Negatives, kann mit Positivem übermalt werden.

„Malerei macht Türen auf“, sagt Anna Schüler. Das gilt auch für sie.

Flash Sale: Alle Selmer, die ein Bild von Anna Schüler erwerben wollen, haben am Wochenende des 1. und 2. Dezember die Gelegenheit dazu. Dann veranstaltet die Malerin in ihrem Atelier in der Schmerlingstraße 34 einen „Flash-Sale.“ Das bedeutet, sie verkauft ausgewählte Bilder zu Preisen zwischen 25 bis 250 Euro. Der Malkurs „Malen für Senioren ab 70“ mit Anna Schüler im Selmer Café Ehrenamt findet am Dienstag, 20. November, von 15 Uhr bis 16.30 Uhr statt.
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